Lieber in Dollar

In der MIT-Umgebung von Boston: Novartis-CEO Daniel Vasella und das neues Forschungszentrum. Novartis

Der starke Schweizer Franken beeinflusst die Abschlüsse der Schweizer Firmen. Den Umsatz machen sie im Ausland, die hohen Kosten in der Schweiz.

Dieser Inhalt wurde am 28. Oktober 2002 - 15:39 publiziert

Der Basler Pharmariese Novartis bilanziert als Konzern künftig nur noch in Dollar. Das sieht besser aus.

Wenn es auf der ganzen Welt nur eine Währung gäbe, dann würden keine Währungseffekte anfallen. Weil es aber Dollar, Euro, Yen, Pfund Sterling und Schweizer Franken als wichtige Währungen gibt, müssen sich die globalen Unternehmen mit den Qualitäten der Währung, die auch ein Bild der jeweiligen Volkswirtschaften sind, arrangieren.

So schreibt Novartis zum Beispiel im Halbjahresbericht: "Die Stärke des Schweizer Frankens hat einen negativen Währungseinfluss von 7% zur Folge."

Und Nestlé-Chef Brabeck rechnete vor einer Woche vor, dass der Nestlé-Umsatz in den ersten neun Monaten 2002 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 6% auf 66,2 Mrd. Franken stieg. Dass aber negative Wechselkurs-Einflüsse drückten die Verkäufe in Schweizer Franken um 7,3% (siehe Related Story).

Wachstumsraten je nach Währung

Im Bilanzbericht nach neun Monaten: Novartis meldet einen Umsatzanstieg um vier Prozent auf 24,2 Mrd. Franken. "Ebenfalls um 4 Prozent nahm der Reingewinn zu", steht weiter. Dann: "In Lokalwährungen liegen die Verkäufe über dem Wert der Vorjahresperiode. Das heisst, in den Währungen der jeweiligen Märkte wäre der Gewinn um 11 Prozent gewachsen; in den in Franken ausgewiesenen Erfolgsrechnungen sind es nur 4 Prozent. Nachdem die Franken-Zahlen bekannt wurden, sank der Aktienkurs deutlich.

Da überrascht es nicht, dass der Basler Pharmakonzern ankündigte, künftig seine Finanz-Berichterstattung auf US-Dollar umzustellen. Wie Novartis-Sprecher Mark Hill gegenüber swissinfo/SRI begründete, weil das Unternehmen heute bereits 43% der Verkäufe auf dem US-Markt und nur 6% in Schweizer Franken erziele und "wir 20% der Aktionäre in den USA haben."

Kostenintensiver Hauptsitz

Novartis dementiert nicht, dass im Hauptsitz Schweiz inklusive Forschung rund 30% der Kosten anfallen. In Schweizer Franken werden aber nur 6% umgesetzt. Das bedeutet, dass das Unternehmen mehr in Dollar verdienen muss, um die hohen Kosten in Schweizer Franken zu bezahlen.

Dies gilt zumindest solange der Franken gegenüber dem Dollar hoch bewertet bleibt. Allein im diesem Jahr, so die Experten bei UBS Warburg, schwächte sich der Dollar gegenüber dem Franken um 10% ab. Heisst das, mit der Umstellung der Konzernrechnung auf US-Dollar werden auch Kosten in Franken gespart, und Novartis macht einen weiteren Schritt aus der Schweiz und zieht zusehends in die USA? Mit der Konzentration der Konzern-Forschung in Boston unter US-amerikanischer Leitung, wären die Weichen ja dafür gestellt!

Leichter vergleichbar mit der Branche

"Nein", dementiert Novartis Sprecher Hill, zwar habe man in Boston ein neues Forschungszentrum gegründet, deswegen verlasse man die Schweiz nicht, denn auch hier seien exzellente Wissenschafter am Werk. "Doch die Amerikaner ziehen nicht in die Schweiz um, da gehen wir eben auf unserem grössten Absatzmarkt forschen."

Mark Hill nennt noch einen andern Grund für die Rechnungslegung in US-Dollar. In der Topliga der Pharmakonzerne befänden sich vor allem US-Firmen. "Wir spielen da mit und man kann uns in Dollar besser mit den andern vergleichen."

10% Dollar-Abwertung gleich 6% Gewinneinbusse

Generell ist die Basler Chemiebranche von der Relation Dollar zu Franken besonders betroffen, da sie rund 40 Prozent des Umsatzes in Dollar erzielt. Bei Clariant zum Beispiel sagt Pressechef Patrick Kaiser: "Wenn sich der Dollar gegenüber dem Franken um 10% abwertet, heisst das für uns, dass der Betriebsgewinn (Ebit) um rund 6% kleiner wird.

Doch Clariant profitiert zu Zeit vom relativ tiefen Dollarkurs, da das Unternehmen, so Kaiser, wenig Rechnungen in Franken hat. 31% des Umsatzes erziele man in Dollar, 26% der Kosten würden in Dollar anfallen. Und die Verrechnungen in Schweizer Franken bezeichnet Kaiser für Clariant als "Peanuts". Clariant rechnet heute in Dollar ab.

Am 29. Oktober meldete auch ein weterer Basler Chemikonzern, Ciba Spezialitäten-Chemie, ihre Konzernergebnisse für die ersten neuen Monate 2002: 5,41 Mrd. Franken Umsatz (minus 4%) und 312 Mio. Franken Gewinn (plus 3%). Doch auch Ciba SC unterliess es nicht, auf den starken Franken zu verweisen: "Für das gesamte Jahr 2002 rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg von Umsatz und Gewinn, falls sich die Währungsrelationen zum Schweizer Franken nicht weiter verschlechtern."

Roche gibt generell nicht detailliert Auskunft über die Währungseffekte. Das Unternehmen setzt ebenfalls 40% des Umsatzes in Nordamerika um. Gegenüber der "Basler Zeitung", so heisst es bei Roche nebulös, weil die Firma über eine breitere Produktionsbasis ausserhalb der Schweiz verfüge, "falle der negative Effekt eines leichteren Dollars schwächer aus."

Urs Maurer, swissinfo

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