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Nichts Neues unter der olympischen Sonne

Das Gymnasium von Eretria, wo die Athleten in der Antike trainierten. (Bild: Schweizer Schule für Archäologie)

Am 13. August beginnen in Griechenland die Olympischen Spiele: Wieder an ihrem antiken Ursprungsort.

Gleichzeitig feiert die Schweizer Schule für Archäologie in Athen ihr 40-Jahre-Jubiläum. Direktor Pierre Ducrey vergleicht die beiden Epochen.

"Die sportlichen Wettkämpfe kamen einer Fortsetzung der üblichen Rivalitäten innerhalb der antiken griechischen Stadtstaaten gleich", sagt Pierre Ducrey, Direktor der Schweizer Schule für Archäologie in Athen. "Eine gute Gelegenheit, seine Überlegenheit zu zeigen."

Dieses Ausnutzen des Sports für politische Zwecke – wie auch im Fall der Olympischen Spiele 1936 in Berlin oder während des Kalten Kriegs – sei also keine Errungenschaft der Moderne, konstatiert Ducrey.

Rivalitäten - damals wie heute

Wie auch die Glorifizierung der Athleten schon damals zum Instrumentarium der Austragung nationalistischer Rivalitäten gehörte.

"Gewisse Sportler wurden in einer Art und Weise trainiert, bezahlt und angehimmelt, wie wir das heute vom Sport her kennen", sagt der Lausanner Archäologe. "Es ging in erster Linie darum, der Beste zu sein. Deshalb gab es sicher schon damals Auswüchse und Schummeleien."

Doch das ist nicht alles. Ducrey rückt auch das verbreitete Bild des während der antiken Olympischen Spiele geltenden Waffenstillstands zurecht: "Während der Spiele war es verboten, sich an den Sportlern und ihren Begleitern zu vergreifen. Diese Waffenruhe galt also nicht allgemein und nicht für alle."

Der Direktor der Schule in Athen erinnert daran, dass es in der Antike eine Vielzahl von "olympischen" Spielen gegeben habe. Wie heute nahm der Wettbewerb im Bereich Sport auch im alten Griechenland einen zentralen Platz ein.

Die Spiele von Olympia zu Ehren des Zeus gehörten zu den wichtigsten, neben jenen von Delphi, Nemäa oder Korinth. Daneben existierten beinahe in jeder griechischen Stadt sportliche Wettkämpfe – auch in Eretria auf der Insel Euböa (Evia), deren antike Reste von der Schweizer Schule für Archäologie freigelegt wurden, so Pierre Ducrey.

Literatur und Waffen-Handhabung

Die Ausgrabungen, welche die Schweizer Schule in Griechenland seit 1964 durchführt, haben übrigens auch die Existenz von zwei Stadien nachweisen können, die in antiken Quellen aufgeführt sind.

Für Besucher ebenfalls zugänglich sind die Rudimente eines Gymnasiums, wo die Athleten jener Zeit übten. "Das Gymnasium diente als Schulungs-Zentrum für die verschiedensten Disziplinen", für Literatur, Philosophie und Waffen-Handhabung", heisst es im Eretria-Führer der Schweizer Schule für Archäologie.

"Die körperliche Ertüchtigung galt als Teil der militärischen Schulung", so Ducrey. Ein weiterer Aspekt, der die "antike" Methode nahe an die Gegenwart bringt. In der Schweiz ist der Sport heute noch dem Verteidigungs-Ministerium angegliedert.

Im Gegensatz zu Frankreich etwa, wo der Sport dem Erziehungs-Ministerium unterstellt ist. Nur enden die Dimensionen des Sports zu Zeiten der Antike nicht beim blossen Wettbewerb und kriegerischer Ertüchtigung.

Eine heilige Dimension

"Für die Griechen war gegeben, dass Gesundheit und körperliche Fitness als Bedingungen für intellektuelle Aktivitäten gelten", sagt der Lausanner Professor. In der Antike kannte man die heute überhand nehmende Spezialisierung in (Fach-)Wissen und Denkweise nicht.

Darüber hinaus waren diese verschiedenen Aktivitäten für den Griechen von damals auch besser untereinander verknüpft. So stand dem sportlichen Wettbewerb auch ein religiöses Element zu.

"Die Festlichkeiten dienten dazu, die Götter gnädig zu stimmen", sagt Ducrey. Mit anderen Worten, man wollte sich die Ungewissheiten des Schicksals gütig stimmen. Diese heilige Dimension der Spiele von damals ist heute verloren.

Doch sind nicht die Inbrunst und Leidenschaft, die auch heute mit dem sportlichen Wettkampf einhergehen, ebenfalls eine Art von Verbindung, die Sicherheit schafft – angesichts einer immer komplexer werdenden Welt?

swissinfo, Frédéric Burnand, Genf
(Übertragung aus dem Französischen: Alexander Künzle)

In Kürze

Die Schweizerische Archäologische Schule in Athen feiert die 40 Jahre ihrer Ausgrabungen in Eretria auf Euböa, einer Stadt, rund 50 km von Athen entfernt.

Sie hat einen Führer für Eretria publiziert, der ein weit gefächertes Bild des Lebens in der Antike zeichnet.

Der Führer wird am 4. August in Athen im "House of Switzerland" vorgestellt, unter der Ägide von "Präsenz Schweiz".

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Fakten

In Griechenland gehen die ersten Spiele in Olympia auf das Jahr 776 vor Christus zurück.

Im Lauf der Zeit organisierten viele Orte und Stadtstaaten Wettkämpfe. Dazu gehörten die Spiele in Delphi oder jene in der Meerenge von Korinth.

Diese Wettkämpfe gab es während 1000 Jahren, dann wurden sie vom römischen Kaiser und Christen Theodosius I. verboten.

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