Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

WASHINGTON (awp international) - Die Serie der Rückschläge im Kampf gegen die Ölpest reisst für BP nicht ab. Wie schon häufiger seit Beginn der Umweltkatastrophe vor knapp drei Monaten musste der britische Konzern einen Anlauf verschieben, die ausser Kontrolle geratene Ölquelle in den Griff zu bekommen. Ein kritischer Belastungstest für eine neue Abdichtung über dem Leck sei kurzfristig gestoppt worden, sagte BP- Manager Kent Wells am Mittwoch.
"Diese Prüfung ist so wichtig, dass wir uns weitere 24 Stunden für die Vorbereitung genommen haben." Er sei enttäuscht über die neue Verzögerung. Wann der Test beginnen wird, liess er offen.
Die Installation des neuen Deckels hat die grosse Hoffnung ausgelöst, dass endlich ein Ende des Dramas am Golf in Sicht sein könnte. Funktioniert dieses Ventilsystem auf der Öffnung der Quelle in 1500 Meter Tiefe, liesse sich der Ölfluss komplett stoppen - und BP könnte sich ganz auf die Reinigungsarbeiten auf dem Meer und an der Küste konzentrieren. Doch der technische Weg dahin ist kompliziert: Eine Reihe von Messungen müsse zeigen, ob der Deckel seinen Zweck überhaupt erfüllen könne, sagte Wells.
BP hatte zunächst geplant, am Dienstag mit der Testreihe anzufangen, die bis zu 48 Stunden dauern sollte. Doch dann zog die US-Regierung die Notbremse, weil die beteiligten Fachleute offenbar uneins darüber waren, wie mögliche Ergebnisse zu werten sind. "Wegen dieser Diskussionen haben wir entschieden, dass für den Prozess weitere Analysen gut wären", sagte der Einsatzleiter der Regierung im Kampf gegen die Ölpest, Küstenwachen-Admiral Thad Allen. Er habe die Entscheidung mit Energieminister Steven Chu getroffen. "Wir wollen, dass jeder ganz sicher weiss, was wir testen und warum wir das tun", sagte Wells.
Endgültig soll das Leck allerdings erst Mitte August am Ursprung der Quelle mehrere Kilometer unter dem Meeresboden versiegelt werden. "Wir wissen, dass der Job noch nicht gemacht ist", sagte Wells. Diese Entlastungsbohrung sei jedoch kurz vor dem Ziel gestoppt worden, weil sie den Test der neuen Abdichtung störe. Es könne sogar sein, dass die Druckprüfung das so wichtige parallele Bohrloch zusammendrücken kann. "Das halten wir aber für sehr unwahrscheinlich", sagte Wells.
Der Verzug bei der Platzierung des 68 Tonnen schweren Zylinders über dem ramponierten Bohrloch ist die Fortsetzung einer Serie von Verzögerungen und Misserfolgen. Wann immer BP verschiedene Kappen oder Absaugsysteme installierte, Schäden an der Quelle reparieren oder das Leck verstopfen wollte, brauchte der Konzern länger als geplant. Entweder machten ihm technische Probleme oder die geringe Erfahrung in solch grosser Tiefe einen Strich durch die Rechnung - oder das Wetter spielte nicht, etwa als Ausläufer des Hurrikans "Alex" den Golf von Mexiko aufwühlten.
Der neue Zylinder hat laut BP drei Öffnungen, die nach und nach geschlossen werden. Dabei werde stetig der Druck in dem Ventilsystem gemessen, sagte Allen. Niedrige Werte könnten bedeuten, dass doch noch an anderer Stelle aus dem kilometerlangen Steigrohr im Meeresboden Öl austritt. Dann müsste wie bisher so viel Öl wie möglich von Schiffen an der Meeresoberfläche abgesaugt werden. Dabei könnten weiter tausende Tonnen pro Tag ins Meer gelangen.
Hohe Druckwerte zeigten dagegen, dass die Vorrichtung funktioniere. Unterschiedliche Meinungen gibt es anscheinend noch bei der Frage, wie sich hohe oder niedrige Werte genau in Zahlen ausdrücken lassen.
Angesichts der Ölkatastrophe forderte die EU-Kommission einen Stopp für Tiefsee-Bohrungen in der Nordsee. EU-Energiekommissar Günther Oettinger rief die Mitgliedsstaaten dazu auf, für europäische Gewässer neue Bohrungen unter extremen Bedingungen vorerst nicht mehr zu genehmigen. Umweltschützer fordern ein Verbot für alle Bohrungen unterhalb von 200 Metern Tiefe. Einen Grenzwert will Oettinger aber nicht festlegen.
US-Präsident Barack Obama hat bereits einen befristeten Bohrstopp verkündet. Ein halbes Jahr lang dürfen in Tiefsee-Gewässern vor den US-Küsten keine neue Probebohrungen gemacht werden. Mit diesem Vorstoss scheiterte er allerdings bereits zwei Mal vor Gericht, so dass sein Innenministerium bereits eine Neufassung des Moratoriums entwerfen musste./mcm/DP/fn

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

???source_awp???