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Neue Eigentümer bekannt

Das Rätsel um die unbekannte Investorengruppe ist zu vier Fünftel gelüftet. Keystone

Die neuen Eigentümer der Jean Frey AG sind bekannt. Mit einer Beteiligung von 25 Prozent ist der Anwalt und Financier Tito Tettamanti der grösste Aktionär.

Dieser Inhalt wurde am 28. März 2002 - 18:14 publiziert

Zwei Gründe haben Tito Tettamanti dazu veranlasst, bei der Jean Frey Gruppe einzusteigen. "Ich bin Geschäftsmann, aber auch ein politisch interessierter Bürger."

Tettamanti, der zwischen Februar 1959 und Juli 1960 für die CVP in der Tessiner Kantonsregierung sass, bezeichnet sich als liberal. "Ich finde es wichtig, dass es in einer Demokratie möglichst viele unabhängige Medien gibt. Deshalb ist es gut, dass der Jean Frey Verlag nicht von einem anderen grossen Medienunternehmen aufgekauft worden ist."

Zweitgrösste Aktionärin ist mit einer Beteiligung von 10 Prozent die Crossmedia AG in Luzern, hinter welcher der Verleger Heinz Wermelinger steht.

Weitere Aktionäre mit maximal 5 Prozent sind der Berner Verleger Charles von Graffenried, Hans Kaufmann (Wettswil), Ralph Klingler (Flawil), Pierre Mirabaud (Founex), Jörg Rappold (Küsnacht), Elisabeth Schulz (Wien), Aleardo Buzzi und Heinrich Sundermeyer (beide Monte Carlo), Peter Weigelt (Mörschwil), Alfred Wiederkehr (Zürich), die Altamira Holding in Zug sowie 34 Organe und Mitarbeiter der Jean Frey Gruppe.

Mit dem Zürcher SVP-Nationalrat Hans Kaufmann und dem St. Galler FDP-Nationalrat Peter Weigelt gehören damit auch Politiker zu den Aktionären.

Die Eigentümer der übrigen 20 Prozent der Aktien wollen gemäss der Medienmitteilung der Swissfirst Bank AG vom Donnerstag nicht genannt werden. Keiner dieser Investoren halte jedoch eine namhafte Position.

Kapitalerhöhung um 25 Millionen

Gemäss Swissfirst wurde auf Ende März die Platzierung der 2'000'000 Aktien der Jean Frey AG erfolgreich abgeschlossen. Mit der damit verbundenen Kapitalerhöhung von brutto 25 Mio. Franken werde sichergestellt, dass für den Verlag und für den Relaunch genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Jean Frey gibt unter anderem den "Beobachter", die "Bilanz" und die "Weltwoche" heraus. Am Mittwoch hatten der Chefredaktor des "Beobachters", Ivo Bachmann, sowie sein Stellvertreter Philippe Ruedin wegen Differenzen um die neue Besitzerstruktur die Kündigung eingereicht. Vorübergehend übernimmt Jean Frey-CEO Filippo Leutenegger die redaktionelle Verantwortung für die Ratgeber-Zeitschrift.

In Leutenegger hat Hauptaktionär Tito Tettamanti grosses Vertrauen. Die beiden kennen sich seit Jahren. "Er ist der Richtige für den Job des CEO der Jean Frey Gruppe", sagt Tettamanti.

Für Leutenegger ist mit der breiten Streuung der Jean Frey-Aktien ein Ziel erreicht: "Die beste Voraussetzung zur Wahrung der Unabhängigkeit der Redaktionen ist eine breite Streuung des Aktionariats."

Kritische Reaktionen

Scharfe Kritik kommt von seiten der Medienschaffenden. "Dies ist ein schwarzer Tag für uns", sagt Alberto Cotti, Co-Präsident des Schweizer Verbands der Journalistinnen und Journalisten (SVJ). Cotti befürchtet, dass die Unabhängigkeit der Jean Frey AG nicht gewährleistet ist.

"Wenn der Berner Verleger Charles von Graffenried richtungsweisend wäre für die neue Ausrichtung der Jean Frey AG, wäre ich beruhigt", sagte Medienwissenschaftler Roger Blum. Noch lasse sich aber aus dem bekannt gegebenen Aktionariat kein neuer Verlagskurs ableiten.

Da es sich auch um mehrere branchenfremde Aktionäre handelt, hofft Serge Gnos, Zentralsekretär Presse der comedia, dass die Investoren den Titeln Zeit geben, um sich erholen zu können. Gefährlich werde es, wenn die betroffenen Titel zu Objekten von Finanzspekulationen würden.

swissinfo und Agenturen

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