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Neue OECD-Studie Schüler ausländischer Herkunft: mehr Mühe, aber motivierter

Sie machen in Europa einen Viertel aller Schüler aus: Wie schlagen sich Schülerinnen und Schüler mit ausländischem Hintergrund? Sie haben mehr Mühe als die anderen – und das besonders in der Schweiz. Doch sie sind auch motivierter, ihre Ziele zu erreichen. Das zeigt eine neue Studie.

Classe multiculturelle

Wie fühlt sich der neue Schüler aus Syrien inmitten einer Klasse von Jugendlichen aus Zürich, darunter Tamilen, Portugiesen und Amerikaner? Die OECD-Studie versucht, diese unterschiedlichen Realitäten in Zahlen zu fassen.

(Elisabeth Real/Keystone)

Die Vielfalt stellt die Schulen vor eine Herausforderung, bietet aber auch eine Chance. Denn "die Vielfalt stand immer im Zentrum des menschlichen Fortschritts", wie die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der Einführung einer neuen Studieexterner Link schreiben.

Ausgehend von Daten der Pisa-Studie von 2015externer Link über die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in rund 70 Ländern, haben die Autoren die Fähigkeiten von jenen mit ausländischem Hintergrund genauer unter die Lupe genommen.

Diese lassen sich nicht nur aus den wissenschaftlichen Ergebnissen in Zahlen fassen. In Betracht gezogen wurden auch das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Schule, die Angst vor Hausaufgaben, deren Erfolgsmotivation und Lebenszufriedenheit im Allgemeinen. Die Daten decken praktisch ganz Europa ab, den Nahen Osten, Asien, die beiden Amerika und Ozeanien – aber nicht Afrika, mit Ausnahme von Algerien und Tunesien.

Die Migration verändert Gesellschaften grundlegend, und damit auch die Schulen. 2015 war einer von vier Schülern im Alter von 15 Jahren in einem anderen Land geboren worden, oder zumindest ein Elternteil. In der Schweiz und in Luxemburg gehörte sogar mehr als einer von zwei Schülern dieser Gruppe an.

Zehn Punkte Rückstand

Generell gesehen sind Schülerinnen und Schüler mit ausländischem Hintergrund – besonders jene der ersten Generation – weniger gut in der Schule und fühlen sich dort auch weniger wohl als ihre einheimischen Mitschüler. Sie weisen über alle gemessenen Kriterien hinweg einen Rückstand von mehr oder weniger zehn Prozentpunkten auf.

Die Autoren erklären dies mit zwei Hauptfaktoren: die Sprachbarriere und sozioökonomische Nachteile (Eingewanderte, besonders die zuletzt Angekommenen, sind oft arm und noch nicht gut integriert).

Die Schweiz findet sich unter einem Dutzend Ländern, in denen die Resultate generell am schlechtesten sind, zusammen unter anderen mit Österreich, Belgien, Deutschland, Japan und Luxemburg.

Den Schweizer Durchschnitt zieht besonders die Angst vor Hausaufgaben nach unten. Wenn man nur die reinen Schulnoten betrachtet, liegt die Punktzahl für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund deutlich höher.

Die Studie führt diese Resultate auf mehrere Faktoren zurück, darunter "die Selektivität der Einwanderungspolitik, die allgemeine Qualität des Bildungssystems und die Sprache, in der die Stunden angeboten werden".

Betreffend Sprachen lobt die Studie das Zürcher Programm "Qualität in multikulturellen Schulen", das in jenen Kantonsschulen obligatorisch ist, wo 40% oder mehr Schülerinnen und Schüler mehrsprachig sind. Dort werden die Lehrpläne angepasst, die Schüler erhalten Deutsch-Intensivkurse, aber ihre Sprache und Kultur werden ebenfalls gefördert und geschätzt, in einem Rahmen des gegenseitigen Respekts.

Sehr motiviert

Schliesslich fanden die Forscher auch heraus, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund "mehr" wollen, als die anderen, und das praktisch in allen untersuchten Ländern. Der Aussage "Ich will der Beste/die Beste sein, was ich auch dafür machen muss" stimmte fast die Hälfte der Jugendlichen ausländischer Herkunft zu, 10% mehr als unter den Einheimischen.


(Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

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