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Meinungsfreiheit im Ishigaki-Stil

Über 2000 Kilometer südwestlich von Tokio wurde die kleine Insel Ishigaki ein Zentrum direkt-demokratischer Aktivitäten. Manami Miyara ist die erste Stimme in unserer globalen Serie "Stimmen der Freiheit".

Dieser Inhalt wurde am 12. Juli 2021 - 08:30 publiziert

Ishigaki liegt fernab der grossen Zentren Japans. Die Insel ist etwa 2000 Kilometer von der Hauptstadt Tokio und über 1000 von der nächsten Insel Kyushu entfernt. Rund 50'000 Menschen leben auf der Insel. Dazu gehört auch die 28-jährige Manami Miyara, die hier geboren wurde und aufwuchs.

Trotz der Abgeschiedenheit und trotz der Grösse – nur 1,5-mal die Fläche Liechtensteins – befindet sich Ishigaki im Zentrum geopolitischer Machtkämpfe in Ostasien.

Als direkte Nachbarin des umkämpften und unbewohnten Senkaku-Archipels ist Ishigaki zu einer Frontlinie im Kampf um geopolitischen Einfluss im Ostchinesischen Meer geworden. Die sogenannten "Japanese Self Defense Forces" planen deshalb, einen neuen Stützpunkt auf der subtropischen Insel zu errichten – ein höchst umstrittener Schritt, der die Einheimischen, darunter auch Manami, dazu veranlasst hat, dagegen aktiv zu werden.

Es gibt noch eine grössere Geschichte über den Kontext zu erzählen, in dem Manami lebt. Ishigaki ist Teil der Präfektur Okinawa, heute der südlichste Teil Japans. Allerdings war Okinawa, eine Kette von Dutzenden von Inseln, die sich über fast tausend Kilometer erstreckt, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein unabhängiges Königreich. Dann wurde es zu einer Pufferzone zwischen chinesischen und japanischen Interessen, bevor es 1879 von Tokio annektiert wurde. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Okinawa zum einzigen Kriegsschauplatz in Japan. Und danach besetzten die Vereinigten Staaten die Inselkette jahrzehntelang – bis 1973, als Japan die Kontrolle wiedererlangte.

Für die Menschen auf Okinawa ist die Frage der Militärbasen also viel enger mit ihrem Alltag verbunden: Etwa zwei Drittel der US-Militäreinrichtungen in Japan sind immer noch auf Okinawa konzentriert. Daher sind die Menschen dort aufgrund der geografischen Entfernung und der unterschiedlichen historischen Wege vielleicht eher bereit, sich durch Initiativen und Referenden Gehör zu verschaffen, als die Menschen auf dem japanischen Festland, sagt Manami.

Serie Meinungsfreiheit

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