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Mehrsprachigkeit Vom guten Gebrauch der Sprachen in Bundesbern

Fathi Derder

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Von Fathi Derder

In den Schweizer Parlamentskammern gebe es eine Toleranzschwelle für das Französische. Doch eine halbe Stunde ohne Deutsch sei zu viel, schreibt der freisinnig-liberale Nationalrat Fathi Derder in einem Kommentar in der Westschweizer Tageszeitung Le Temps.

"Ich werde es auf Deutsch sagen, sonst werde ich nicht verstanden". So hat sich ein Westschweizer Bundesrat am Donnerstag im Nationalrat geäussert. Und er hat Recht. Wenn man im Bundeshaus von allen verstanden werden will, muss man Deutsch sprechen. Denn ganz im Gegensatz zu einem gängigen Vorurteil sind in Bern keineswegs die Westschweizer die Schlusslichter bei den Sprachenkenntnissen. Viele Deutschschweizer Parlamentarier verstehen kein Wort Französisch. Besonders nicht zu meiner Rechten. Als ich seinerzeit mit Christoph Mörgeli diskutierte, antworteten seine zweisprachigen Kollegen an seiner Stelle. Denn er verstand nichts. Und er war nicht der Einzige.

Fathi Derder ist seit 2011 Mitglied des Nationalrats.

(Keystone)

Vergangenen Donnerstag (2. Juni) hat ein Westschweizer Bundesrat also Deutsch gesprochen. Und – gleichsam wie ein Zauber – war es eine Minute lang still im Saal. Wenn ein Westschweizer Deutsch spricht, überrascht das. Dann fuhr er auf Französisch fort. Und die gewählten Deutschschweizer Räte haben ihre gewöhnlichen Tätigkeiten wieder aufgenommen. Denn ganz abgesehen vom Überraschungseffekt: Die französische Sprache im Nationalrat generiert auch Dezibel. Die ersten zehn Dezibel gehen auf Unaufmerksamkeit zurück. Die nächsten zehn Dezibel auf Ungeduld. Weitere zehn sind Irritation. Bern kennt eine Toleranzschwelle für das Französische. Doch eine halbe Stunde ohne Deutsch: Das ist zu viel. Vor allem zu meiner Rechten. "Kann ihn jemand abstellen?" fragte ein Kollege. Auf der Zuschauertribüne verabschiedete sich jemand ironisch von dem "kurzen Fidel-Castro-Statement", nachdem er dem Westschweizer Bundesrat 30 Minuten zuhören müsste. Das ist Zürcher Humor.

Man muss sagen, dass Roger Köppel ein grossartiger Komiker ist. Denn darum geht es. Der Besitzer der Wochenzeitschrift Die Weltwoche hat sich darum gekümmert, wie man im Parlament würdevoll interveniert. Zuerst einmal hat er die bundesrätliche Botschaft "von 422 Seiten" kritisiert. Diese Zahl wiederholte er drei Mal, um zu unterstreichen, dass die Texte der Regierung zu lang sind. Genau wie die Reden der Bundesräte, vor allem wenn sie auf Französisch gehalten werden. Danach hat er die Staatslügen angeprangert, eines seiner Lieblingsthemen. Noch bevor er die Wahrheit aus seiner Bibel zitierte, der von ihm selbst verlegten Weltwoche. Ganz abgesehen von dieser impliziten Tautologie, die darin besteht, sich selbst zu zitieren, lässt sich auch die Eleganz eines gewählten Volksvertreters erkennen, der das eidgenössische Parlament für Werbezwecke benutzt. Man bedient sich einer Institution, die man in der eigenen Zeitung das ganze Jahr lang als verabscheuenswert betitelt, um eben dieses Blatt zu verkaufen. Wirklich stark. Nicht gerade lustig, Köppel, aber verflucht wirksam.

Meinungsbeitrag von Fathi Derder, publiziert in der Tageszeitung Le Tempsexterner Link (7. Juni 2016) unter dem Titel "Du bon usage des langues dans la Berne fédérale"


(Übersetzung aus dem Französischen: Gerhard Lob)

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