Nationalbank lässt Leitzins unverändert

Notenbank-Chef Jean-Pierre Roth: Wirtschaft hat sich überraschend abgeflacht. Keystone

Die Schweizerische Nationalbank will den Leitzins für die nächsten 3 Monate unverändert lassen, um die Konjunktur etwas anzukurbeln.

Dieser Inhalt wurde am 16. Juni 2005 - 13:57 publiziert

Gleichzeitig revidiert die Nationalbank auch ihre Wachstumsprognosen von 1,5 auf 1%. Ein Zeichen für den Aufschwung sei nicht in Sicht.

Der Aufschwung wird vertagt: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beurteilt die Konjunktur viel pessimistischer als vor drei Monaten. Sie rechnet erst im zweiten Halbjahr 2005 mit einem spürbaren Wachstum und kürzt daher ihre Prognose für das Brutto-Inland-Produkt (BIP).

Die Notenbank rechnet im laufenden Jahr noch mit einem Wachstum des BIP von 1,0%, wie der Präsident des SNB-Direktoriums, Jean-Pierre Roth, am Donnerstag sagte. Im März war die SNB noch von einem Wachstum von 1,5% ausgegangen.

Roth liess aber durchblicken, dass die SNB die historisch tiefen Zinsen bei einem Anziehen der Konjunktur in der zweiten Hälfte dieses Jahres heben wird: "Wenn sich die Aussichten verbessern, ist eine Korrektur des seit langem expansiven geldpolitischen Kurses der Nationalbank notwendig."

Leitzinsen vorerst unverändert

Vorerst will die SNB die schwächelnde Konjunktur aber nicht mit höheren Zinsen abwürgen. Das Zielband für den massgebenden Drei-Monate-Libor bleibt unverändert bei 0,25 bis 1,25%. Der Libor soll wie bis anhin in der Mitte des Bands bei 0,75% gehalten werden.

Zuletzt hatte die SNB das Band im September 2004 um 0,25 Basispunkte angehoben. Weitere Zinsschritte blieben seither aus, weil der Aufschwung ins Stocken kam. Im ersten Quartal 2005 stagnierte das BIP im Vergleich zum Vorquartal, nachdem es im vierten Quartal 2004 um 0,1% geschrumpft war.

Teures Öl, schwacher Dollar

Roth begründete die korrigierte Prognose unter anderem mit den hohen Erdölpreisen und einer Abwertung des Dollars in den Monaten Oktober bis Dezember. Beide Faktoren hätten die europäische Konjunktur - und damit auch die schweizerische - negativ beeinflusst.

Entgegen früherer Erwartungen der SNB blieb die Konjunktur in der Schweiz im ersten Quartal verhalten. Die enttäuschende Entwicklung sei vor allem auf die Exporte zurückzuführen, sagte Roth.

Indes seien im ersten Quartal 2005 "Anzeichen für eine Verbesserung der Konjunktur in der Schweiz" sichtbar geworden. Und in den vergangenen beiden Monaten habe sich auch die Exporttätigkeit wieder belebt, sagte Roth.

"Angemessene Entscheidung"

Der Entscheid der SNB sei der heutigen Konjunkturlage angemessen, kommentiert Credit Suisse-Chefökonom Alois Bischofberger den Entscheid. Die Wirtschaft habe sich verlangsamt, die Preise seien stabil und der Franken sei gegenüber dem Euro stärker geworden.

Eine Zinserhöhung wäre undenkbar gewesen oder sogar gefährlich im Hinblick auf die Konjunkturschwäche in der Eurozone, sagt Serge Gaillard, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Notenbank lässt das Zielband für den massgebenden Drei-Monate-Libor unverändert zwischen 0,25 und 1,25%.
Die Prognosen für das Wirtschafts-Wachstum für 2005 sind von 1,5% auf 1,0% gesenkt worden.
Die SNB schätzt, dass die Inflation 2005 bei einem Prozent liegt, 2006 auf 0,5% sinkt und 2007 auf 1,4% steigen wird.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen