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Linke und bürgerliche Frauen vereint voran

Nach den Bundesratswahlen am 10. Dezember 2004 gingen die Frauen (und auch einige Männer) auf die Strasse.

(Keystone Archive)

Nach den Rückschlägen bei den Bundesratswahlen im vergangenen Dezember lehnen sich die Frauen nun gegen die Untervertretung auf. Geplant ist ein nationaler Frauenkongress.

Der Anlass soll am 10. Dezember 2005 stattfinden und Frauen von links bis rechts vereinen. Allerdings scheren die rechtsbürgerlichen SVP-Frauen bereits aus.

Es gibt in der Schweiz einen Gleichstellungsartikel. Doch alle Untersuchungen zeigen, dass Frauen für gleiche Arbeit immer noch deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Es gibt zahlreiche Aufrufe und Bekenntnisse, die eine angemessenere Vertretung der Frauen in Wirtschaft und Politik wollen. Doch das Gegenteil ist zur Zeit der Fall: Vor allem in den bürgerlichen politischen Parteien verlieren die Frauen an Terrain.

So wurde die freisinnige Bundesratskandidatin Christine Beerli bei den Regierungswahlen vom vergangenen Dezember nicht gewählt, obwohl kurz zuvor Ruth Metzler abgewählt worden war, und viele dachten, sie werde durch eine Frau ersetzt. Doch die Mehrheit des Parlamentes wollte Hans-Rudolf Merz.

Dass es in den Chefpositionen der Wirtschaft ebenfalls wenige bis keine Frauen gibt, darauf machte kürzlich der Schweizer Arbeitgeberverband aufmerksam.

Zusammen mit dem Bund Schweizerischer Frauenorganisationen, "Alliance F", hat er eine Kampagne lanciert, damit mehr Frauen den Aufstieg in die "Teppichetage" schaffen.

10. Dezember 2003: "Frauen geopfert"

Die Frauenvertreterinnen von SP, Grünen, FDP, CVP, EDU und Liberalen betonten in einer Mitteilung am Donnerstag, dass jetzt ein gemeinsamer Aufbruch gewagt werden müsse und nicht stillgestanden werden dürfe. Deshalb hätten sich die politischen Vertreterinnen dazu entschieden, gemeinsam für ihre Anliegen zu kämpfen.

Einzig nicht mit dabei sind die SVP-Frauen, die sich gegen die Muttschafts-Versicherung ausgesprochen haben und entsprechend die Haltung der übrigen nicht teilen.

Der Frauenkongress soll jedoch erst nach der Abstimmung über den bezahlten Mutterschafts-Urlaub im Herbst stattfinden, sagte Barbara Perriard, Sprecherin der freisinnigen Frauen. Das Datum des 10. Dezembers wurde gewählt, um an die für die Frauen fatalen Bundesratswahlen 2003 zu erinnern.

Barbara Perriard sagte gegenüber swissinfo, dass sie an diesem 10. Dezember Feministin geworden sei. "Ich war schockiert, wie man mit Ruth Metzler und Christine Beerli umgegangen ist, sie faktisch geopfert hat." Für Perriard ist klar, dass die Tatsache, dass es sich um Frauen gehandelt habe, eine grosse Rolle spielte.

Wirtschaftliche Lage mitentscheidend

Dass das Thema "Frau" in der Gesellschaft heute wieder vermehrt, und zwar von rechts bis links, in den Vordergrund rückt, hat für Katrin Scheidegger-Ogi, stellvertretende SP-Generalsekretärin, mit der momentanen wirtschaftlichen Situation zu tun.

"Wenn das wirtschaftliche Klima härter wird", sagte sie gegenüber swissinfo, "dann stellen wir fest, dass es auch für die Frauen härter wird." Es finde dann immer eine Rückwärtsbewegung statt, hin zum traditionellen Frauenbild. "Das geschieht im Moment."

Gute Vorbereitung

Warum dann erst ein Kongress in rund zwei Jahren, wenn die Probleme jetzt drängen? Scheidegger-Ogi ist der Meinung, dass die Probleme auch in zwei Jahren noch die gleichen sein werden.

Ein solcher Kongress, ein Grossanlass, müsse professionell, seriös und umfassend organisiert werden, sagte Scheidegger-Ogi. Der Ort müsse stimmen, dann müssten die wesentlichen Personen eingeladen und ein gemeinsames Datum gefunden werden.

"Wir wollen keinen Kongress, bei dem 50 Resolutionen verabschiedet werden, die dann doch alle unrealistisch sind und im Sand verlaufen."

Am Kongress sollen zwei, drei realistischen Forderungen erarbeitet werden, die dann auch umgesetzt werden sollen.

Problem der bürgerlichen Frauen

Dass jetzt auch die bürgerlichen Frauen - nach der kalten Dusche bei den Bundesratswahlen - mithelfen am gleichen Strick zu ziehen, findet Katrin Scheidegger-Ogi gut.

"Wir Frauen bei den Sozialdemokraten haben dieses Problem viel weniger." Doch auch in der SP sei es nicht ohne Kampf zu dieser vergleichbar besseren Position gekommen. Da können wir sicher aus unserer Erfahrung viel einbringen.

Kongress genügt nicht

Die Politologin Regula Stämpfli ist der Meinung, dass ein Erfolg für die Frauen nicht nur mit einem Kongress zu erreichen sei.

Wie sie gegenüber Schweizer Radio DRS sagte, ist ein Erfolg nur dann möglich: "Wenn sich nach dem Frauenkongress eine engagierte Frauenbewegung der heiklen Themen wie Pornographie, Sexismus in der Werbung, Ausbeutung von Frauen- und Kinderkörpern, annimmt."

Das aber nicht in weinerlichem Ton der Grossmütter, sondern mit gezielten Kampagnen und Aktionen, wie man das von den Aktivitäten der NGOs her kenne.

SVP-Frauen scheren aus

Zwei Tage nach dem Entschluss zum gemeinsamen Frauenkongress, bröckelt die Gemeinsamkeit. Die Solidarität der Frauen von links bis rechts hielt gerade mal zwei Tage.

Die Sendung "Echo der Zeit" von Radio DRS berichtete, dass die SVP-Frauen nicht mehr mitmachen wollen, weil es in der Medienmitteilung geheissen habe, man wolle der Mutterschafts-Versicherung zum Durchbruch verhelfen.

Esther Weber, die Präsidentin der SVP-Frauen sprach in der Sendung von "sozialistischer Propaganda" und sagte weiter: "das Communiqué, das herausgegeben wurde, ist wirklich sozialistisch."

Die SVP-Frauen hätten sich nicht bereit erklärt, die Mutterschafts-Versicherung zu unterstützen. Deshalb werde der geplante Frauenkongress ohne offizielle Beteiligung der SVP-Frauen stattfinden.

Die Vertreterinnen der übrigen Regierungspartien bedauerten den Entschluss der SVP-Frauen. Wie sie sagten: "zu einem so frühen Zeitpunkt".


swissinfo und Agenturen

In Kürze

Frauenkongresse:

1896 trafen sich erstmals Schweizer Frauen an der Landesausstellung in Genf zu einem nationalen Kongress.

1921 dominierten die Themen Frauenarbeit und Stimmrecht den zweiten Frauenkongress in der Schweiz.

1946 nahmen erstmals auch SP-Frauen und Bäuerinnen am dritten Frauenkongress teil. Als Folge wurde 1948 das erste Schweizer Frauenparlament in der Universität Bern organisiert.

1975 fand der vierte Frauenkongress im UNO-Jahr der Frau statt. Nach dem Kongress wurde die eidgenössische Kommission für Frauenfragen gegründet.

1981 wurde der Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung verankert.

1996 nahmen rund 2300 Frauen am fünften Kongress teil. In 80 Resolutionen setzten sie sich unter anderem auch für einen EU- und UNO-Beitritt der Schweiz ein.

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