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Mit dem Bus zum Kampf gegen Aids

Diego Benaglio, Torhüter von Wolfsburg und der Schweizerischen Nationalmannschaft, trifft sich Anfang dieses Jahres beim "Fun Bus" mit jungen Südafrikanern. swissinfo

In der Provinz Eastern Cape ist, wie im Rest von Südafrika, Aids ein grosses Problem. Der in den Farben der kommenden Weltmeisterschaft lackierte "Fun Bus" will Schüler aus Port Elizabeth für diese Problematik sensibilisieren.

Dieser Inhalt wurde am 06. Mai 2010 - 17:04 publiziert

Von den 1006 Schülern der Duna Charles Primary School im Township New Brighton sind 30 HIV-positiv. Vor zwei Jahren forderte eine Tuberkulose-Epidemie, eine Krankheit, an der hauptsächlich Menschen mit HIV/Aids leiden, "mehrere Todesfälle in der Schule ", sagt Nombulelo Sume, die Direktorin der Schule.

Südafrika gehört zu den am schwersten von der Aids-Epidemie betroffenen Ländern. Offiziell sind rund 5,7 Mio. Menschen mit dem Virus infiziert, fast 12% der gesamten Bevölkerung. Die UNO, die nur Patienten von 15 bis 49 Jahren in ihre Berechnungen einbezieht, kommt auf 18,1%.

Für Suma Nombulelo ist der Kampf gegen Aids jedoch nur eine von verschiedenen Aufgaben. An diesem Morgen, als swissinfo sie besuchte, hatte sie sich mit elementareren Problemen auseinanderzusetzen. Wegen zu niedrigen Drucks stand in der Schule fast kein Wasser mehr zur Verfügung.

Prävention mit Sport

So wurden zwei der drei Toiletten geschlossen, und die beiden Wasserspender aussen kamen unter die ständige Kontrolle eines Lehrers - um Verschwendung zu verhindern.

"Das geschieht sehr oft, denn das Leitungssystem wurde seit 1995 nicht mehr verändert, seit dem offiziellen Ende des differenzierten Bildungssystems für Schwarze und Weisse. Die Gemeinde und das Bildungsministerium spielen sich den Ball immer wieder gegenseitig zu, aber bewegt hat sich nichts."

Dieser Mangel ist sehr mühsam, vergiesst doch ein Grossteil der Schülerinnen und Schüler der Charles Duna-Grundschule täglich ziemlich viel Schweiss auf dem Sportplatz neben der Schule.

Begleitet von einem Dutzend Freiwilliger aus Europa weckt ein so genannter "Fan Bus" die Neugier der Kinder. Die 5- bis 14-Jährigen stehen dutzendweise um die Fuss-, Rugby- und Cricket-Bälle herum. Denn dies sind die drei populärsten Sportarten des Landes.

In einer Ecke des Sportplatzes, auf dem die Kieselsteine die Anzahl der Grashalme weit übertreffen, versuchen die drei Umzigisi-Angestellten Nwbane, Siwe und Ntosh mit Übungen den Teamgeist und das Selbstwertgefühl der Jugendlichen zu stärken. Umzigisi ist die Partnerorganisation der Neuenburger Nichtregierungs-Organisation Imbewu.

Ignoranz an der Spitze

Nach dem Sport kommt die Prävention. Die Kinder versammeln sich in einem Klassenzimmer. "Wie viele Menschen in Südafrika haben Aids?" fragt Ntosh zuerst auf Englisch, dann auch auf Xhosa, damit die Frage auch richtig verstanden wird.

Die letzte Lektion, die zwei Wochen zurückliegt, scheint noch präsent zu sein, denn die Mehrheit antwortet: "Eine von acht". Das ist der nationale Durchschnitt, der aber weit unter der Realität des Townships New Brighton liegt.

Um die Nachricht zu verankern, wiederholen die fünfzig Kinder im Chor das Wort "Kondom", das einzige wirksame Mittel gegen die Pandemie. Praktische Übungen zur Handhabung von Präservativen gibt es nur für über 14-Jährige.

Selbst diese elementare Botschaft wird aber nicht problemlos aufgenommen in einem Land, in dem ein Polygamist Präsident ist. Einer, der die Polemik angeheizt hat, weil er ein Kind zeugte – sein 20. – mit der Tochter eines seiner Freunde.

2006 erklärte er als Leiter des nationalen Komitees zur Bekämpfung von Aids, das Ansteckungsrisiko nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr könne mit einer Dusche minimiert werden.

Gewisse Bereitschaft

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Thabo Mbeki (1999-2009), dessen Gesundheitsministerium sich für eine an Obst und Gemüse reiche Ernährung anstelle anti-retroviraler Medikamenten aussprach, zeigt Jacob Zuma nun doch eine gewisse Bereitschaft, ernsthaft gegen die grösste Bedrohung der südafrikanischen Gesellschaft vorzugehen.

Alle Babys unter einem Jahr, die mit dem Virus infiziert sind, erhalten kostenlos Medikamente. Auch werden schwangere Frauen früher behandelt, um die HIV-Übertragung auf ihre Neugeborenen zu verhindern.

Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Neuinfektionen bis im Jahr 2011 zu halbieren. Aber fast eine Million Menschen in Südafrika hat noch immer keinen Zugang zu anti-retroviralen (ARV) Medikamenten.

Von den 30 HIV-positiven Kindern in der Duna Charles Primary School werden derzeit lediglich 10 mit ARV behandelt. Es werden nur Medikamente abgegeben, wenn die Krankheit das Immunsystem bereits wesentlich geschwächt hat.

Ein langer Weg

Die Verteilung von Kondomen soll laut Beamten recht gut funktionieren. Diese wird vor allem von Nichtregierungs-Organisationen bei Jugendlichen vorangetrieben. Eine Generation also, die bisher moralisch nicht von der über vier Jahrzehnten herrschenden Politik der Apartheid geprägt wurde.

Durch das Einhämmern ihrer Präventions-Botschaften in allen Schulen der Provinzen erhoffen sich Nwbane Siwe und Ntosh eine schrittweise Änderung der Einstellung zu diesem Problem.

Aber Ignoranz, Alkohol, Drogen, Prostitution, Promiskuität und Serien-Vergewaltigungen sind grosse Hindernisse für eine rasche Tilgung der Seuche.

Angesichts der massiven Arbeitslosigkeit (über 70% in New Brighton) und die trüben sozioökonomischen Aussichten wird Südafrika Mühe haben, seine Ziele zu erreichen.

Samuel Jaberg, zurück aus Port Elisabeth, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Französischen: Etienne Strebel)

Deutliche Unterschiede

43% der südafrikanischen Bevölkerung leben mit weniger als 1 Dollar proTag.

Die offizielle Arbeitslosenquote beträgt 24,5%, in Wirklichkeit überschreitet sie die 40%-Marke.

2009 gingen offiziell 260'000 Arbeitsplätze verloren, insbesondere bei jungen schwarzen Männern im informellen Sektor.

13 Millionen Südafrikaner erhalten Sozialhilfe.

Seit 1995 hat das mittlere Monats-Einkommen der Schwarzen um 37,3% zugenommen, das der Weissen um 83,5%.

Gemäss der Weltbank leben 13% der Bevölkerung wie in einem modernen westlichen Landes, 50% wie in einem Entwicklungsland.

7% der Bevölkerung steht weder fliessendes Wasser noch elektrischer Strom zur Verfügung.

25% haben keinen Zugang zu einer Grundschulbildung.

Die Lebenserwartung ist in den letzten 10 Jahren um 10 auf rund 50 Jahre zurückgegangen.

18,1% der Bevölkerung zwischen 15 und 49 sind HIV-positiv.

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Port Elizabeth

Der Ort befindet sich an der südöstlichen Küste des Landes und heisst auch "Stadt der Winde".

Port Elizabeth wurde 2005 in Nelson Mandela Bay umbenannt und ist die 5.-grösste Stadt Südafrikas.

Sie zählt 1,3 Mio. Einwohner, von denen rund 800'000 in den Townships im Nordwesten der Stadt leben.

Dort waren während der Apartheid Schwarze und Mischlinge angesiedelt.

Die Hafenstadt ist die südafrikanische Kapitale der Automobilindustrie, die zehntausende Personen beschäftigt.

Die durch die Automobilkrise in Mitleidenschaft gezogene Stadt versucht ihre Ökonomie zu diversifizieren, insbesondere durch die Entwicklung des Tourismus.

Sie ist eine der Städte, die in weniger als vier Monaten Gastgeberinnen der ersten FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden sein werden.

Das Schweizer Team wird dort am 21. Juni sein 2. Gruppenspiel gegen Chile spielen.

Das neue Nelson Mandela Bay Stadium kostete rund 300 Mio. Franken. Es bietet Platz für 46'000 Personen.

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