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McCain oder Obama: Ansichten von Amerika-Schweizern

Bereit für Madame Tussauds Wachsfiguren-Kabinett: Die Präsidentschaftskandidaten McCain und Obama

(Keystone)

Der Wahlkampf in den USA geht in die letzte Woche. Umfragen sehen den Demokraten Barack Obama zwar zur Zeit mit einem gewissen Vorsprung, doch der Ausgang wird bis zum Wahltag offen bleiben.

"Noch ist nichts entschieden, in den letzten Tagen kann noch sehr viel passieren": Darin sind sich auch drei Amerika-Schweizer einig.

Ein Republikaner, ein Demokrat und ein Unabhängiger, mit denen swissinfo in New York nach der letzten Debatte zwischen John McCain und Barack Obama gesprochen hat.

Beat Reinhart, der sich als Unabhängiger bezeichnet, hat noch nicht entscheiden, wem er seine Stimme geben wird, der Republikaner Roland Veit sieht den Kampf noch nicht verloren und der Demokrat Timo Kuhn warnt vor verfrühter Sicherheit im Obama-Lager.

Einig sind sich die drei darin, dass es sich um historische Wahlen handelt: Einerseits, weil erstmals ein Schwarzer Präsident werden könnte, andererseits, weil das Land vor enorm grossen Problemen stehe.

Aussenpolitische und innenpolitische Schwierigkeiten, Irak, Afghanistan, Klimawandel, Energie-Fragen, Erziehung und Krankenversicherung, um nur ein paar zu nennen - und natürlich die Finanzkrise, die zur Wirtschaftskrise geworden ist.

Von beiden Kandidaten enttäuscht

"Der wichtigste Faktor ist die Wirtschaftskrise. Sie stellt nicht nur die USA, sondern die ganze globalisierte Welt vor grosse Probleme", sagt Banker Beat Reinhart.

Er sei von beiden Kandidaten enttäuscht. "Weder McCain noch Obama haben es verstanden, dem Wahlvolk einen gangbaren Ausweg aus dieser Krise zu skizzieren."

Die USA brauchten einen Mann mit richtigen Führungskräften. "Wir stehen vor einer sehr schwierigen Entscheidung", sagt Reinhart. "Die Krise ist ein Weckruf für unsere Wirtschaft, für die Struktur unseres Systems."

Noch habe er nicht entschieden, wem er seine Stimme geben werde. "Ich wünschte mir, wir hätten eine bessere Wahl", umschreibt er sein Dilemma. "Es geht um die Frage, wem ich mehr vertrauen kann, das Land durch die kommenden schwierigen Zeiten zu führen."

"Obama ist eloquent, kann seine Botschaften so formulieren, dass sich viele Wähler und Wählerinnen angesprochen fühlen. Er wirkt locker, ruhig und erfahren." Auch wenn ihm die Republikaner immer wieder mangelnde Erfahrung vorwürfen.

John McCain habe wohl bessere Dossier-Kenntnisse, könne seine Gedanken aber weniger klar in Worte fassen. "Er kann beachtliche Teile der Bevölkerung durch seine persönliche Geschichte in seinen Bann ziehen; der Kriegsheld und langjährige Senator, der viel für sein Land getan hat."

Kein Sozialist im Weissen Haus

Dass der neue Präsident McCain heissen muss, ist hingegen für den Unternehmer Roland Veit klar.

"Mit dem Sozialisten Obama würden die USA noch tiefer in die Krise schlittern", ist er überzeugt.

Veit ist seit Jahren Mitglied der Republikanischen Partei. Dass er nicht amerikanischer Bürger ist und daher nicht abstimmen kann, hält ihn nicht davon ab, seine politische Meinung klar zu äussern und die Republikaner auch finanziell zu unterstützen.

"Mein Wunschkandidat wäre jedoch Mitt Romney gewesen." Der frühere Gouverneur von Massachusetts hätte auch die nun so dringend notwendige Erfahrung in Wirtschaftsfragen mitgebracht, bedauert Veit.

"McCain ist mir eigentlich in gewissen Bereichen zu liberal." Etwa in der Migrations-Frage. "Aber er ist ohne Zweifel ein ehrbarer Mann, ein Patriot, ein amerikanischer Held."

Obama hingegen sei ein populistischer Sozialist, der das Volk mit zu vielen Versprechungen verführe. "Wer soll das alles bezahlen", fragt er.

"Was Obamas Steuerpläne angeht, bin ich voreingenommen, klar. Ich würde zu den 5% gehören, die nicht von seinen Plänen profitieren und mehr Steuern zahlen müssten. Das wäre nichts anderes, als den Erfolg zu bestrafen."

Und das widerspreche dem Klischee vom American Dream. "Ich bin überzeugt von diesem kapitalistischen System, für mich selber ist dieser Traum Wirklichkeit geworden."

Auch wenn die Umfragen Obama vorne sehen, will Veit die Wahl noch nicht als verloren ansehen. "Es wird sehr eng werden. Wer auch immer der neue Präsident wird, auf den Mann wartet ein harter Job."

McCain nicht glaubwürdig

Der Grafiker Timo Kuhn wird für Barack Obama stimmen, den er auch finanziell unterstützt hat.

"Ich kann mich mit seiner Weltansicht am besten identifizieren, auch wenn ich nicht in allen Bereichen mit ihm übereinstimme."

Letztlich gehe es bei der Wahl des Präsidenten nicht nur um politische Programme, es sei auch eine Frage der Persönlichkeit. "Ich habe Vertrauen in Obama. Ich denke, er ist ein intelligenter, vernünftiger Mensch."

McCain hingegen sei nicht glaubwürdig, sei praktisch jeden Tag ein anderer McCain, man wisse nicht, mit wem man es zu tun habe. "McCain bezeichnet sich ja gern als Maverick, als Querdenker."

Auf ihn wirke er aber immer mehr vor allem sprunghaft. "Auch das Querdenkertum hat seine Grenzen. Der unverantwortlichste Schritt McCains war sicher die Wahl von Sarah Palin als Kandidatin für die Vize-Präsidentschaft."

Es sei wichtig für die USA und den Rest der Welt, dass mit dem neuen Präsidenten wirklich ein neuer Anlauf genommen werde. Die USA müssten ihr lädiertes Image wieder loswerden.

"Ich denke, mit Obama haben wir die besten Chancen." Obama setze auf innenpolitischen Dialog und auf Dialog mit anderen Ländern statt auf den Alleingang.

Er sei optimistisch, dass Obama die Wahlen gewinnen werde, sagt Kuhn. "Doch man darf nichts als gegeben nehmen. Die Wahlbeteiligung wird eine grosse Rolle spielen."

swissinfo, Rita Emch, New York

Fakten

Die Zahl der Amerika-Schweizer wird auf rund 1,2 Millionen geschätzt.

Die grösste Dichte von Amerikanern mit Schweizer Wurzeln findet sich in Kalifornien, New York, Ohio, Wisconsin und Pennsylvania.

73'978 Schweizer Staatsangehörige waren Ende 2007 in den USA registriert.

Davon waren 52'415 Doppelbürgerinnen und Doppelbürger.

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Die Wahl

Wahltag ist der 4. November. Dabei werden Delegierte in den einzelnen Bundesstaaten bestimmt.

Deren Anzahl gibt schliesslich den Ausschlag zum Sieg. In vielen Bundesstaaten erhält der Sieger alle Wahlmänner-Stimmen.

Das bedeutet: Der Kandidat mit den meisten Volksstimmen wird nicht unbedingt der nächste Präsident.

Wie 2000, als Al Gore gegen George W. Bush verlor: Bush hatte zwar weniger Stimmen erhalten, aber 271 der Wahlmänner auf seiner Seite, Gore nur deren 266.

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