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Nichts geht mehr!

Weniger Hochwasser in Locarno, wenn mehr Seewasser abfliessen würde.

(Keystone)

Der Pegel des Lago Maggiore kann innert Kürze bedrohlich ansteigen. Doch Gegenmassnahmen sind noch weit entfernt.

Drei Tage Wolkenbrüche haben gereicht - schon ist der Langensee an einigen Stellen über die Ufer getreten. Innert 72 Stunden stieg der Seepegel um 2,43 Meter und erreichte eine vorläufige Höchstmarke von 195,16 Metern.

Der See blieb damit zwar weit unter den Maxima der beiden katastrophalen Hochwasserjahre von 1993 (197,23 Meter) und 2000 (197,55 Meter), doch die potentielle Bedrohung durch die Wassermassen ist erneut deutlich geworden. Die lange Trockenheit im vergangenen Winter und die momentan tiefen Temperaturen mit Schneefall in hohen Lagen haben bis anhin Schlimmeres verhindert.

Problem Abflussmengen

Als Problem der Schweizerischen Seeanstösser erweist sich seit langem, dass die Abflussmengen am Südende des Lago Maggiore zu gering sind. "Eine höhere Abflusskapazität könnte die Höchstwasserstände um 50 Zentimeter senken", meint Locarnos Gemeindepräsident Marco Balerna.

Schon in den Siebzigerjahren hat die schweizerische Delegation in der internationalen Kommission zur Regulierung des Langensees bauliche Massnahmen vorgeschlagen, um diese Abflusskapazität zu erhöhen. Konkret geht es um das Ausbaggern des Flussbetts Tessin vor und nach dem Stauwehr Miorina von Sesto Calende, eine Modernisierung der 60 Jahre alten Wehranlage und den Bau eventueller Zusatzkanäle.

Eine auf Schweizer Initiative durchgeführte Studie hat Ende der 80-er Jahre bestätigt, dass einzig die erhöhte Seeabflusskapazität eine merkliche Hochwasserabsenkung mit sich bringen würde.

Italienische Bedenken...

Bedenken gibt es aber auf italienischer Seite, vor allem da ein direkter Interessenskonflikt zwischen den Oberliegern am See und den Unterliegern entlang des Flusses Tessin und in der Poebene besteht. Fliesst mehr Wasser aus dem Langensee, sind die unteren Teile schnell überflutet.

...und unterschiedliche Interessen

Ausserdem gibt es innerhalb der Einzugsgebiete sehr unterschiedliche Interessen. Die Anwohner, Reisbauern, Umweltschützer und Stromgesellschaften ziehen an verschiedenen Stricken.

Gleichwohl ist im Rahmen der Interreg-Programme im Jahr 2001 eine Studie ausgearbeitet worden, welche eine Optimierung der Seebewirtschaftung und die Verminderung der hohen Wasserstände unter die Lupe nahm. "Eine kompetente Studie, die eine Reihe von möglichen Szenarien simulierte und miteinander verglich", sagt Jean Python vom Bundesamt für Wasser in Biel.

Doch einen Schönheitsfleck besass das Werk: Es analysierte den Einfluss der Regelung auf Pavia nicht. Dabei stellt der Zusammenfluss von Po und Ticino bei Pavia eines der heikelsten Probleme bei Hochwasser dar.

Verhandlungen am toten Punkt

Seither hat sich nichts mehr getan. Und auf die konkrete Frage, ob an der Miorina nun ausgebaggert werden soll oder nicht, gibt es keine Antwort. Nicht nur: Die Arbeit der internationalen Kommission zur Regulierung des Langensees liegt momentan brach, da auf italienischer Seite reorganisiert wird und die Vertreter neu bestimmt werden müssen. Neben dem "Magistrato per il Po" und der "Autorità di bacino del fiume Po", beide in Parma, ist das "Consorzio del Ticino" in Mailand vertreten. "Wegen bürokratischer Probleme bei der Region Lombardei ist im Moment alles blockiert", räumt die Direktorin des "Consorzio del Ticino", Dariana Bellani, auf Anfrage ein.

Auf Schweizer Seite sitzen der Bund und der Kanton Tessin in der Kommission. "Uns fehlen die Ansprechpartner", klagen deren Vertreter im Chor.

Weniger Klarheit denn je

Im März 2001 erklärte der Bundesrat in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Fabio Abate (FDP/TI), dass "in absehbarer Zeit Klarheit darüber geschaffen werden muss, ob eine befriedigende Lösung für die Herabsetzung der Hochwasserstände des Langensees möglich ist". Der Bundesrat wäre sogar bereit, sich finanziell an technischen Expertisen zu beteiligen.

Doch ein gutes Jahr nach dieser Erklärung herrscht weniger Klarheit denn je. Nicht einmal ein Termin für die nächste Sitzung der internationalen Kommission ist in Sichtweite.

Gerhard Lob

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