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Nein zu Tierversuchen an grossen Primaten

Die DNA der grossen Affen entspricht zu 96% der menschlichen.

(Keystone)

Zwei eidgenössische Kommissionen fordern ein Verbot für Tierversuche an Menschenaffen und grössere Zurückhaltung bei Versuchen an anderen Primaten.

Als Grund wird die Sonderstellung genannt, welche den Affen durch ihre kognitiven und emotionalen Fähigkeiten zukomme.

Bei der Bewilligung von Versuchen an Primaten sei eine grössere Zurückhaltung angebracht, schreiben die Eidgenössische Kommission für Tierversuche (EKTV) und die Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich (EKAH) in ihrem am Montag publizierten Bericht.

Zudem gebe es ein Belastungsausmass, welches den Tieren generell nicht zugemutet werden dürfe. Gesuche um Primatenversuche müssten zwingend interdisziplinär auf ihre Wissenschaftlichkeit und die Forschungsziele begutachtet werden.

Die interdisziplinäre Überprüfung müsse gesetzlich verankert werden, fordern die Kommissionen. Weiter könnte gesetzlich vorgeschrieben werden, dass die zuständigen kantonalen Behörden über das nötige Know-how verfügen.

Denkbar wäre gemäss den Kommissionen auch, für Primatenversuche generell die EKTV als Bewilligungsbehörde einzusetzen.

Keine Versuche an Menschenaffen

Versuche an den grossen Menschenaffen - Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang Utans - sollen gänzlich verboten werden. Belastende Versuche an ihnen seien grundsätzlich unzulässig. Einzig die beobachtende Forschung sei moralisch vertretbar.

An die finanzierenden Stellen richten die Kommissionen die Aufforderung, dass sie keine Primatenversuche ohne ethische Begutachtung finanzieren. Und gerade die Depressionsforschung müsse den vielen Aspekten der Krankheit Rechnung tragen, somit gut vernetzt sein.

Die nächsten Verwandten des Menschen

Wie EKAH-Präsident Klaus Peter Rippe sagte, ist auch der Mensch ein Primat. Primaten verfügten über Zukunftsplanung, strategisches Handeln, Sozialkompetenzen, könnten Trauer zeigen und hätten auch Selbstbewusstsein. Im Zweifelsfall müsse deshalb der Entscheid bezüglich Zumutbarkeit von Leiden für den Affen gefällt werden.

Rippe sagte gegenüber swissinfo: "Es wird ein neues Tierschutz-Gesetz geben mit neuen Regelungen und Richtlinien. Wir hoffen, dass unsere Empfehlungen diskutiert und vielleicht einige in die Richtlinien aufgenommen werden."

Versuche an sämtlichen Primaten bis hin zum Gibbon sollen nach Ansicht der Kommissionen nicht verboten werden. Bei der Güterabwägung müsse aber mit besonderer Sorgfalt, Fürsorge und Vorsicht vorgegangen werden, so Rippe weiter. Nach geltendem Tierschutzgesetz muss eine Güterabwägung stattfinden.

Norma Schenkel, Zoologin bei der Fachstelle Tierversuche/Gentechnologie des Schweizer Tierschutz(STS) und Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Tierversuche, sagte gegenüber swissinfo: "Es nützt nichts, Versuche an grossen Primaten zu verbieten, wenn gar keine solchen durchgeführt werden. Es wäre viel sinnvoller, die klinische Forschung an allen Primaten zu verbieten, wenn sie mit Leiden verbunden ist."

ETH-Versuch mit Krallenäffchen

Die Kommissionen nahmen die Depressionsforschung mit Krallenäffchen an der ETH Zürich zum Anlass für ihren Bericht "Forschen an Primaten - eine ethische Bewertung". Wie Regula Vogel, Präsidentin der Tierversuchskommission, sagte, wird der Versuch nach heutiger Sicht als unzumutbar beurteilt.

Das Heilungsziel für Depressionen sei zwar gewichtig. Der Wert des Versuchs für dieses Ziel werde aber bezweifelt. Depressionen hätten viele Auslöser, nicht nur den durch die Trennung von der Mutter ausgelösten Stress.

Bei den Versuchen der ETH im Labor für Verhaltens-Neurobiologie in Schwerzenbach wurde untersucht, wie sich die Trennung von Affenbabys von ihren Müttern auf die Kleinen auswirkt.

Ziel des Versuchs war es, die neurobiologischen Zusammenhänge bei der Entstehung von Depressionen, namentlich den Einfluss von frühkindlichem Stress, besser verstehen zu lernen.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Das geltende Tierschutz-Gesetz sieht vor, dass Experimente, die Schmerzen oder Schäden verursachen können, die Tiere in Angst versetzen, ihr Gesamtbefinden merkbar stören oder ihre Würde verletzen, aufs Allernotwendigste beschränkt werden sollen.

Obwohl es im Moment keine Untersuchungen zur Situation der grossen Primaten in der Schweiz gibt, wollen die Experten im Gesetz ein Verbot einführen.

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Fakten

Die DNA-Struktur der grossen Primaten entspricht zu 96% der menschlichen.
In der Schweiz werden jährlich 500'000 Tiere zu Versuchszwecken gebraucht, 1983 waren es fast 2 Mio.
2004 waren 90% der bei Versuchen in der Schweiz verwendeten Tiere Nager, daneben Fische, Kaninchen, Geflügel und Amphibien.
424 Tierversuche wurden mit Primaten angestellt, zwei Drittel davon in der Industrie, ein Drittel in Universitäten, ETH und Spitälern.

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