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Liechtenstein - Durchlaucht und lebendig

Schloss Vaduz: Wahrzeichen der fürstlichen Familie.

(Keystone)

Kann mitten in Europa ein 160 Quadratkilometer grosser Staat überleben, der nicht mehr Einwohner zählt als ein mittelgrosser Konzern? Er kann, wie Liechtenstein beweist.

Das mit der Schweiz eng verbundene Fürstentum feiert am Mittwoch seinen 200. Geburtstag.

Liechtenstein hat rund 35'000 Einwohner, verfügt über keine eigene Währung, ist im Postwesen mit der Schweiz vernetzt und beteiligt sich im FIFA-Fussball am Schweizer Spielbetrieb.

Das Fürstentum Liechtenstein wird am Mittwoch 200 Jahre alt, lässt sich den runden Geburtstag mehr als 3 Millionen Franken kosten und leistet sich als Herzstück der Feierlichkeiten erst noch einen "Cirque Souverain".

Auch im Kleinstaat gibt es grossen Streit

Schwerer tut sich Liechtenstein mit der Innenpolitik. Zwar versteht sich das Fürstentum als konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage. Seine Durchlaucht, Fürst Hans Adam II. von Liechtenstein, drohte im Jahre 2003 auszuwandern, wenn das Volk die Verfassungsabstimmung ablehnen sollte. Als Nahziel stand die Schweiz zur Debatte.

Seine Durchlaucht setzte sich beim Verfassungsentscheid durch, und der Fürst und sein fürstliches Vermögen blieben im Land. Hans-Adam II. kann mit seinen neuen Befugnissen theoretisch jeden Volksentscheid kippen.

Vaduz einfach

Zwischen der Schweiz und Liechtenstein hat sich in den letzten Jahren ein Korridor zur Entsorgung hochgestellter Persönlichkeiten entwickelt. Seine Durchlaucht, Hans-Adam II., liess es bei seiner Auswanderungsdrohung bewenden. Wolfgang Haas, der ehemalige Schweizer Bischof von Chur, hatte sich im Jahre 1997 nach kontroversen Personalentscheiden im Bistum unbeliebt gemacht. Papst Johannes Paul II. ernannte Wolfgang Haas zum obersten Schirmherrn des neu geschaffenen Erzbistums und verschob ihn nach Vaduz.

Die Sensibilitäten zwischen Vaduz und Bern können hoch sein. Der Aufsatz "Einen schön durchlauchten Geburtstag für S. Durchlaucht" (1976) des Schweizer Publizisten Niklaus Meienberg führte damals zu einem mittleren Skandal und zu mehreren Schreibverboten für Meienberg. Inzwischen dominiert eine enge wirtschaftliche, politische und diplomatische Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Liechtenstein.

Hat die Schweiz Grund zum Neid?

Der Kleinstaat lebt. Liechtenstein ist ein wichtiger Finanzplatz und eine weltweit bekannte Steueroase mit einem der strengsten Bankkundengeheimnisse. Liechtenstein ist auch das Land der Briefmarken und der Briefkastenfirmen, das sich eine eigene Hochschule leistet und sich in wenigen Jahrzehnten vom armen Agrarland zu einem der reichsten Industrie- und Dienstleistungsländer entwickelt hat.

Fürst Hans-Adam II. hat im August 2004 seinen Sohn Erbprinz Alois als seinen Stellvertreter eingesetzt und ihn mit der Ausübung aller ihm gemäss Verfassung zustehenden Hoheitsrechten betraut. In seiner ersten Thronrede sprach der Erbprinz von "Leidensdruck", der offenbar im Fürstentum noch nicht genug hoch sei, damit der Kleinstaat grosse Reformen an die Hand nehme. Wenn es nicht klappt, kann er jederzeit in die Schweiz auswandern.

swissinfo, Erwin Dettling, Zürich

In Kürze

Bei der Gründung des Fürstentums hatte Napoleon, dem das Römische Reich Deutscher Nation ein Dorn im Auge war, eine wichtige Rolle gespielt. Er bewegte 16 Fürstentümer dazu, sich vom Deutschen Reich loszusagen und sich 1806 im Rheinbund zusammenzuschliessen.

Während die übrigen Fürstentümer ihre Souveränität einbüssten und von der politischen Landkarte verschwanden, vermochte sich Liechtenstein zu halten.

1920 lehnten es die Mitglieder des Völkerbundes ab, das Fürstentum als souveränen Staat aufzunehmen. Der Kleinstaat ging 1923 mit der Schweiz eine Zollunion ein. Der Durchbruch kam 1950, als der Internationale Gerichtshof in Den Haag das Fürstentum als Mitglied aufnahm.

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Fakten

In den vergangenen drei Jahrzehnten hat das Fürstentum seine Existenz als Staat im internationalen Umfeld konsolidiert:
1978: Beitritt zum Europarat
1990: Beitritt zur UNO
1991: Mitglied der Europäischen Freihandels-Assoziation (EFTA)
1995: Teilnahme am Europäischen Wirtschaftsraum (EWR)

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