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Michel Pont - Optimist an Köbi Kuhns Seite

Michel Pont (links) und Nationaltrainer Köbi Kuhn.

(Keystone)

Am Dienstag bestreitet die Schweiz an der Fussball-WM ihren ersten Match gegen Frankreich. Assistenztrainer Michel Pont schildert swissinfo seine Eindrücke.

Der Genfer, der Köbi Kuhn seit fünf Jahren zur Seite steht, erzählt im Gespräch mit swissinfo von der Schweizer Mannschaft und von seiner Beziehung zu den Spielern.

Als Michel Pont 2001 den Posten als Assistent von Trainer Köbi Kuhn annahm, dachte er kaum, dass er eines Tages eine Fussball-Europameisterschaft oder gar eine Weltmeisterschaft erleben würde.

Aber nach Eurofoot 2004 ist er nun in Deutschland, mit einer Mannschaft und mit Spielern, die ihm sehr am Herzen liegen.

swissinfo: Was bedeutet es für Sie, mit der Schweizer Mannschaft an dieser WM teilzunehmen?

Michel Pont: Zuerst einmal bin ich sehr stolz. Es ist eine ganz grosse Ehre für mich, hier Assistent zu sein. Köbi Kuhn und ich versuchen seit fünf Jahren, die Eigenschaft der Schweizer Fussballmannschaft, nämlich die Vielfalt ihrer Kulturen, zu nutzen. Diese Eigenschaft ist ein Potenzial, an das wir glauben.

Dass wir an einer WM teilnehmen können, ist etwas so Spezielles, dass ich jede Minute geniessen will. Seit Portugal 2004 weiss ich, dass es schwierig ist, den Anlass voll zu kosten und sich seines Zaubers und seiner Bedeutung im Moment der Durchführung bewusst zu sein. Ich habe es damals genossen und geniesse es auch jetzt.

swissinfo: Haben Sie damals vor fünf Jahren gezögert, Köbi Kuhns Angebot anzunehmen und sein Assistenztrainer zu werden?

M.P.: Keine Sekunde! Es war Köbis erster wichtiger Entschluss, einen Westschweizer Assistenten anzustellen. Sein natürliches Gespür sagte ihm, dass er einen Romand an seiner Seite haben musste, um den berühmten Röstigraben zu überwinden, der in jedem helvetischen Projekt steckt, sei es im Sport, in der Politik oder in der Kultur.

Von Anfang an wollten wir zusammen solide Grundlagen für ein ehrgeiziges Projekt schaffen. Es war eine eigentliche Bewusstseinsbildung nötig, um der Schweizer Mannschaft wieder eine Identität zu verschaffen.

swissinfo: Wie gingen Sie vor?

M.P.: Wir verlangten grosse Opfer von den Spielern. Wenn sie heute zu den grossen europäischen Klubs gehören, verdanken sie dies ihrem Talent und ihrem Willen, aber auch den Strukturen, die wir mit diesen jungen Spielern aufgebaut haben. Wir wollten ihnen Verantwortung übertragen und verlangen von ihnen, diese Verantwortung für den Schweizer Fussball einzusetzen.

Es ging eine Weile, bis die Botschaft ankam. Ich erinnere mich da an einen Match gegen Kanada in St. Gallen, den wir im Juni 2002 mit 3:1 verloren, weil die Nationalmannschaft in den Augen der Spieler nicht viel galt. Unsere Situation war sehr ungemütlich, und sie hatten Köbis Theorien über den Zusammengehörigkeitssinn, den persönlichen Einsatz und die Wichtigkeit der Beziehungen innerhalb der Gruppe noch nicht ganz wahrgenommen.

Das Ego einiger Spieler verhinderte, dass sie sich dem Kollektiv anpassten. Heute gibt es keine Clans und keine Diven mehr in der Mannschaft. Unsere Ziele sind so hoch gesteckt, dass wir sie nur mit einem totalen Teamgeist erreichen können.

swissinfo: Heute kommen also die Spieler der Nationalmannschaft gut miteinander aus?

M.P.: Man kann auf jeden Fall sagen, dass es Leute sind, die sich gegenseitig schätzen und Freude haben, zusammen zu spielen und gemeinsam zu versuchen, die gesteckten Ziel zu erreichen. Sie sind bereit, alles für dieses Projekt zu geben.

Natürlich können wir die Technik der ausgewählten Spieler nicht verändern, aber das Ziel der Trainer ist es, aus den Einzelteilen ein zusammenhängendes und effizientes Gesamtes zu schaffen.

Grosse Klubs wie Barcelona und Arsenal können aus ihren Stars eine gute Mischung machen, während es anderen wie Real Madrid nicht gelingt.

swissinfo: Welche Beziehung haben Sie zu den Spielern?

M.P.: Es gibt zwei Ebenen. Zuerst einmal sind sie für mich Profis. Und als solche müssen sie sich beispielhaft verhalten und sich voll und ganz für die Mannschaft einsetzen.

Aber es gibt auch sehr gute freundschaftliche Gefühle zwischen uns. Sensibilität und Liebe – das ist ganz klar zu sehen. Wir haben unsere Spieler gern, und wir glauben an sie. Wir sehen uns nicht so oft, und deshalb ist unser Zusammensein intensiver als in einem Klub. Wir wollen keine unnötigen Barrieren zwischen uns aufbauen.

swissinfo: Welche Parallelen ziehen Sie zwischen der heutigen Nationalmannschaft und jener der WM 1994 in den USA?

M.P.: Das heutige Team hat den Vorteil, dass es aus jüngeren Spielern besteht als jenes von 1994, die aber paradoxerweise mehr Erfahrung haben. Sie kommen alle aus grossen Klubs und sind sich gewohnt, vor über 60'000 Personen zu spielen.

swissinfo: Wie weit kommt die Schweiz an dieser WM?

M.P.: Es werden ernorme Erwartungen in diese Mannschaft gesetzt. Der Druck, Resultate und gute Leistungen zu zeigen, ist spürbar. Unser Land steht hinter uns, und unser Ziel ist es, über die erste Runde hinauszukommen. Danach ist alles möglich. Mit etwas Glück können wir jede Mannschaft schlagen. Eines ist sicher: Wir werden alles tun, um uns später nichts vorwerfen zu müssen.

swissinfo: Was machen Sie am 9. Juli, am Finale?

M.P: Ich hoffe, dass ich auf der Ersatzbank sitze! Das ist natürlich etwas idealistisch. Ich bleibe mit beiden Füssen auf dem Boden und weiss genau, was wir können, kenne unsere Qualitäten und unsere Fehler. Das Schweizer Team ist fragil, aber wenn wir Glück haben und ins Finale kommen, wäre das eine wunderbare Bestätigung.

Nicht für mich, sondern für diese junge, optimistische und enthusiastische Mannschaft, die noch Träume hat.

swissinfo-Interview: Mathias Froidevaux
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Michel Pont kommt am 19. Juni 1954 zu Welt, im Jahr, in dem die WM in der Schweiz ausgetragen und Deutschland Weltmeister wird. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Seine Spielerkarriere musste er mit 25 wegen einer Verletzung abbrechen.

Zwei Jahre und eine Weltreise später beginnt er eine Karriere als Trainer (1981) mit dem FC Perly, der damals in der 2. Liga spielte.

Daraufhin führt er Grand-Lancy, Chênois, Etoile Carouge, Servette (mit ihm als Assistenten von Ilija Petkovic gab es 1994 einen Meisterschaftstitel) und Lugano.

Als Köbi Kuhn 2001 Trainer der Schweizer Nationalmannschaft wird, wird er dessen Assistent.

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