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MÜNCHEN (awp international) - Der weltgrösste Rückversicherer Munich Re muss um sein Gewinnziel für 2011 fürchten. Bereits die schweren Naturkatastrophen gleich zu Beginn des Jahres in Australien und Neuseeland schlugen nach ersten Schadenschätzungen mit rund 1,5 Milliarden australischen Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) zu Buche. Das sind bereits gut zwei Drittel der Summe, die Munich Re im gesamten Jahr 2010 für Naturkatastrophen aufwenden musste. Das Gewinnziel von 2,4 Milliarden Dollar sei deshalb nur noch erreichbar, wenn im weiteren Jahresverlauf die Grossschäden unterhalb der Erwartungen blieben, teilte das Unternehmen am Donnerstag in München mit.
Allein das Erdbeben im Februar in der zweitgrössten neuseeländischen Stadt Christchurch beziffert Munich Re mit 1 Milliarde australischer Dollar (rund 725 Millionen Euro). Nur ein halbes Jahr zuvor hatte die Erde dort schon einmal gebebt. Die Schäden aus den Überschwemmungen in Brisbane in Australien beziffert das Unternehmen mit rund 350 Millionen australischen Dollar. Der Zyklon Yasi, der Anfang Februar an der Nordküste Australiens eine Spur der Verwüstung gezogen hatte, belastet das Unternehmen nach eigenen Angaben in einer Grössenordnung von 135 Millionen australischen Dollar.
MITTELFRISTIGES RENDITEZIEL
Der Konzern übernimmt für Versicherungen Risiken, die diesen zu grosse sind. Indirekt sind so rund zwei Milliarden Menschen, etwa ein Drittel der Weltbevölkerung bei den Münchnern versichert. Als weltgrösster Rückversicherer ist Munich Re von Grossschäden auch am stärksten betroffen. Der zweitgrösste Rückversicherer Swiss Re rechnet für das Erdbeben in Neuseeland mit Belastungen von 800 Millionen Dollar (rund 575 Millionen Euro), die Hannover Rück mit umgerechnet 150 Millionen Euro.
Ebenfalls belastet durch Naturkatastrophen war der Gewinn der Munich Re im vergangenen Jahr - wie bereits Anfang Februar mitgeteilt wurde - um fünf Prozent auf 2,43 Milliarden Euro zurück gegangen. 2012 will der Konzern weiter Gewinne in dieser Grössenordnung erreichen. Auch am mittelfristigen Renditeziel von 15 Prozent hält das Unternehmen fest. Allerdings wird zumindest in diesem Jahr auch dieses Ziel schwer zu erreichen sein, wie man in München selbst einräumt.Grund dafür sind die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt, wo Munich Re die Beiträge seiner Versicherten anlegt. 2010 hatte die Rendite bei 13,5 Prozent gelegen.
KAPITALMARKTZINSEN WERDEN NIEDRIGE BLEIBEN
Das Unternehmen geht davon aus, dass die Kapitalmarktzinsen in diesem Jahr weiter auf niedrigem Niveau bleiben werden. Mittelfristig sei mit einer Verzinsung von unter vier Prozent zu rechen. Es sei daher mit niedrigen laufenden Erträgen aus Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren und Darlehen zu rechnen. Zudem gebe es nur moderate Chancen auf Veräusserungsgewinne. "Deshalb geht die Munich Re von einem mittelfristig niedrigeren Kapitalanlageergebnis aus, bei dem die Verzinsung auf den Bestand unter 4 Prozent liegen sollte", hiess es.
2010 stieg das Kapitalanlageergebnis um zehn Prozent auf 8,6 Milliarden Euro. Damit glich die Munich Re den Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Dieser sank wegen der hohen Kosten für Erdbeben, Überschwemmungen und der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko um 16 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen des Branchenführers legten im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 45,5 Milliarden Euro zu. Die Aktionäre erhalten für 2010 mit 6,25 Euro je Aktie eine um 50 Cent erhöhte Dividende. Die im Dax notierte Aktie gab in den ersten Handelsminuten um mehr als ein Prozent nach. Händler führten dies auf die vorsichtigen Aussagen zum Gewinnziel zurück./fin/zb

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