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Mission Rosetta Die wunderbare Welt der Kometen

Eine Art grauer Stein auf schwarzem Hintergrund.

Der Komet "Chury" gesehen von Rosetta in einer Entfernung von 300 Kilometern. Nicht gerade der grosse Ball, den wir uns vorgestellt haben...

( AP European Space Agency)

Vor zwei Jahren hat das Europa der Raumfahrt die Welt überrascht, als es einen kleinen Roboter auf einem Kometen platzierte, der 700 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Heute wurden die ausgewerteten Daten, die während der Mission Rosetta gesammelt worden sind, den Medien präsentiert.

Rosettaexterner Link hat bereits Geschichte geschrieben. Die 2004 gestartete Sonde der Europäischen Weltraum-Organisation ESA umkreiste das Sonnensystem während zehn Jahren, um ihre Flugbahn an die des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko anzugleichen, dem sie sich nach acht Milliarden Kilometern schliesslich anschloss.

Zwei Jahre lang begleitete sie "Chury" (das kann man sich besser merken!), fotografierte, scannte und beschnupperte ihn von allen Seiten. Dann schickte sie den Roboter Philae vor, der wie ein Ballon auf "Chury" prallte, bevor er in eine Gletscherspalte "stürzte". Zum Schluss stiess Rosetta schliesslich selber noch freiwillig mit dem Kometen zusammen.

Diese schöne Geschichte endete aber nicht am 30. September 2016. Denn für die Wissenschaftler am Boden begann nun eine weitere Reise: Es gab mehr als 60'000 Fotos und zig Gigabytes an Daten zu entdecken, die während der Mission übertragen worden waren.

Dieses 30-monatige Projekt mit dem Namen MiARDexterner Link (Multi-Instrument Analysis of Rosette Data) wurde vom Europäischen Forschungsprogramm Horizon 2020externer Link unterstützt. Es stand unter der Leitung des Instituts für Physik der Universität Bern und wurde auf sieben Institute in der Schweiz, Frankreich, Deutschland und Grossbritannien aufgeteilt.

Heute wurden die Ergebnisse bekanntgegeben, wobei die wichtigsten als Comicsexterner Link auf der Website von MiARD zur Verfügung stehen. Es geht darum, zu zeigen, dass die Erforschung eines Kometen nicht einfach Kunst um der Kunst Willen ist, sondern zu sehr konkreten Ergebnissen führt.

Wolkenstücke im Gefrierfach

Kometen sind älter als die Welt. Sie entstanden vor den Planeten in der Wolke, die das Sonnensystem hervorbrachte. Die Kälte im entfernten All hielt sie über viereinhalb Milliarden Jahre lang "eingefroren".

Dank Rosinaexterner Link, einem in Bern entwickelten und an Bord der Sonde mitgeführten Messgerät, wissen wir, dass es auf "Chury" Glycinmoleküle gibt. Das ist eine im menschlichen Körper vorhandene Aminosäure. Wir wussten es bereits, Rosetta bestätigte es erneut: Einige Komponenten des Lebens kommen aus dem All.

3D-Modell

Und nicht nur das: Die Bilder der Osirisexterner Link-Kamera (an deren Entwurf auch Wissenschaftler der Universität Bern beteiligt waren) ermöglichten die Entwicklung eines 3D-Modells des Kometen. Die "grosse Badeente", deren Form alle überrascht hatte, könnte die Struktur einer Art "Riesen-Schokokopf" haben: ein sehr luftiger, pulverförmiger Schneekern, umgeben von einer dünnen Eiskruste und agglomeriertem Staub.

"Chury" hält nur durch die nahezu fehlende Schwerkraft zusammen. Sorgfältig auf die Erde gelegt, würde der Komet wahrscheinlich in sich zusammenstürzen. Durch Sublimation verliert er denn auch bei jedem Vorbeigehen nahe der Sonne mehrere Meter an Dicke. Der "Hals" der Ente ist angeschlagen, und es ist nicht auszuschliessen, dass sie bei ihrem nächsten Durchgang keinen Kopf mehr haben wird.

Diese Erkenntnisse über Dichte, Struktur und Gleichgewicht des Kometen könnten eines Tages sehr nützlich sein: Dann nämlich, wenn er umgeleitet werden müsste, um eine Kollision mit der Erde zu verhindern. Oder – noch etwas futuristischer – dann, wenn man einen Kometen als Wasserreservoir für eine zukünftige Raumbasis nutzen möchte.

Comicstrip mit Chury
(Abe Borst / MiARD)

Tausende von Bomben

Und dann ist da noch das, was unsere Vorfahren erzittern liess: der Schwanz des Kometen. Diese Eis- und Staubfragmente werden von den Gasen ausgestossen und umkreisen dann die Sonne. Einige erreichen schliesslich die Erdatmosphäre – mit einer Geschwindigkeit von mehr als 250'000 km/h.

In der Grösse eines Sandkorns oder einer Erbse erhellen diese Partikel unsere Nächte, indem sie zu "Sternschnuppen" werden. Erst kürzlich konnten wir den jährlich wiederkehrenden Meteorstrom der Perseidenexterner Link beobachten, als die Erde die Bahn des Kometen Swift-Tuttle kreuzte.

Aber mit ihrer phänomenalen Geschwindigkeit können diese winzigen Objekte auch zu Bomben werden, wenn sie unsere Satelliten oder Raumschiffe treffen. Rosetta hatte Glück und wurde nie getroffen, sie hat den Wissenschaftlern aber sicherlich geholfen, diese Gefahr besser zu verstehen.


(Übertragung aus dem Französischen: Kathrin Ammann)

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