Mutmasslicher Haupttäter im Entführungsfall Kuvet verhaftet

Kuvet freut sich über die wiedergewonnene Freiheit. Keystone

Der am vergangenen Dienstag in Zürich entführte Erstklässler Kuvet Salahi ist seit Samstag (20.05.) wieder frei. Bis Samstagabend wurden in der Schweiz und in Serbien mehrere Personen verhaftet - darunter auch einer der mutmasslichen Haupttäter.

Dieser Inhalt wurde am 21. Mai 2000 - 12:17 publiziert

Nach der Freilassung des achtjährigen Knaben Kuvet Salahi konnte am Samstagabend auch der mutmassliche Haupttäter der Entführung verhaftet werden. Der 29-jährige Goran Novakovic ging der Luzerner Kantonspolizei zusammen mit zwei mutmasslichen Komplizen bei einer Razzia in einem Restaurant in Emmenbrücke ins Netz, wie die Kantonspolizei Luzern mitteilte.

Bei der Polizeiaktion kam es zu einer Schiesserei. Einer der drei Verhafteten, ein 30-jähriger Mann aus dem ehemaligen Jugoslawien, wurde durch mehrere Schüsse verletzt.

Zuvor war im luzernischen Hochdorf bereits ein weiterer mutmasslicher Mittäter verhaftet worden. Insgesamt sitzen damit sieben Verdächtige in Haft, zwei von ihnen in Serbien.

Kuvet "gut gelaunt" zu Hause

Kurz vor 08.00 Uhr am Samstagmorgen war das entführte Kind in der Nähe von Luzern freigelassen und um 08.30 Uhr von der Polizei der Familie übergeben worden. In einem Telefongespräch nach der Freilassung habe Kuvet "gut gelaunt" gewirkt und den Wunsch geäussert, bald duschen und die Kleider wechseln zu können, sagte Kripo-Chefin Silvia Steiner.

Das Kind eines wohlhabenden Geschäftsmannes, eines aus dem Süden Serbiens stammenden Albaners mit mazedonischem Pass, der seit Jahren in der Schweiz lebt, war am Dienstagmorgen um 09.10 Uhr auf dem Schulweg bei der Einmündung des Bernhard-Jäggi-Wegs in den Döltschiweg in Zürich-Wiedikon gekidnappt worden.

Ein Passant hatte beobachtet, wie der schreiende Achtjährige von einem Mann mit Gewalt in den Kofferraum eines Autos gesperrt wurde. Kurz nach der Tat wurde das mit übersetzter Geschwindigkeit fahrende Entführerfahrzeug von einem Radargerät an der Birmensdorferstrasse geblitzt.

Fluchtfahrzeug in Nidwalden

Die albanisch sprechenden Entführer haben sich am Abend der Entführung erstmals bei den Eltern des entführten Kindes telefonisch aus Serbien gemeldet, danach gab es mehrere Telefonanrufe der Entführer aus Serbien. Sie verlangten 1,2 Mio. Franken Lösegeld.

Am Donnerstag wurde das Fluchtfahrzeug auf Grund eines Hinweises aus der Bevölkerung im Kanton Nidwalden gefunden. Am Innenspiegel des Fahrzeuges wurden die Fingerabdrücke des Entführers Goran Novakovic festgestellt, wie Peter Rüegger, Chef des Stadtzürcher Kriminalkommissariats 2, an der Medienkonferenz am Samstagnachmittag erklärte.

Zwei Schweizer Ermittlungsleute in Serbien

Ein Stadtzürcher Polizeibeamter und ein Beamter des Bundesamtes für Polizei in Bern flogen am Donnerstag nach Belgrad, um die Ermittlungen mit den laut Rüegger sehr kooperativen jugoslawischen Behörden koordinieren zu können.

Ein erstes Lebenszeichen von ihrem Sohn erhielten die Eltern am Donnerstagabend. Die Täter in Serbien hielten zwei Telefonhörer zusammen, damit der in der Schweiz versteckt gehaltene Kuvet rufen konnte: "Mami, ich komme bald nach Hause!". Der Vater erklärte sich nachdiesem Lebenszeichen bereit, das Lösegeld für die Freilassung seines Sohnes zu bezahlen. Am Freitagmittag reiste ein Kurier mit dem Geld nach Belgrad.

Zwei Mittäter machten Angaben über Entführer

Über die Polizeitaktik, die schliesslich zur Freilassung geführt hat, wollte Rüegger gegenüber den Medien keine genauen Angaben machen. Nur soviel: In der Nacht kurz vor 02.00 Uhr seien in Serbien ein VW Golf angehalten und die zwei Insassen verhaftet worden. Aufgrund mitgeführter Notizen sei rasch klar gewesen, dass sie in die Entführung involviert waren.

Sie hätten dann auch Aussagen über die Täter in der Schweiz gemacht. Der entführte Knabe ist dann am Samstagmorgen um 07.48 Uhr freigelassen worden. Eine Viertelstunde später wurde er von der Polizei aufgegriffen und die Fahndung nach den Entführern ausgelöst.

swissinfo und Agenturen

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen