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Neue Wege in der Mediziner-Ausbildung

Die Ausbildung der Ärzte wird neu ausgerichtet.

(Keystone)

Die Ausbildung junger Ärzte soll grundlegend reformiert werden. Die Schweiz will sich damit dem europäischen Ausland anpassen und zugleich die Zahl der Mediziner reduzieren.

Fachleute streiten sich allerdings, ob die Schweiz zu viel oder zu wenig Ärzte ausbildet.

Herrscht nun in der Schweiz eine Ärzteschwemme, wie dies die Politik behauptet? Oder droht im Gegenteil ein dramatischer Ärztemangel, wie dies die Ärzteverbände sagen?

Tatsache ist, dass die Schweiz punkto Ärztedichte weltweit ganz vorne liegt. Tatsache ist aber auch, dass in den Schweizer Spitälern mehr als 30 Prozent ausländische Ärzte arbeiten, ohne die die Spitäler in arge Versorgungsnöte kämen.

Der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärzt (VSAO) warnt sogar vor einem sich zuspitzenden Ärzte-Mangel. Zahlreiche Spitäler hätten mittlerweile Mühe, ihre ärztlichen Stellen zu besetzen. Nur mit Verstärkung aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, könnten die Kliniken noch funktionieren.

Bereits stammen 30-40% der Spitalärzte aus dem Ausland, in der Psychiatrie beträgt der Anteil bis zu 80%. Die Dekanate der medizinischen Fakultäten rechnen damit, dass diese Zahlen weiter steigen werden.

Die Verteilung ist falsch

Die Politik reagiert auf solche Klagen gereizt. Zu oft schien der Blick der Ärzte allein auf ihre eigenen, wirtschaftlichen Interessen gerichtet zu sein, und zu selten wurden Missstände und Bereicherungen von den verbandseigenen Aufsichtsorganen aufgedeckt und an den Pranger gestellt.

In zwei Punkten immerhin sind sich beide Seiten einig: In den Spitälern herrscht heute Mangel, in der freien Praxis dagegen gibt es genügend Spezialisten – besonders in der Stadt.

Die Spitalarbeit soll deshalb aufgewertet und der neue Status des Spitalarztes gefördert werden. Spitalärzte sind fest angestellte Ärzte mit geregelter Arbeitszeit, die auch Teilzeit arbeiten könnten.

Zum anderen soll Ausbildung und Arbeit des Hausarztes aufgewertet und die Praxiseröffnung in ländlichen Gebieten attraktiver gemacht werden. Konkrete Vorschläge jedoch liegen keine vor.

Europäisches Studien-Modell

Eine Chance, diese Zielsetzungen tatsächlich umzusetzen, böte die anstehende Studien-Reform.

40 Staaten, darunter die Schweiz, haben sich in der Bologna-Deklaration zum Ziel gesetzt, die europäischen Hochschulen zu harmonisieren und damit eine höhere Mobilität der Studierenden zu erreichen.

Die Studienabschlüsse sollen zudem an die international anerkannten Bezeichnungen angepasst werden: Der Bachelor als Erst- und der Master (heute Lizenziat oder Staatsexamen) als Zweitabschluss.

Mit all diesen Änderungen soll Europa bis 2010 als Bildungsstandort gegenüber den USA konkurrenzfähig werden.

Pharmaforscher statt Chirurg

Auch das Medizinstudium soll diesem Bologna-Modell angepasst werden. Es wird nicht mehr mit dem Staatsexamen abgeschlossen, sondern führt neu über das Grundstudium, den Bachelor (3 Jahre), zum international anerkannten Master (2-3 Jahre), was dem heutigen Staatsexamen entspricht. Der bisherige Doktortitel soll durch einen forschungsorientierten Doktorgrad (3 Jahre) abgelöst werden.

Im Laufe des Bachelor-Studiums können Optionen gewählt werden, in welche Richtung das weitergehende Studium gehen soll. Das Studium ist damit nicht mehr allein auf den Arztberuf ausgerichtet, sondern kann auch auf die Arbeit in der Pharmaforschung hinführen.

Im zweiten Teil des Studiums sollen praktische Fähigkeiten wie Patientengespräch oder wirtschaftliche Behandlungsmöglichkeiten noch mehr Gewicht erhalten als bisher. Gefordert wird dies allerdings schon lange – geändert hat sich bisher wenig.

Ein Machtwort aus Bern

Bundesrat Pascal Couchepin will derweil nicht auf die möglichen Auswirkungen der Reform warten. Bereits 2002 erliess er in einem ersten Schritt einen dreijährigen Zulassungsstopp für Jungärzte.

Diese umstrittene Massnahme war nicht zuletzt eine Abwehrmassnahme gegen den erwarteten Zustrom deutscher Mediziner, die mit der neuen Personenfreizügigkeit seit 2002 auch in der Schweiz eine Praxis eröffnen können.

Der Zulassungsstopp soll 2005 ersetzt werden durch die Einführung der so genannten Vertragsfreiheit zwischen Krankenkassen und Ärzten.

Der Bund soll für die Ärztezahlen Mindest- und Höchstgrenze festlegen. Den Kantonen obliegt es dann, innerhalb dieser Brandbreite pro Spezialität eine Mindestzahl von Ärzten festzulegen, beispielsweise 6 Spezialärzte pro 1000 Einwohner. Die Krankenkassen schliesslich müssen mit mindestens so vielen Medizinern Verträge abschliessen.

Der Bundesrat erhofft sich damit eine bessere Verteilung zwischen Stadt und Land und zugleich eine Sanktionsmöglichkeit gegenüber "Schwarzen Schafen", die zu teuer oder qualitativ ungenügend arbeiten.

Unklar ist allerdings, welche Kriterien bei dieser Auswahl gelten sollen. Haben alteingesessene Ärzte mehr Anrecht auf einen Vertrag als Neueinsteiger? Und wer entscheidet, welche Jungärzte eine Praxis eröffnen dürfen und welche nicht? Die Kassen, die Kantone, oder das Los?

swissinfo, Katrin Holenstein

In Kürze

Die Bologna-Reform, der sich bisher vierzig Staaten angeschlossen haben, will die Ausbildungsgänge an den Universitäten Europas harmonisieren, um einen grossen Bildungsraum zu schaffen.

Zudem soll die "Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Hochschulsystems"im Hinblick auf die US-Elitehochschulen verbessert werden.

Statt das Diplom, Lizenziat oder Staatsexamen zu erwerben, gelangt man neu nach drei Jahren zum Bachelor-Diplom und nach zwei weiteren Jahren zum Master.

Die Umsetzung fällt in den Autonomiebereich der einzelnen Hochschulen. Bis Ende 2005 müssen die Schweizer Universitäten die Neustrukturierung ihrer Studiengänge geregelt haben.

Gesamteuropäisch soll die Bologna-Reform 2010 abgeschlossen sein.

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