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Neuer GM-Chef gibt sich bei Opel versöhnlich (Zus.)

Dieser Inhalt wurde am 08. Dezember 2009 - 20:40 publiziert

RÜSSELSHEIM (awp international) - Bei der Sanierung von Opel signalisiert die neue Spitze der US-Mutter General Motors (GM) ihr Entgegenkommen. GM-Chef Ed Whitacre habe bei einem Treffen mit dem Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz am Montag in Detroit betont, dass GM "keine Konflikte mit Arbeitnehmervertretungen und Regierungen" wolle, teilte der Betriebsrat am Dienstag in Rüsselsheim mit. Whitacre selbst sprach am Abend in einem Chat davon, dass das Treffen sehr gut verlaufen sei. Es habe "in vielen Bereichen Übereinstimmungen" gegeben und nur "in sehr wenigen Bereichen Meinungsverschiedenheiten".
"Ich glaube, dass die Zukunft in Europa grossartig aussieht", schrieb Whitacre. Zu den Details des Treffens äusserte er sich nicht. Laut Opel-Betriebsrat ist es in den Gesprächen unter anderem um den weltweiten Vertrieb von Opel- und Vauxhall-Autos gegangen, aber auch um Alternativen für das von der Schliessung bedrohte Werk Antwerpen oder die Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft. "Die Signale sind sehr ermutigend und würden eine völlig andere Vorgehensweise von GM als bisher darstellen", beschrieb Franz die Reaktion Whitacres auf seine Forderungen.
MITARBEITER WÜNSCHEN SICH EIGENSTÄNDIGE OPEL
Die Arbeitnehmer verlangen eine unabhängige Adam Opel AG "ohne einen weiteren europäischen GM-Überbau, der das Risiko des Geldabflusses ausserhalb von Europa mit sich bringen und damit Staatsbürgschaften unmöglich machen würde". Die Restrukturierung der Europatochter kostet nach GM-Angaben rund 3,3 Milliarden Euro. Davon sollen die europäischen Opel-Standortländer 2,7 Milliarden Euro aufbringen, die Belegschaft soll sich über einen Lohnverzicht von jährlich 265 Millionen Euro an der Sanierung beteiligen. Im Gegenzug verlangt der Betriebsrat etwa eine Mitarbeiterkapitalbeteiligung und den Ausbau der Mitbestimmungsrechte. Was mit Opel passiert, wenn die Hilfsgelder nicht fliessen, liess GM-Chef Whitacre im Chat unbeantwortet.
Whitacre habe zugesagt, den Sanierungsplan für eine erfolgreiche Zukunft von Opel und Vauxhall gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern auszuarbeiten, hiess es in der Mitteilung. Der von der US-Regierung eingesetzte Whitacre, der auch dem GM- Verwaltungsrat vorsitzt, habe die grosse Bedeutung der europäischen Marke und des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim erkannt. "Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, ob den Worten Taten folgen", sagte Franz.
Opel-Chef Nick Reilly will den Sanierungsplan bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres vorlegen. Er hatte der Belegschaft vergangene Woche in Aussicht gestellt, dass alle Forderungen des Betriebsrates Teil des Vertragsabschlusses sein könnten. Im Zuge der Sanierung stehen bei der deutschen Tochter Opel und ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall um die 8.000 der 48.000 Stellen auf der Kippe. Konzernchef Whitacre versicherte, dass es "keine Pläne für neue Einschnitte" gebe.
WHITACRE MACHT MANAGEMENT DAMPF
Dem obersten Management macht Whitacre dagegen Dampf. Die neuen Führungskräfte hätten nur wenig Zeit, Resultate zu liefern, schrieb Whitacre im Chat. Er hatte erst in der vergangenen Woche den bisherigen Konzernchef Fritz Henderson nach acht Monaten an der Konzernspitze abgelöst und im Anschluss weitere Teile der Führungsmannschaft ausgetauscht.
Die US-Regierung hatte Whitacre als Chefkontrolleur bei GM eingesetzt. Der Konzern hatte sich mit einer verfehlten Modellpolitik ins Abseits manövriert und musste Insolvenz anmelden. Nur mit milliardenschwerer Hilfe der US-Regierung gelang die Rettung, dafür ist der Staat nun grösster Anteilseigner.
NEUER FINANZCHEF GESUCHT
Whitacre will jedoch nur übergangsweise GM selbst steuern. Die Suche nach einem endgültigen Konzernchef ist auf mehrere Monate angesetzt. Auch für Finanzchef Ray Young sucht Whitacre eine Ablösung. "Wir haben schon einen sehr guten Kandidaten", sagte der starke Mann bei GM. Bis zur Verkündung könne es aber noch zwei bis drei Wochen dauern.
Einer der Wagen, die General Motors wieder hochbringen sollen, ist der Chevrolet Volt. Das Auto wird allein von einem Elektromotor angetrieben und soll ab Ende 2010 auf Amerikas Strassen rollen. Opel bringt seine Variante namens Ampera ein Jahr später an den Start. Der Aufbau der Produktion in den USA kostet GM rund 700 Millionen Dollar, die Hälfte davon fliesst in die Endmontage in Detroit./das/hs/she

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