Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Neue Plattform für die Geschichts-Wissenschaft

Geschichtliche Umbrüche - wie den Fall der Berliner Mauer - sind Hauptthema in Bern.

(Keystone)

Mehr als 500 Historiker und Geschichtsinteressierte aus dem In- und Ausland werden vom 15. bis 17. März in Bern an den 1. Schweizerischen Geschichtstagen teilnehmen.

Der Grossanlass widmet sich dem Thema "Zeiten des Umbruchs". Organisatorin ist die Schweizerische Gesellschaft für Geschichte (SGG) zusammen mit dem Historischen Institut der Universität Bern.

"Von Umbrüchen sprechen wir dann, wenn das Bewährte oder Gewohnte zu Ende geht und eine neue Epoche beginnt", sagt die Historikerin und Mitinitiantin der 1. Schweizerischen Geschichtstage, Catherine Bosshart-Pfluger, gegenüber swissinfo.

So beschäftigen sich die Geschichtstage mit tatsächlichen oder vermeintlichen Erfahrungen der globalen Umbruchprozesse und fragen nach den Ursachen für einen beschleunigten Wandel in der Gegenwart.

"In Zeiten des Umbruchs durchleben Menschen oft abrupte Veränderungen, die nicht selten mit dramatischen Ereignissen einhergehen", erklärt Bosshart-Pfluger.

Von Apokalypse bis Gender

Dabei geht es um die historische Dimension. "Zeiten des Umbruches" gibt und gab es immer wieder.

Deshalb finden sich in den zahlreichen Panel-Referaten Themen wie "Die Zeit der Apokalypse im 20. Jahrhundert". Gemeint sind die Jahre seit der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, als Europa unter dem Zeichen einer breitgefassten "Krise" stand. Oder "Die ewige Eidgenossenschaft. (Wie) Ist im 21. Jahrhundert Nationalgeschichte noch schreibbar?"

Eher überraschend dann der Ansatz "Zeiten des Umbruchs – Krise der Männlichkeit?" Wo liegt da die gesellschaftliche Relevanz?

"Die liegt darin, dass die Männerforschung seit etwa 15 Jahren ein mehr oder weniger selbstverständlicher Teilbereich der (historischen) Geschlechterforschung ist", sagt Catherine Bosshart–Pfluger. Stichwort Gender: Der Begriff umfasst den biologischen, sozialen und psychologischen Aspekt der Geschlechtszugehörigkeit.

In insgesamt über 40 Panels werden in zweieinhalb Tagen um die 60 Referierende an der Universität Bern sprechen. Ein wahres Mammutprogramm. Angemeldet haben sich bis zur Stunde rund 500 Historiker aus der Schweiz, Deutschland, Holland, Polen, England, Österreich, den USA und anderen Ländern.

Imagepflege

Geschichtstage gibt es etwa in Deutschland, wo im Oktober 2006 in Konstanz am Bodensee der bereits 46. Deutsche Historikertag begangen wurde – übrigens mit einer Schweizer Gastsektion der SGG - oder in den USA seit vielen Jahren.

Die Ausgabe Nummer 1 in Bern ist, so Bosshart–Pfluger, auch eine Art Imagepflege-Veranstaltung. Aber nicht nur. "Seit der Reform der SGG wollen wir auch die jungen Forscherinnen und Forscher vermehrt einbeziehen."

Zudem soll der Geschichtstag ein einheitlicheres Auftreten der Schweizer Historiker ermöglichen. Das sei wichtig im "Kampf" um die Forschungsgelder in der Schweiz.

Auch sei es noch heute schwierig, die Historiker der diversen Epochen (Altertum, Mittelalter, Neuzeit und Neuste Zeit) miteinander zu vernetzen. So gesehen werde versucht, mit dem 1. Schweizerischen Geschichtstag diversen Forderungen und Wünschen gerecht zu werden.

Als Höhepunkt der Tagung werden die drei renommierten Historikerinnen und Historiker Sheila Fitzpatrick, sie ist Professorin für Moderne Russische Geschichte an der Universität von Chicago und wird zum Thema "Ende der Russischen Revolution" sprechen, Françoise Thébaud (Avignon) und Wolfgang Reinhard (Freiburg i. Br.) referieren. Sie werden Vorträge zu Brüchen und Kontinuitäten in der Vergangenheit und ihren Auswirkungen auf die heutige Zeit halten.

Professur für Zeitgeschichte

Gemäss Urs Würgler, Rektor der Universität Bern, ist es eine Ehre für Bern, erste Gastgeberin der Schweizerischen Geschichtstage zu sein.

Die Schaffung einer Schweizer Plattform für historische Debatten sei nach Durchführung der 121. Jahrestagung der "American Historical Associaton" und dem 46. Deutschen Historikertag ein Gebot der Zeit.

Weil die Geschichtswissenschaft auch an der Universität Bern eine bedeutende Rolle spiele, habe sich die Universitätsleitung auch für die Schaffung einer neuen Professur für Zeitgeschichte und für den Erhalt der bestehenden Professur für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte eingesetzt.

swissinfo, Urs Maurer

Fakten

Die 1. Schweizerischen Geschichtstage finden am 15., 16. und 17. März im Hauptgebäude der Universität Bern an der Hochschulstrasse 4 statt.

Die Universität Bern zählt rund 12'000 Studierende, rund 1200 davon studieren Geschichte.

Der Tageseintritt kostet 50 Franken.

Infobox Ende

Schweizerische Geschichtstage

Sie sind Auftakt für weitere Geschichtstage, die regelmässig alle zwei bis drei Jahre an wechselnden Historischen Instituten der Schweiz stattfinden sollen.

Ziel der Geschichtstage ist die Förderung des Gesprächs unter den Historikern und Historikerinnen der Schweiz und des Auslandes.

Angesprochen werden nicht nur Fachhistorikerinnen und Fachhistoriker, sondern ebenso Geschichtslehrerinnen, Geschichtslehrer und Studierende aus der Schweiz und dem Ausland.

Neben dem wissenschaftlichen Austausch innerhalb des Fachs sollen die Geschichtstage einer interessierten Öffentlichkeit, den Medien und den politischen und wissenschaftspolitischen Instanzen neuste historische Forschungen näher bringen.

Daneben soll die Bedeutung historischer Konzepte für gegenwärtige Entwicklungen aufgezeigt werden.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×