Neue Schweizer Airline braucht Milliarden

Die neue Schweizer Airline aus Crossair und Swissair wird teuer. swissinfo.ch

Der Aufbau der neuen Schweizer Airline ist mit einem Kapitalbedarf von mehreren Milliarden Franken verbunden. Dies machte die Grossbank UBS am Mittwoch deutlich. Genaue Zahlen liegen weder bei der Crossair noch bei der Task Force des Bundes vor.

Dieser Inhalt wurde am 10. Oktober 2001 - 18:59 publiziert

Während in den vergangenen Tagen die Fortsetzung des reduzierten Flugbetriebs der Swissair bis zum 28. Oktober im Mittelpunkt der Bemühungen und des öffentlichen Interesses stand, lenkte die UBS das Augenmerk am Mittwoch auf den riesigen Kapitalbedarf der neuen geplanten Fluggesellschaft.

In einem Update für die Stakeholder der SAirGroup schreibt die Grossbank, zur Verwirklichung des mittelfristigen Businessplans der neuen Airline sei ein Vielfaches des Betrages des vorgeschlagenen Rettungsplans nötig. Dieses von UBS und Credit Suisse Group (CSG) bereitgestellte Paket umfasste ursprünglich 1,35 Mrd. Franken und ist inzwischen auf 1,5 Mrd. Franken aufgestockt worden.

Die Zeitung "Blick" bezifferte unter Berufung auf einen Crossair-Verwaltungsrat den Kapitalbedarf auf 4 Mrd. Franken. In einem ersten Schritt gehe es darum, das Kapital der Crossair sofort von 328 Mio. auf 1,5 Mrd. Franken aufzustocken.

Crossair: Kapitalbedarf steht noch nicht fest

Crossair-Sprecher Andreas Schwander erklärte, der Kapitalbedarf der neuen Airline stehe noch nicht fest. Man arbeite zurzeit auf Hochtouren am Businessplan. Der Kapitalbedarf hänge unter anderem davon ab, welche Destinationen mit welchen Flugzeugen bedient würden. Die Übernahme von zwei Dritteln der Swissair-Flotte sei das Ziel. Versprechungen habe die Crossair-Führung aber nie gemacht.

Im Falle der Langstreckenflüge, die in der Regel ein halbes Jahr im Voraus gebucht werden, stelle sich auch die Frage der Auslastung. Der Crossair-Sprecher erinnerte weiter an das Problem der bereits bezahlten Swissair-Tickets für die Zeit nach dem 28. Oktober.

Möglichst breite Beteiligung

Die UBS ihrerseits machte darauf aufmerksam, dass die Grossbanken von Anfang an die breitest mögliche Beteiligung sowohl an der Kapitalerhöhung wie auch an der Finanzierung der neuen Fluggesellschaft angestrebt hätten. Deshalb seien Leasing-Gesellschaften, Institutionen, Industrie-Firmen und individuelle Investoren eingeladen worden. Auch die Mitarbeitenden sollten sich direkt beteiligen können.

Noch einmal erneuerte die UBS die Einladung an Bund und Kantone, sich zu 30% an der neuen Fluggesellschaft zu beteiligen.

Warnung vor Spekulationen

Die UBS gab sich am Mittwoch auch über den starken Kursanstieg der Crossair-Aktie in den vergangenen Tagen besorgt. Die Kurssteigerung dürfte auf einen Mangel an Information über den Kapitalbedarf und das Geschäftsrisiko der neuen Fluggesellschaft beruhen, hiess es auf Seiten der Grossbank.

UBS und Credit Suisse Group waren in den letzten Tagen unter starken Druck geraten. Ihnen war unter anderen vorgeworfen worden, sie hätten die Crossair zu einem Spottpreis erworben. Einzelne vermuteten gar eine Gläubigerbegünstigung.

Am 28. September hatte die Crossair-Aktie 280 Franken gekostet. Nach der Bekanntgabe der Übernahme der Crossair-Mehrheit durch die Banken war der Titel bis auf ein Jahreshöchst am 4. Oktober von 595 Franken geklettert. Am Mittwochmittag lag der Aktienkurs aber wieder bei 278 Franken.

Bund: Keine Beteiligung vorgesehen

Auf den grossen Kapitalbedarf und die Frage einer staatlichen Beteiligung angesprochen, erinnerte der Kommunikations-Chef des Schweizer Finanzministeriums, Daniel Eckmann, daran, der Bundesrat habe an seiner letzten Sitzung beschlossen, keine Beteiligung vorzusehen. Finanzminister Kaspar Villiger habe im Parlament deutlich gemacht, in einem marktwirtschaftlich orientierten Land könne es nicht Sache des Staates sein, eine Airline zu managen. Diese Aufgabe müsse vielmehr von der Privatwirtschaft wahrgenommen werden.

Eckmann gab weiter bekannt, dass das Mandat des Bundesrats an die Task Force auch den Auftrag umfasse, die Voraussetzungen für eine nachhaltig rentable Fluggesellschaft transparent zu machen. Dies deshalb, damit die Wirtschaft und - im Hinblick auf die Sondersession des Parlaments im November - auch die Politik die Lage konkret beurteilen könnten. Noch liegt dieses Zahlen- und Datenmaterial aber nicht vor, weil es ganz entscheidend vom neuen Businessplan von Crossair-Chef André Dose abhängt.

Die Frage einer Staatsbeteiligung an der neuen Fluggesellschaft ist auch von politischer Seite in den vergangenen Tagen verschiedentlich neu aufgeworfen worden. Das letzte Wort bezüglich der neuen Gesellschaft scheint somit noch nicht gesprochen zu sein, zumal der Bundesrat bei den gescheiterten Rekapitalisierungs-Plänen für die alte Swissair seine Bereitschaft zu einer subsidiären Beteiligung signalisiert hatte.

Die Bundesratsparteien wollen sich am kommenden Freitag zu Vorbereitungs-Gesprächen für die Swissair-Sondersession vom November treffen. In den durch die SP organisierten Gesprächen soll auch die Frage nach Investitionen des Bundes zur Sprache kommen. Unsicher war zunächst, ob auch die SVP teilnehmen wird.

swissinfo und Agenturen

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