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Modischer Freistoss über die Euro-2008-Grenze

"11 Meter Mode": Kronkorkenkleid von ChainReaction (links) und Michael goes Football (MICHAEL männerg'wand).

Beim Thema Euro 2008 ging es bisher um Kosten, Sicherheit, Fanmeilen oder die Gruppenauslosung. Dazu ist jetzt neu die Mode gekommen: mit dem Projekt "11 Meter Mode".

Die erste Halbzeit des Mode-Matches hat das "Nationalteam" junger österreichischer Designerinnen und Designer in Zürich bestritten. Die Schweizer-Modeschöpfer-Elf gastiert im April 2008 in Wien.

"Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten." So die legendär-lapidare Definition Sepp Herbergers von Fussball. Er war der Vater des "Wunders von Bern", als 1954 seine deutsche Mannschaft im Wankdorfstadion völlig überraschend Ungarn schlug und Weltmeister wurde.

Die Definition von Berenika Rührnössel und Alsihan Atayol hört sich anders an: "Fussball, das ist Männer und Bier", sagten sich die jungen Modedesigner- und Kleidermacherinnen. Die Schnittmenge sind Sieger und Verlierer. Und Bierflaschendeckel. In Österreich werden diese - obwohl aus Metall - Kronkorken genannt.

Sportlich-glamourös-einzigartig

Rührnössel und Atayol nahmen 1000 solcher Deckel und machten daraus das Kronkorkenkleid für die Frau, die einzigartig sein will. "Mit einer Jeans getragen ist es sportlich-lässig, als Kleid an einer Cocktailparty glamourös", erklärt Rührnössel.

Die Wirkung des kurzen Trägerkleids mit schwingendem Rock hänge stark von den getragenen Accessoires ab. Die liefert das Label ChainReaction mit, unter dem die Beiden ihre Kreationen schaffen und verkaufen: Finger- und Ohrringe, Brosche, Haarspange und eine rund Tasche. Alles aus Kronkorken, zusammen gehalten von Ringen aus Metall.

ChainReaction gehören mit zehn weiteren jungen Modedesignerinnen oder -labels zu den elf österreichischen Siegern des Wettbewerbs 11 Meter Mode. Dessen Initianten sind Präsenz Schweiz, die Drehscheibe für die Präsenz der Schweiz im Ausland, und die Schweizer Botschaft in Österreich. Sie werden von weiteren Partnern aus der Schweiz und Österreich unterstützt.

Freistoss zum Erfolg

Der Elfmeter ist, aus Sicht der Mannschaft, die ihn verschuldet hat, zwar ein Strafstoss. Für die Teilnehmer ist "11 Meter Mode" aber vielmehr ein Freistoss, neue Formen, Farben, Materialien, Schnitte und Techniken zu erproben. Und gleichzeitig neue Menschen kennenzulernen, seien es Kollegen, oder Kunden. Denn den Teilnehmenden ist allen gemein, dass sie sich erhoffen, vom Verkauf der eigenen Kollektion leben zu können.

"Mit Modedesign wollen wir einen attraktiven und innovativen Kulturaustausch ermöglichen", sagt Andrea Lins, Projektmanagerin Euro 2008 der Schweizer Botschaft in Wien. Dabei sollen die jungen kreativen Köpfe die Symbolik und Sprache des Fussballs mit einem Augenzwinkern aufgreifen und als Inspirationsquelle benutzen.

Genau mit diesem Augenzwinkern schufen Berenika Rührnössel und Alsihan Atayol ihr definitives Euro-2008-Fussballkleid. Es verbindet nicht nur die beiden Veranstaltungspartner, sondern alle teilnehmenden Länder. Durch die Wappen, die auf den Deckeln prangen.

Das Teil für Hooligans

Michael Eisner ist ein Fussballfan. Schon als kleiner Bub schlug sein Herz für Sturm Graz, eine der beiden rivalisierenden Mannschaften in seiner Heimatstadt. Der Autodidakt - der studierte Kunsthistoriker hat sich Entwurf und Schneidern selbst beigebracht - orientierte sich für seine Kreation an den hartgesottenen Fans auf der Tribüne.

Für sie, genauer gesagt, die treuen Supporter Österreichs und der Schweiz - mit den polnischen Fans quasi als Trittbrettfahrer - entwarf er unter dem Label Michael das ultimative Outfit: Ein weit geschnittenes Cape in Rot und Weiss.

Wer es kauft, spart die Fahne. Breitet der Träger die Arme aus, zeigt er Flagge. Und sollte er gar zur Hooliganszene gehören und in Randale verwickelt werden, verbirgt er sein Gesicht unter der weiten Kapuze.

Cape für die schlicht-elegante Frau

Aufs Cape kam auch Ulrike Kogelmüller. Unter ihrer Marke Ulliko entwarf die Wienerin das Kleid "Eurban Player". Komplettiert wird es durch ein Langshirt mit überlangem Schal sowie schwarzen Leggins mit integrierten Fussballer-Stulpen.

Reduktion auf das Wesentliche, lautet die Maxime Kogelmüllers, der sie sowohl punkto engem Schnitt als auch der Farbwahl treu bleibt – alle Teile sind in der Kombination Schwarz-Rot-Weiss gehalten.

Nur Auswärtsspiele

"11 Meter Mode" ist ein Match, der länger dauert als die von Herberger lakonisch angeführten 90 Minuten. Die erste Halbzeit bestritt das Modedesign-Team Österreichs an der dreitägigen Zürcher Designausstellung "Blickfang".

Die zweiten 45 Minuten spielt dann eine Schweizer Modeschöpfer-Nati im April in Wien. Für diese Auswärtspartie können sich die Aspiranten über einen Wettbewerb qualifizieren, den Präsenz Schweiz mit dem Anpfiff in Zürich eröffnet hat. Nach der Halbzeit ist vor der Halbzeit. Womit der Fussball-Aphoristiker Sepp Herberger das Schlusswort hatte.

swissinfo, Renat Künzi, Zürich

"11 Meter Mode"

Kuratorin des Kulturaustausch-Projekts ist Cloed Priscilla Baumgartner. Die Auslandschweizerin ist Mitinitiantin und Ko-Leiterin des Modepalastes in Wien, einer Förderungsplattform für junge Modedesignerinnen und -designer.

In Wettbewerben qualifizieren sich je elf junge Modedesignerinnen, -designer oder Labels für die "Nationalmannschaft" Österreichs oder der Schweiz.

Die "erste Halbzeit" des Mode-Matches bestritt Österreich an der Designmesse Blickfang in Zürich (23. bis 25.11.).

Zur zweiten Halbzeit tritt die Schweiz vom 17. bis 20. April 2008 im Modepalast Wien an.

Zu den Halbzeiten gehören auch Modeschauen, Empfänge, Vorträge und Podiumsdiskussionen.

Eine "11 Meter-Kollektion" muss aus drei Teilen bestehen. Die Modeschöpfer sollen Elemente aus der Fussball- und Fankultur aufnehmen und diese augenzwinkernd in eigene, innovative Kreationen ein- und umarbeiten.

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