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Lloyds vor radikalem Sparprogramm - 15.000 Stellen betroffen (AF)

LONDON (awp international) - Die teilverstaatlichte britische Grossbank Lloyds steht vor radikalen Einschnitten: Der neue Unternehmenschef Antonio Horta-Osorio kündigte am Donnerstag in London an, 15.000 Stellen zu streichen und die Kosten bis 2014 um 1,5 Milliarden Pfund (1,67 Mrd Euro) jährlich zu senken. Aus mindestens der Hälfte der 30 Länder, in den Lloyds vertreten ist, will der Portugiese das auch fast drei Jahre nach dem vollen Ausbruch der Finanzkrise noch mit Verlusten kämpfende Kreditinstitut zurückziehen. An der Börse wurde die Ankündigung als Befreiungsschlag gefeiert - der Aktienkurs legte bis zum Mittag fast 10 Prozent zu.
"Wir müssen das tun, weil diese Bank Geld verliert", sagte Horta-Osorio. "Wir müssen diese Bank auf die Füsse stellen, um die britische Wirtschaft zu stützen - und wir müssen dem Steuerzahler sein Geld zurückgegeben." Er wolle Lloyds schlanker und agiler machen, sagte der Vorstandschef. Dafür sollen zugleich in den kommenden drei Jahren rund 2 Milliarden Pfund ins Kerngeschäft investiert werden. So will sich die Bank künftig stärker auf britische Kunden konzentrieren. Zudem solle das Vermögensverwaltungsgeschäft ausgebaut werden.
ROTE ZAHLEN
Horta-Osorio hatte Anfang März Eric Daniels an der Spitze der Bank abgelöst. Unter dessen Leitung war Lloyds durch die Immobilien- und Finanzkrise und die Übernahme des Konkurrenten HBOS, die von der Regierung forciert wurde, im Jahr 2008 ins Straucheln geraten. Schliesslich musste Lloyds vom britischen Staat mit Milliardenhilfen gerettet werden. Durch Abschreibungen auf faule Kredite häufte die Bank Verluste in Milliardenhöhe an.
Auch im vergangenen Jahr gelang lediglich vor Steuern wieder ein Gewinn. Im ersten Quartal 2011 rutschte das Unternehmen wegen Milliardenrückstellungen für Schadenersatzansprüche für mit Kreditausfallversicherungen falsch beratenen Kunden erneut tief in die roten Zahlen.
GEWERKSCHAFTEN GESCHOCKT
Die meisten Jobs sollen im mittleren Management und in den nachgelagerten Abteilungen wegfallen, weniger in den Filialen. Wo die Einschnitte genau geplant sind, liess die Bank aber noch offen. Gewerkschaften reagierten geschockt. Die Pläne würden für "grosse Aufregung und Verängstigung" im Unternehmen sorgen, sagte David Fleming von der Dienstleistungsgewerkschaft. Er wies daraufhin, dass Lloyds in den vergangenen beiden Jahren bereits 28.000 Stellen gestrichen habe. Lloyds beschäftigt derzeit noch rund 104.000 Menschen.
Der Generalsekretär der Lloyds Trade Union, Mark Brown, forderte, dass die Bank nach Indien und auf die Philippinen ausgelagerte Aktivitäten zurück nach Grossbritannien holen solle: "Die Bank ist zu 41 Prozent im Besitz der Steuerzahler und hat eine besondere Verantwortung, in Grossbritannien Jobs zu sichern." Horta-Osorio aber versprach zunächst lediglich, keine weiteren Jobs ins Ausland zu verlagern./enl/zb/wiz

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