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Mit "Nachtmilch" eine Nische entdeckt?

Bettina Springer - seit zwei Jahren Besitzerin eines Bio-Hofes.

(swissinfo.ch)

"Nachtmilch" wird am frühen Morgen im abgedunkelten Stall gemolken und zeichnet sich durch einen erhöhten Melatonin-Gehalt aus. Melatonin ist ein Hormon, welches den Schlaf fördern soll.

Die Behörden stehen der Nischenproduktion eines Zürcher Bauernhofes kritisch gegenüber.

Die junge Agronomin und Landwirtin Bettina Springer hat vor zwei Jahren in der nähe von Winterthur einen kleinen Bio-Hof mit 12 Hektaren Land und 15 Kühen übernommen.

"Schon bevor ich den Bettlihof übernommen hatte, hörte ich von einer in England oder Finnland hergestellten Milch, die den Schlaf erleichtern solle", sagt Bettina Springer gegenüber swissinfo. In der Folge sei sie der Idee nachgegangen und habe sie weiter entwickelt.

Seit einigen Wochen ist die auf ihrem Hof produzierte "Nachtmilch" in Reformhäusern erhältlich.

"Eigentlich geht es hier nur um eine Frage des Lichts", sagt Springer. "Wird mitten in der Nacht gemolken, enthält die Milch bis fünf mal soviel Melatonin als sonst."

Jeden Tag produzieren die Kühe des Bettlihofs auf diese Weise 100 Liter "Nachtmilch". Verkauft wird sie seit dem 22. April in nachtblau gehaltenen Viertelliter-Abfüllungen zu 2.70 Franken.

Komplette Dunkelheit beim Melken

Den ganzen Tag auf der Weide, die Nacht im Stall und zweimal Melken pro Tag: Der Tagesablauf der Kühe auf dem Bettlihof weicht kaum vom Alltag "gewöhnlicher" Kühe ab.

"Das morgendliche Melken beginnt wie in allen Bauernbetrieben um 5 Uhr früh", sagt Springer. "Der Unterschied besteht darin, dass in unserem Stall zu dieser Zeit noch komplete Dunkelheit herrscht."

Dunkle Fensterläden verzögern den Tagesbeginn. Die einzige Lichtquelle sind vier kleine Lampen mit blauem Licht.

"Indem wir die Beleuchtung im Stall regulieren, verlängern wir unseren Kühen die Nacht", sagt Springer. "Entscheidend ist das Fehlen von Licht", sagt die Herstellerin, deren Produkt bereits registriert und geschützt ist. "Schon der fahle Schein des Mondes genügt, damit der Melatonin-Anteil in der Milch sinkt."

Der behördliche Dämpfer

Bettina Springer hofft, auf diese Weise eine Einkommensquelle gefunden zu haben.

Das Geschäft mit der "Nachtmilch" könnte sich, ähnlich wie in England und Finnland, auch hier entwickeln. Schon denkt Springer daran, wie die Produktion erhöht werden könnte – zum Beispiel indem sie weitere Betriebe miteinbezieht.

Die Behörden haben den Hoffnungen der Agro-Unternehmerin allerdings einen Dämpfer verpasst. Der Zürcher Kantonschemiker hat die Vermarktung der "Nachtmilch" in ihrer bisherigen Form untersagt.

Die Lebensmittelverordnung verbietet es, Lebensmitteln eine heilende Wirkung zuzusprechen. Die Melatonin-Konzentration in der "Nachtmilch" sei gering, hält das kantonale Laboratorium fest. Das Produkt müsse zuerst ein entsprechendes Bewilligungsverfahren durchlaufen, ehe es als Heilmittel verkauft werden könne.

Bettina Springer will die "Nachtmilch" weiterhin produzieren und verkaufen, dabei aber die Wortwahl bei der Vermarktung neu überdenken.

swissinfo

In Kürze

Auf dem Bettlihof werden jeden Morgen 100 Liter "Nachtmilch" gemolken.

Das Melken geschieht frühmorgens in einem völlig abgedunkelten Stall.

"Nachtmilch" hat einen grösseren Anteil an Melatonin-Hormonen als gewöhnliche Milch.

Sie gilt als Lebensmittel und darf deshalb nicht als Heilmittel verkauft werden.

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