Navigation

Skiplink navigation

Marc Furrer will Krise der Fernmelde-Union beenden

Keystone

Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) bestellt Ende Woche in der Türkei ihren neuen Generalsektretär. Marc Furrer, der Schweizer Kandidat, im Interview mit swissinfo.

Dieser Inhalt wurde am 09. November 2006 - 09:40 publiziert

Der Präsident der Eidgenössischen Kommunikations-Kommission (ComCom) plädiert für eine tiefgreifende Reform der in Genf ansässigen Organisation.

Am Montag begann im türkischen Antalya die 17. Konferenz der Internationalen Fernmeldeunion (ITU). Die Delegierten wählen ab Donnerstag den Nachfolger des Japaners Yoshio Utsumi, der nach acht Jahren demissioniert.

Der Schweizer Marc Furrer ist einer von sechs Kandidaten. Er ist der Mann hinter dem Weltinformations-Gipfel, der in zwei Teilen in Genf und Tunis unter dem Patronat der ITU stattfand. Furrers Programm als künftiger Chef, würde er gewählt, basiert auf einer tiefgreifenden Kritik an der Organisation.

swissinfo: Worauf gründete Ihre Kampagne?

Marc Furrer: Mein Nachteil ist, dass ich ein Land vertrete, das keinem Block angehört, im Gegensatz zum Kandidaten der Europäischen Union (EU) oder Brasiliens.

Innerhalb der ITU bin ich aber bekannt als Organisator des Informationsgipfels 2003 in Genf und Tunis 2005. Der Entscheid zugunsten des einen oder anderen Kandidaten wird aber meist von den Aussenministern der Mitgliedsländer gefällt, wobei eher politische Gesichtspunkte den Ausschlag geben.

Dazu kann ich sagen, dass mich das Schweizer Aussenministerium wirklich sehr stark unterstützt hat.

swissinfo: Welches sind Ihre Prioritäten, falls Sie gewählt werden?

M.F.: Die ITU hat gravierende Probleme. Es fehlen beispielsweise 40 Mio. Franken, was heisst, dass die Organisation ihr Budget ausgleichen muss. Das bedeutet Kosten senken, die Effizienz steigern und eventuell das Mandat eingrenzen. Die Person an der ITU-Spitze muss also über sehr gute Managerqualitäten verfügen. Als Direktor des Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) habe ich entsprechende Erfahrungen sammeln können. Die Aufsichtsbehörde des Bundes musste mit immer weniger Geld immer mehr Aufgaben erfüllen.

Dazu kommt, dass das interne Klima bei der ITU nicht das beste ist, gelinde gesagt. Die Mitarbeiter müssen aber sehr motiviert sein, um die schwierige Mission der Organisation zu erfüllen.

Die ITU ist auch zu technokratisch, sie muss sich mehr der Gesellschaft öffnen. Dies war auch das Ziel des Info-Gipfels. Offen gesagt mangelt es dem Gipfel aber an einer nachhaltigen Weiterführung und Umsetzung.

Dies ist bedauerlich, denn die besprochenen Themen sind sehr aktuell, etwa die Anwendung von Informationstechnologien für Entwicklungen im Gesundheitsbereich, die Auftritte öffentlicher Behörden im Internet oder Fragen der Sicherheit.

Es wäre auch dringend erforderlich, die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen zu verstärken, damit die Konferenz auch tatsächlich Wirkung zeigt. Die Aufwertung der ITU würde mich sehr reizen, denn heute ist die Organisation marginalisiert und mit rein technischen Fragen beschäftigt.

Ich schlage auch vor, Beziehungen zum privaten Sektor zu knüpfen, denn die Telekom-Branche kann sich nicht ohne die privaten Unternehmen entwickeln. Ferner muss der Zugang zu Informations- und Kommunikations-Technologien für jene verbessert werden, welche die geringsten Chancen haben. Denn diese Technologien sind unverzichtbare Werkzeuge für die wirtschaftliche Entwicklung der ärmsten Länder.

swissinfo-Interview, Frédéric Burnand, Genf
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

In Kürze

Die 17. Konferenz der ITU begann am 6. November in Antalya in der Türkei.

Am Anlass, der alle vier Jahre stattfindet, nehmen rund 2000 Delegierte aus mehr als 150 Ländern teil.

Die Teilnehmer diskutieren bis am 24. November über Reformprojekte, innere Organisation sowie das Budget. Zudem wählen sie den neuen ITU-Generalsekretär.

Sitz der ITU ist Genf. Die Organisation organisierte bisher in der Rhonestadt die Messe World Telecom. Sie findet dieses Jahr in HongKong statt. Für 2009 ist die Durchführung in Genf gesichtert, jedoch nicht für die Zukunft.

End of insertion

Kurzbiographie

Marc Furrer war von 1988 bis 1992 persönlicher Berater des damaligen Bundesrats Adolf Ogi.

Anschliessend war der Solothurner bis 2005 Direktor des Bundeamtes für Kommunikation (Bakom).

Im Rahmen des Weltinformations-Gipfels stieg Furrer in den Rang eines Staatssekretärs auf. Im Auftrag des Gastgeberlandes Schweiz organisierte er den ersten Teil der Konferenz in Genf 2003. Beim zweiten Teil 2005 in Tunis führte Furrer die Schweizer Delegation an.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen