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Muslime in der Schweiz So viel Geld steckt Katar in Schweizer Moscheen

Scheich

Katars Scheich Tamim bin Hamad Al Thani an der Eröffnung des Arabischen Gipfels in Tunis.

(Keystone / Fethi Belaid)

Laut dem Buch "Qatar Papers" hat Katar Moscheen und islamische Zentren in der Schweiz mit mehreren Millionen Franken unterstützt. Das berichten Tamedia-Zeitungen am Donnerstag.

Für das Buch "Qatar Papers" stützten sich die Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot auf interne Dokumente einer von der katarischen Königsfamilie finanzierten Nichtregierungsorganisation (NGO), die durch ein Leck nach aussen gelangten. Das schrieben am Donnerstag 24Heuresexterner Link und Tribune de Genèveexterner Link.

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Islam in der Schweiz

Der Islam ist heute die drittgrösste Religion in der Schweiz. Die Gemeinschaft mit fast 450'000 Gläubigen (5,5% der Bevölkerung) ist sehr heterogen, sei es bezüglich der Herkunft (vorwiegend vom Balkan und aus der Türkei), wie auch bezüglich der Intensität, mit der die Muslime praktizieren. Die grosse Mehrheit ist komplett integriert. 350 verschiedene Verbände vertreten ihre Interessen, und in 300 Gebetshäusern wird gepredigt. Nur vier davon verfügen über ein Minarett.

Diese Dokumente ermöglichen es, das Ausmass der katarischen Finanzierungen muslimischer Organisationen und Projekten in Europa abzuschätzen.

Laut dem Buch hat Qatar Charity 140 Moscheen- und Islamzentrumsprojekte in Europa mit 71 Millionen Euro (fast 80 Millionen Franken) finanziert.

"Katar ist heute ein wichtiger Akteur bei der Finanzierung des Islams in Europa", kommentierte Mit-Autor Georges Malbrunot am Donnerstag im französischsprachigen Schweizer Radio und Fernsehen (RTS). Italien ist mit mehr als 50 finanzierten Projekten das am meisten betroffene Land.

Fünf finanzierte Projekte in der Schweiz

In der Schweiz soll die NGO zwischen 2011 und 2014 mehr als 3,6 Millionen Euro (4 Millionen Franken) in fünf Projekte muslimischer Organisationen in Prilly (Waadt), Biel (Bern), La Chaux-de-Fonds (Neuenburg) und Lugano (Tessin) investiert haben.

Mohamed und Nadia Karmous, die dem Museum für Islamische Zivilisationen in La Chaux-de-Fonds vorstehen, sollen "eine zentrale Rolle" spielen. Laut "Qatar Papers" erhielt das Paar, das "auf höchster Ebene" der Muslimbruderschaft geschätzt wird, mindestens sieben Geldtransfers für ihr Museum in der Höhe von insgesamt fast 1,4 Millionen Franken.

Gegenüber der Tamedia-Redaktion wollte Mohamed Karmous keine Stellung zum Buch nehmen, ohne es gelesen zu haben. Er versicherte aber, dass die Schweizer Gesetze eingehalten würden.

Ebenfalls Geld aus Katar erhielten der muslimische Kultur-Komplex in Prilly bei Lausanne (1,6 Millionen Franken) und die Moschee Salah-Eddine in Biel.

Bezüge von Tariq Ramadan

Gestützt auf eine Notiz des französischen Finanzaufsichtsorgans Tracfin behauptet das Buch im Weiteren, dass Tariq Ramadan, welcher der Muslimbruderschaft nahesteht, in seiner Eigenschaft als "Berater" 35'000 Euro (über 39'000 Franken) pro Monat von der Qatar Foundation, einer weiteren NGO im Emirat, erhalten habe.

Ramadan habe zudem Anfang 2018 von der Liga der Muslime der Schweiz 19'000 Euro (21'000 Franken) erhalten, als er wegen Vergewaltigungsvorwürfen verhaftet wurde, die er bestreitet.

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"Wer zahlt, befiehlt"

"Katar verbindet sich mit Netzwerken, die mit der Bewegung der Muslimbrüder verbunden sind (...). Durch dieses bereits bestehende Netzwerk ist eine Unterwanderung umso einfacher", so Georges Malbrunot.

"Katar, das massiv investiert, will den europäischen Islam beeinflussen", betont der Journalist und erzählt, dass Katar seine Unterstützung des Museums von La Chaux-de-Fonds an Bedingungen geknüpft habe, zum Beispiel das Hissen der Flagge oder die Anwesenheit von katarischen Vertretern bei wichtigen Sitzungen. "Wer zahlt, befiehlt. Da darf man sich keine Illusionen machen."

Pascal Gemperli von der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS) betonte gegenüber RTS, dass Moscheen in der Schweiz zu 98% aus Schweizer Mitteln finanziert werden. "Wir sind weit davon entfernt, von ausländischen Geldern überflutet zu werden", so Gemperli.

Gemperli ergänzte zudem, dass Qatar Charity Partnerschaften mit der Bill Gates Foundation unterhalte sowie mit dem UNO-Ernährungsprogramm, UNICEF und der WHO zusammenarbeite. "Es ist keine Schurken-Organisation", schlussfolgerte er.


(Adaptiert aus dem Französischen: Sibilla Bondolfi)

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