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Militärtransporter Airbus A400M soll am Freitag erstmals abheben

Dieser Inhalt wurde am 09. Dezember 2009 - 12:30 publiziert

MÜNCHEN/SEVILLA (awp international) - Lichtblick fürs Sorgenkind: Der um Jahre verspätete Militärtransporter Airbus A400M soll in dieser Woche erstmals abheben. Der Erstflug werde an diesem Freitag im spanischen Sevilla stattfinden, sagte ein Sprecher des Airbus-Mutterkonzerns EADS am Mittwoch der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Für den Flugzeugbauer sind damit allerdings noch nicht alle Probleme gelöst: Derzeit verhandelt das Unternehmen noch mit den Erstkunden des Fliegers über den Umgang mit den voraussichtlich milliardenschweren Mehrkosten.
Die EADS-Aktie reduzierte nach den Nachrichten ihre Kursverluste und lag zuletzt mit 0,12 Prozent im Minus bei 12,265 Euro. Die Aktie des Münchener Triebwerksbauers MTU , der für Teile der Antriebstechnik verantwortlich zeichnet, büsste 0,52 Prozent auf 36,68 Euro ein.
Frankreich, Deutschland und fünf andere Staaten haben den Militärtransporter gemeinsam bestellt. Den Auftrag verwaltet die europäische Rüstungsorganisation Occar. Der erste A400M sollte bereits im September 2009 an das französische Heer gehen. Wegen Entwicklungsproblemen wird jetzt die Auslieferung der ersten Maschinen für 2013 ins Auge gefasst.
Zudem drohen dem Konzern weiterhin milliardenschwere Belastungen. Die Pariser Wirtschaftszeitung "Les Echos" hatte vergangene Woche unter Berufung auf die Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) berichtet, der Militärflieger werde mit 27,4 Milliarden Euro rund 37 Prozent teurer als ursprünglich geplant. Ursprünglich hatte der Preis für 180 Flugzeuge bei 20 Milliarden Euro gelegen - zu Preisen von 1998. EADS hat bereits 2,4 Milliarden Euro für erwartete Mehrkosten zur Seite gelegt. Dem Pressebericht zufolge muss das Unternehmen weitere fünf Milliarden aufbringen, um das Programm zum Erfolg zu führen.
Laut der "Wirtschaftswoche" soll Airbus in Verhandlungen mit den Auftraggebern vor der Runde in Berlin offen mit der Einstellung des Projektes gedroht haben, falls keine Lösung zur Übernahme der Mehrkosten gefunden wird. EADS hatte den Vertrag über den A400M zum Festpreis geschlossen. Der Konzern kann deswegen die Mehrkosten nicht einfach an die Staaten weiterreichen. Airbus-Chef Tom Enders hat schon mehrfach darauf hingewiesen, dass es eine Fortsetzung des Programms nicht um jeden Preis geben könne.
Berichte über einen möglichen Ausstieg aus dem Rüstungsprojekt hat EADS bislang allerdings zurückgewiesen. Auch zu der möglichen Höhe der Mehrkosten wollte das Unternehmen nicht genauer Stellung beziehen und warnte vor "Missinterpretationen von aus dem Zusammenhang gerissenen Zahlen", solange die Verhandlungen mit den sieben Erstkunden laufen. Die Mehrkosten hingen vom Verlauf der Verhandlungen ab.
Ein Kunde ist bereits abgesprungen: Südafrika stornierte im November eine Bestellung über 1,5 Milliarden Euro zum Kauf von acht A400M. Nun will das Land seine Anzahlung zurück. Wenn das Projekt kippt, müsste EADS den Occar-Staaten 5,7 Milliarden Euro zurückzahlen. Als Lösungen werden Preiserhöhungen, ein Verzicht auf Sonderfunktionen und die Senkung der gelieferten Zahl der Flugzeuge diskutiert.
stw/ep/tw

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