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Überschwemmungen: Prävention dank alten Bildern

23. August 2005: Ein Teil der historischen Altstadt Berns wurde von der Aare überflutet. Keystone

Mit der Klimaerwärmung nimmt in der Schweiz die Gefahr von Überschwemmungen zu. Doch die Erinnerung an solche Extremereignisse schwindet mit der Zeit. Ein Projekt der Universität Bern will die kollektive Erinnerung stärken und ruft dazu auch die Bevölkerung auf.

Dieser Inhalt wurde am 15. August 2018 - 14:30 publiziert

Die Flut kam so plötzlich wie unerwartet. In der Nacht auf den 11. Juni dieses Jahres suchte ein heftiges Unwetter die Stadt Lausanne heim und überflutete Strassen, Verkaufsgeschäfte und Unterführungen. In zehn Minuten fielen 41 Liter Wasser pro Quadratmeter – eine Menge, die bei "normalem" Niederschlag in zwei Wochen anfällt.

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Wer dieses ausserordentliche Ereignis selber erlebt hat, wird es so schnell nicht wieder vergessen. Im kollektiven Gedächtnis aber wird es vermutlich in einigen Jahren bereits vergessen sein. "Obschon Hochwasser zum Teil grosse Schäden anrichten und den Direktbetroffenen stark zusetzen, gehen sie schnell wieder vergessen", schreibt das Mobiliar Lab für Naturrisiken der Universität Bern in einer MitteilungExterner Link.

Deshalb haben die Forschenden das Kollektive ÜberschwemmungsgedächtnisExterner Link ins Leben gerufen, das Bilder aus der ganzen Schweiz sammelt. Das Projektziel sei, die Bevölkerung an die Risiken von Überschwemmungen zu erinnern sowie Spezialisten und Behörden eine Informationsquelle für die Evaluation und Prävention von Risiken zur Verfügung zu stellen, sagt Rolf Weingartner, Professor für Hydrologie an der Universität Bern.

In der Schweiz war während der letzten 40 Jahre ein Gebäude von sieben einem Überschwemmungsrisiko ausgesetzt. Vier von fünf Gemeinden waren davon betroffen, wie das Labor schreibt.

2005 war das Jahr mit den gewaltigsten durch ein einziges Naturereignis hervorgerufenen Überschwemmungen. In mehreren Regionen der Schweiz war es zu heftigen Regenfällen gekommen. Die Schadenbilanz belief sich schliesslich auf fast drei Milliarden Franken.

Ein Fussballplatz nahe des Thunersees in Thun, Kanton Bern, am 23. August 2005. memoiredesinondations.ch

Die Bilder in der Datenbank der Universität Bern stammen aus Bildarchiven und von den Behörden der Gemeinden und Kantone. Auch historische Illustrationen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sind dabei. Zudem wird die Bevölkerung aufgerufen, ihre Bilder zu teilen, die direkt auf die Website hochgeladen werden können.

Überschwemmung 1778 in Küsnacht, Kanton Zürich, in einer Darstellung von Johann Jakob Aschmann. Johann Jakob Aschmann

Prävention und Vorbereitung

Die Schweiz ist als Alpenland besonders Naturgefahren wie Überschwemmungen, Erdrutschen und Murgängen ausgesetzt. Und mit der Klimaerwärmung werden solche Phänomene wohl häufiger auftreten und katastrophaler werden.

Seit 1972 werden alle Überschwemmungen im Land systematisch erfasst. Die Präventions-Strategie habe zum Ziel, dass Risikozonen nicht bebaut würden und Wasser mehr Raum erhalte, damit es besser abfliessen könne, schreibt die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und LandschaftExterner Link (WSL) auf ihrer Website. Und wenn nötig, werden Schutzbauten erstellt.

Der Bund hat kürzlich eine GefährdungskarteExterner Link publiziert, die zeigt, wo eine potenzielle Gefahr durch Oberflächenabfluss besteht. Wenn es so stark wie kürzlich in Lausanne regnet, kann der Boden das Wasser nicht mehr aufnehmen, und es fliesst die Hänge hinunter, was gefährlich für Gebäude, Strassen und Stromleitungen werden kann.

Das nun von der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der Versicherungsbranche ausgearbeitete Werkzeug soll ermöglichen, die Risiken zu identifizieren, Schutzmassnahmen in einem frühen Stadium anzupassen und Schäden zu verhindern.

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Hunderte Millionen Franken pro Jahr

2017 sorgten Unwetter in der Schweiz laut WSL für Schäden im Umfang von 170 Millionen Franken. 94% davon wurden durch Überschwemmungen und Murgänge verursacht.

Laut WSL war das die höchste Schadensumme der letzten zehn Jahre. Sie liegt aber unter dem Jahresdurchschnitt von 307 Millionen Franken in der Periode zwischen 1972 bis 2016.

Acht Personen wurden letztes Jahr Opfer solcher Naturphänomene (zu denen man Lawinen nicht zählt). In den Vorjahren waren jeweils zwei bis drei Todesopfer zu beklagen.

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