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Oldtimer Passion für alte Traktoren

Dass alte Traktoren nicht einfach als Alteisen enden müssen, nachdem sie kaputt, zu alt oder sonst wie obsolet geworden sind, habe ich in Amerika zum ersten Mal gesehen. In den USA, North Dakota, reines Landwirtschaftsgebiet. Da sah ich neben der Strasse einen Parkplatz, auf dem in Reih und Glied grün und gelb bemalte, sauber geputzte, historische John-Deere-Traktoren standen.

Typisch Amerika, dachte ich, hier liebt man doch alles, was gross ist. Und wenn es grosse Motoren sind, dann liebt man diese noch mehr.

Wenig später zog ich zurück in die Schweiz, nach Möriken im Kanton Aargau, wo ich aufgewachsen war, ehemals Landwirtschaftsgebiet. Einer der ersten Grossanlässe im Dorf nach meiner Rückkehr war ein Oldtimer-Traktoren-Treffen. Was ich noch vor kurzem als uramerikanisch eingestuft hatte, war also längst auch hier angekommen.

Ich vermutete, dass die ländliche Bevölkerung nicht einfach als rückständig und hinterwäldlerisch betitelt werden kann und eine Ausstellung von Oldtimertraktoren nicht bloss ein Kuriosum ist, auch wenn die Organisatoren solchen Unterstellungen mit einer ironischen Gegenfrage antworteten: "Was wollen die denn mit ihren aufs Feld gestellten Haufen Altmetall?" Heute hat sich das Treffen längst etabliert.

Für die meisten ist es eine ganz handfeste Faszination. In der Scheune oder der Garage steht seit je ein Schweissgerät, das Werkzeug ist da, der Platz auch. Die Motoren sind einfach, und es gibt kaum etwas, das sich mit etwas Talent und Geduld nicht selber reparieren und restaurieren lässt.

Allein ich bin es, der hinter der einfachen Motorentechnik eine tiefere Bedeutung vermutet. Den Ausdruck einer Sehnsucht nach dem einfachen Leben. Heute, wo der Bauernstand längst nicht mehr der Hort des urtümlichen Lebens, sondern geprägt ist von komplizierten politischen Bestimmungen, undurchsichtigen Regeln und einer nicht immer nachvollziehbaren Subventionspolitik, da müssen die Hobbymechaniker mit ihren hochgekrempelten Hemden und öl- und fettverschmierten Händen doch auf der Suche nach der guten alten Zeit sein!
(Text und Bilder: Thomas Kern)

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