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Lücke in der Brecht-Forschung geschlossen

Bertolt Brecht (re) in Berlin 1954 mit dem sowjetischen Komponisten Dimitri Schostakowitsch.

(Keystone)

Bei einem Schweizer Forschungsprojekt ist das vergessene Zürcher Arbeitsdepot des deutschen Autors und Regisseurs Bertolt Brecht entdeckt worden.

Seit Jahren wurde vermutet, Brecht (1898-1956) habe in der Region Arbeiten zurückgelassen.

Die Brecht-Forscher Werner Wüthrich und Erdmut Wizisla haben in Bern die Neuerscheinung "Bertolt Brecht und die Schweiz" vorgestellt. Präsentiert sind darin auch Teile aus dem Brecht-Nachlass, der 2002 in Zürich gefunden wurde.

Mit dem Projekt des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Bern werde eine Lücke in der Brecht-Forschung geschlossen, hiess es an einer Medienkonferenz in Bern.

Spurensicherung in der Schweiz

Wie ein Detektiv habe Wüthrich die Spuren Brechts in der Schweiz gesichert, sagte Wizisla, Leiter des Berliner Brecht-Archivs. Das Werk korrigiere die Meinung, Brechts Leben und Arbeiten in der Schweiz sei gut erforscht.

"Vieles, was wir zu wissen glaubten, steht nun in einem neuen Licht", erklärte Wizisla. So wollte Brecht noch 1949 lieber in der Schweiz bleiben. Es war nicht seine eigene Entscheidung, nach Ostberlin auszureisen.

Schweiz bespitzelte Brecht

Wüthrich belegt anhand eines Geheimberichts an die Bundesanwaltschaft, dass Brecht, der sich in der Schweiz in einem freien Land wähnte, bespitzelt wurde. Im Moment bleibe es Spekulation, wer Brecht als kommunistischen Agenten verdächtigte. "Die Funde stellen neue Fragen, und die warten auf ihre Auswertung", so Wüthrich.

Wüthrich konnte ausserdem neue Filmdokumente vorstellen. Filmaufnahmen und Fotos belegen, dass Brecht während des Exils 1948 heimlich die Uraufführung seines "Herr Puntila und sein Knecht" am Zürcher Schauspielhaus filmte. Vor der Premiere kursierte in der Stadt ein Gerücht, das Stück könnte wegen kommunistischer Tendenzen abgesetzt werden.

1949 verliessen Brecht und seine Gefährtin Helene Weigel die letzte Station ihrer Emigration in Feldmeilen am Zürichsee. Sie mussten zahlreiche Bücher, Briefe und Bilder zurücklassen. Brecht verschenkte sie Reni und Hanswalter Mertens-Bertozzi - aus Dankbarkeit für ihre Unterstützung und die Wohnung.

Zwölf neue Geschichten gefunden

Zu eben diesem Nachlass, der erst im Januar 2002 von Wüthrich in Zürich gefunden wurde, gehören auch literarische Papiere wie Bühnenmanuskripte und Skizzen, handschriftliche Kommentare in Texten und zwölf unbekannte Keuner-Geschichten. Diese Dokumente sind nicht zur Veröffentlichung freigegeben.

Noch sind zwischen den Erben Brechts und dem Brecht-Archiv in Berlin rechtliche Fragen offen. Aber Wüthrich und Wizisla hoffen, im nächsten Jahr der interessierten Öffentlichkeit mehr zu präsentieren - auch in den geplanten Brecht-Ausstellungen in Zürich und Berlin.

Weitere Projekte geplant

Wüthrich betonte, die Monographie sei eine Übersichtsarbeit. Seine bereits langjährige Brecht-Forschung geht weiter: Band zwei ist in Arbeit, weitere Bände sind geplant.

Im März nächsten Jahres kommt im deutschsprachigen Raum der Dokumentarfilm "Wer keinen Pass hat, ist ein Hund. Bertolt Brecht und die Schweiz" von Bruno Moll in die Kinos.

swissinfo und Agenturen

Werner Wüthrich, "Bertolt Brecht und die Schweiz", Chronos Verlag, Zürich

In Kürze

Der 1956 verstorbene deutsche Autor und Theatermann Bertold Brecht hat auf der letzten Station seiner Emigration in Zürich ein Arbeitsdepot zurückgelassen.

Der Autor und Brecht-Forscher Werner Wüthrich entdeckte dieses Anfang letzten Jahres im Rahmen des Forschungsprojekts "Bertolt Brecht und die Schweiz" des Instituts für Theaterwissenschaft der Universität Bern in einem privaten Nachlass.

In dem in Kisten und Schachteln verpackten Nachlass befanden sich unbekannte Brecht-Texte, textgeschichtlich bedeutsame Fassungen bekannter Brecht-Werke, Bilder, Bücher, Briefe und andere Dokumente.

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