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Neue Ermittlungen gegen Josef Ackermann

Dem Schweizer Starbanker Josef Ackermann bläst in Deutschland ein scharfer juristischer Wind ins Gesicht.

Dieser Inhalt wurde am 11. Oktober 2003 - 17:21 publiziert

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt nach der Anklage im Fall Mannesmann nun wegen neuer Vorwürfe gegen den Chef der Deutschen Bank.

Beim Verkauf des ehemals zur Deutschen Bank gehörenden Lebensversicherers Deutscher Herold an die Zurich Financial Services (ZFS) im April 2002 soll es zu Ungereimtheiten gekommen sein.

Der für Wirtschaftssachen zuständige Staatsanwalt Bernhard Englisch sagte am Samstag, aufgrund einer privaten Anzeige ermittle die Behörde wegen des Vorwurfs des Betrugs und der Untreue gegen Ackermann und seinen Vorgänger Rolf Breuer. Er bestätigte damit einen Vorab-Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Die Grundlage für das Verfahren sei aber sehr "vage", erklärte der Staatsanwalt später. Das Verfahren sei im "Frühstadium", noch sei nicht klar, ob Ackermann der richtige Adressat sei.

In der Schweiz sei in der gleichen Angelegenheit Anzeige gegen einen ranghohen Manager der Zurich Financial Services (ZFS) erstattet worden, sagte ein weiterer Staatsanwalt. Ob in der Schweiz eine entsprechende Untersuchung eingeleitet worden ist, konnte am Samstag nicht in Erfahrung gebracht werden.

Bei der ZFS weiss man von einer solchen Anzeige nichts. "Aus unserer Sicht gibt es auch keine Anhaltspunkte, die ein Verfahren rechtfertigen würden", sagte Konzernsprecher Daniel Hofmann gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Deutsche Bank weist Vorwürfe zurück

Ein Sprecher der Deutschen Bank wies die Vorwürfe zurück. "Aus unserer Sicht ist da nichts dran. Die Vorwürfe sind unhaltbar", sagte er.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf wird in der Anzeige der Vorwurf erhoben, dass es bei dem Verkauf des Lebensversicherers Deutscher Herold an die ZFS in zwei Punkten zu Ungereimtheiten gekommen sei.

Ein Vorwurf laute, dass sich im Zuge des Verkaufs die Besitzverhältnisse geändert hätten, wodurch die Versicherten eine Wertminderung ihrer Lebensversicherung erlitten hätten. Ackermann soll der Anzeige zufolge die Versicherungsnehmer im Unklaren über diese Wertminderung gelassen haben.

Die Vorwürfe



"Diesen Punkt halten wir allerdings für relativ abseitig, auch wenn er nicht völlig ausgeschlossen werden kann", sagte Englisch. Es sei auch noch völlig offen, ob die im Anfangsstadium befindlichen Ermittlungen namentlich gegen die beiden Spitzen-Banker berechtigt seien. "Ob dieser Personenkreis überhaupt in Frage kommt, müssen die Ermittlungen erst noch zeigen."

"Ein weiterer Vorwurf lautet, die Zürich Financial Services habe sich bei der Transaktion sachwidrig mit Vermögenswerten des Deutschen Herold abgesichert", sagte Englisch. Ob hierbei auch Ackermann und Breuer der Vorwurf der Untreue und des Betruges gemacht werden könne, sei noch ungewiss.

Fall Mannesmann



Ackermann muss sich zurzeit neben anderen ehemaligen Aufsichtsräten des Mannesmann-Konzerns unter anderem wegen des Verdachts der schweren Untreue verantworten. Die Beschuldigten sollen durch die Genehmigung angeblich überhöhter Abfindungszahlungen und Boni an frühere Mannesmann-Manager dem Unternehmen schwer geschadet haben.

Mannesmann war Anfang 2000 nach einer spektakulären Übernahmeschlacht vom britischen Mobilfunkkonzern Vodafone gekauft worden. Ackermann hat die Vorwürfe gegen ihn mehrfach zurückgewiesen.

swissinfo und Agenturen

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