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Mitarbeiter und Management: Lohnschere öffnet sich

Lohnmässig driften Mitarbeiter und Führungsleute immer mehr auseinander. (imagepoint)

Die Manager-Saläre haben sich im vergangenen Jahr laut einer gewerkschaftlichen Studie weiter von den normalen Mitarbeiterlöhnen abgesetzt.

Travail.Suisse moniert, dass 2005 der höchste Lohn in einem Unternehmen um mehr als das Achthundertfache höher ausfiel als der niedrigste.

Die Gewerkschaft Travail.Suisse warnt vor den wirtschaftlichen und politischen Folgen der zunehmenden Lohnunterschiede, die Transparenz bleibe nach wie vor mangelhaft.

Sie hat bei 27 Schweizer Firmen aufgrund der Geschäftsberichte die höchsten Saläre ermittelt und sie mit den tiefsten verglichen. Die Resultate legen den Schluss nahe, dass sich die Lohnschere gegenüber dem Vorjahr weiter geöffnet hat.

Das grösste aufgrund öffentlicher Zahlen berechenbare Verhältnis stieg von 1:487 auf 1:544, wie Martin Flügel, Leiter Sozialpolitik bei Travail.Suisse am Freitag vor den Medien in Bern bekannt gab.

Flügel vermutet aber, dass es noch deutlich grössere Unterschiede gibt. Die CS beispielsweise habe ihren tiefsten Lohn Travail.Suisse nicht angegeben. Wenn der aber der tiefsten Lohnklasse der UBS entspreche, betrage die Lohnschere dort 1:840.

Kritik nicht bloss bei Spitzensalären

Travail.Suisse kritisiert allerdings nicht bloss die Spitzensaläre, sondern auch den "ganz normalen Wahnsinn" darunter. Nebst Einkommen von mehreren Millionen Franken gebe es vor allem auch sehr hohe Zuwachsraten. Lohnerhöhungen von 20% seien keine Seltenheit, und die Hälfte der Unternehmen liege 10% über dem Vorjahr.

Flügel erwähnte allerdings auch "löbliche Ausnahmen" wie die Migros, Coop und die Post, wo die Löhne nur leicht oder gar nicht stärker gestiegen seien als die der Belegschaft. Die Höhe eines Chefsalärs habe also kaum mit Leistung, Verantwortung oder Risiko zu tun, sondern mit fehlender Kontrolle, zunehmendem Realitätsverlust und unkontrollierter Gier, so Flügel.

Arbeitnehmerlöhne um 0,2% gesunken

Die Arbeitnehmer sind demgegenüber laut der Gewerkschaft im vergangenen Jahr mehr oder weniger leer ausgegangen. Teuerungsbereinigt seien die Löhne in der Schweiz gar um 0,2% gesunken.

Für die Arbeitnehmer sei die Entwicklung der Managersaläre nicht mehr nachvollziehbar. Der soziale Zusammenhalt und auch die wirtschaftliche Prosperität würden dadurch gefährdet.

Die hohe Motivation der Arbeitnehmenden sei nur garantiert, wenn sich Leistung auch auszahle und die Arbeitnehmer am Erfolg des Betriebs finanziell angemessen beteiligt würden, sagte Hugo Fasel, Präsident von Travail.Suisse.

Volksinitiative für Lohnobergrenze für Manager

Fasel prophezeite, dass anhaltende Lohnexzesse mit der Zeit zwangsläufig zu staatlichen Eingriffen führen würden. Eine Volksinitiative für eine Lohnobergrenze für Manager von einer Million Franken wäre heute an der Urne nicht chancenlos, sagte er.

Solche Massnahmen sind für die Gewerkschaft allerdings nicht prioritär. Sie verlangt aber dringend volle Transparenz bei den Löhnen und zwar bei den höchsten und den tiefsten.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Gewerkschaften sind nicht die einzigen, die die hohen Löhne auf den Führungsetagen der grossen Unternehmen kritisieren.

Der ehemalige Verwaltungsrats- und heutige Ehrenpräsident von Nestlé, Helmut Maucher, hat kürzlich die Löhne von gewissen Top Managern kritisiert. Er findet "solche hohen Ansätze lächerlich".

Johann Schneider-Ammann, Vizepräsident von economiesuisse und Swissmem-Präsident, meint ebenfalls, dass Manager zwar entsprechend entlöhnt werden müssen, dass die Lohnhöhe aber den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht in Gefahr bringen dürfe.

Ebenfalls in die gleiche Richtung deuten die Voten von Aktionären der Credit Suisse und der UBS, der beiden grössten Schweizer Banken.

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