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Nicht nur Begeisterung für den Papst

Der Papst - flankiert von der Schweizergarde - beim Besuch in Bern im Juni 2004.

(Keystone)

Dreimal war der am Samstag verstorbene Papst in der Schweiz. 1984 und 2004 waren es offizielle Besuche, 1982 ein inoffizieller in Genf.

Johannes Paul II. vermochte hierzulande nicht überall zu begeistern. Negativ-Schlagzeilen während Bischof-Affären hatten lange prägende Wirkung.

Schon kurz nachdem der Pole Karol Wojtyla am 16. Oktober 1978 als erster Nicht-Italiener seit 1522 zum Papst gewählt worden war, zeigte sich, dass er das Reisen liebte wie kein anderer Ponitfex maximus vor ihm. Kaum im Amt besuchte Johannes Paul II. die Dominikanische Republik, Mexiko, die Bahamas, Polen, Pakistan, die Philippinen, Japan...

In der Schweiz kursierte zu Beginn der achtziger Jahre der Witz, Karol Wojtyla alias Johannes Paul II. sei der "am besten bezahlte Tourist der Welt". Eine Reaktion der beleidigten Schweizer Seele, weil es dem Papst offenbar nicht eilte, auch der Schweiz einen Besuch abzustatten? Schon möglich. Die Schweiz stand auf der päpstlichen Reise-Prioritätenliste jedenfalls erst an 23. Stelle.

Ein Besuch mit wenig Wirkung

Im Juni 1984 war es dann soweit: Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche weilte während sechs Tagen in der Schweiz. Ein Grossanlass. Der weiss gewandete Papst besuchte 14 Städte. Vielerorts Jubel. Und auch der damalige Bundesrat machte dem hohen Besuch auf dem Landsitz Lohn bei Bern in corpore die Aufwartung.

Insgesamt habe die erste Schweizreise des Papstes jedoch wenig Begeisterung ausgelöst, sagt Leo Karrer, Professor für Praktische Theologie an der Universität Freiburg, im Interview mit swissinfo. "Das Verhältnis der Schweiz zum Papst blieb verhältnismässig nüchtern."

Die Schweiz war für den Papst laut Karrer eben kein leichtes Terrain: "Die Schweizer haben aufgrund ihrer Geschichte grundsätzlich etwas gegen zentralistische Tendenzen und starke Hierarchien, wie sie das Papsttum verkörpert."

Erzbischof Lefebvre bricht mit Rom

Der Papst trat in der Schweiz wiederholt durch Affären um Bischöfe in Erscheinung. Da war zunächst einmal der für den Papst schmerzhafte Abfall der Priester-"Bruderschaft des Heiligen Pius X." um Erzbischof Marcel Lefebvre.

Der sich gegen verschiedene Neuerungen des 2. Vatikanischen Konzils stemmende Lefebvre weihte 1988 in Ecône im Unterwallis eigenmächtig vier Bischöfe. Für Rom eine unannehmbare Herausforderung. Die Antwort liess nicht lange auf sich warten: Johannes Paul II. exkommunizierte Lefebvre samt Bischöfen.

Bischof Haas spaltet den Schweizer Katholizismus

In den 90er Jahren wurde das Verhältnis der Schweiz zum Papst durch den konservativen Churer Bischof Wolfgang Haas belastet: Der 1990 vom Papst eingesetzte Haas stellte mit seinen rückwärts gerichteten Ideen und seinem autoritären Gehabe für viele Katholikinnen und Katholiken eine Provokation dar.

Beinahe zehn Jahre dauerte das Tauziehen um den streitbaren Bischof, bis Haas' "Wegbeförderung" zum Erzbischof von Vaduz wieder Entspannung brachte.

Bischof Vogel wird Vater

Im Juni 1995 sorgte der Basler Bischof Hansjörg Vogel für einigen Wirbel: Knapp 14 Monate nach seiner Ernennung gab Vogel bekannt, er werde in absehbarer Zeit Vater. In der Folge entflammte in der Schweiz eine leidenschaftliche Diskussion über Sinn und Unsinn der Ehelosigkeit der Priester.

Das Bild, welches man sich in der Schweiz vom Papst machte, verengte sich zunehmend auf dessen Äusserungen zu Zölibat, Sexualität und Frauenpriestertum.

Zu Unrecht, findet Karrer: "Die persönliche Integrität des Papstes sowie dessen grossartiger Einsatz für Frieden, Menschenrechte und Demokratie verdienen grösste Anerkennung."

Papst – Popstar

Seine zweite offizielle Schweizer Reise führte den Papst Anfang Juni 2004 ins protestantische Bern. Am ersten Tag des zweitätigen Besuches wurde das Oberhaupt der katholischen Kirche im Berner Eishockeystadion auf der Allmend von 13'000 katholischen Jugendlichen frenetisch begrüsst und wie ein Popstar gefeiert.

An gleicher Stelle feierten am Sonntag rund 70'000 Gläubige bei strahlendem Sonnenschein eine Messe unter freiem Himmel.

Kritik am Oberhaupt

Diese 103. Auslandreise des Papstes nach Bern blieb nicht ohne Kritik. Nebst einer unbewilligten Demonstration gegen den Papst blieben auch innerhalb der Kirche die kritischen Stimmen nicht aus.

Der in Tübingen lebende Schweizer Theologe Hans Küng sprach von einem "triumphalistischen Personenkult" und vermisste die Auseinandersetzung auf dringliche Fragen der kirchlichen Innenpolitik.

Der emeritierte Theologieprofessor der Universität Freiburg und Priester, Joseph Venetz, gehört zu den Mitunterzeichner der Rücktritt-Forderung an den Papst. Wenige Wochen vor dem zweiten Papstbesuch in Bern, hatten Schweizer Theologen in einem offenen Brief den kranken Papst zum Rücktritt aufgefordert.

Venetz, ein Gegner der Institution Papst in der heutigen Form, sagte gegenüber swissinfo, dass der Reformstau in der Kirche gewaltig sei und Papst Johannes Paul II. habe sich nicht darum gekümmert.

Angesprochen auf die Popularität des Papstes meinte Venetz, dass die Leute einfach Sehnsucht nach einem Führer hätten, das habe die Geschichte immer wieder gezeigt. "Und der Papst ist nun mal solch eine Führerfigur."

swissinfo

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