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Zürich (awp/sda) - Abrupter Chefwechsel beim Zahnimplantate-Hersteller Nobel Biocare: Domenico Scala tritt zurück. Er informierte den Verwaltungsrat, dass er Nobel Biocare per 30. April verlässt. Im Mai übernimmt Richard Laube die Führung. Die Börse reagierte nicht überrascht.
Scala werde seinen Nachfolger im April einarbeiten und stehe dem Unternehmen dann bis Ende Oktober noch beratend zur Verfügung. Das teilte Nobel Biocare am Mittwoch mit, einen Tag vor Vorlage der Jahresbilanz für 2010. Der frühere Finanzchef des Agrarchemiekonzerns Syngenta hatte erst im Sommer 2007 Heliane Canepa als CEO von Nobel Biocare abgelöst.
Scala habe die Gesellschaft vor dreieinhalb Jahren in einer sehr kritischen Phase übernommen, ein gutes Management-Team aufgebaut und das Produkteportfolio erfolreich aufgebaut. Der Verwaltungsrat bezeichnet diese Leistung in der Mitteilung als "eindrücklich".
Scalas designierter Nachfolger Richard Laube war zuletzt Chef der Division Ernährung beim weltgrössten Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Der Verwaltungsrat erachtet diese Erfahrung als ideale Basis, um auf das Erreichte aufzubauen, heisst es in der Mitteilung weiter.
Der weltgrösste Dentalimplantate-Hersteller war im dritten Quartal in die roten Zahlen gerutscht und wies einen Reinverlust von 17,8 Mio EUR aus. In den ersten neun Monaten 2010 verzeichnete der Konzern mit 423,3 Mio EUR einen Umsatz auf Vorjahresniveau, der Gewinn halbierte sich auf 40,6 Mio EUR. Nobel Biocare beschäftigt weltweit rund 2400 Mitarbeitende.
Der angekündigte Chefwechsel bei Nobel Biocare stimmte die Anleger zunächst optimistisch: Die Aktien legten im frühen Handel am Mittwoch deutlich zu.
Kurz vor 11 Uhr war die anfängliche Avance von über 6 auf 1,9% geschrumpft. Die Aktie lag bei 19.81 Franken. 2007 war sie noch zu mehr als 90 CHF gehandelt worden. 2010 verlor sie fast 50 CHF an Wert.
Händler zeigten sich von Scalas Abgang vor Vorlage der Jahresbilanz am Donnerstag nicht sehr überrascht. "Diese dürfte wohl nicht sehr gut ausgefallen sein", sagte ein Händler.
Es sei davon auszugehen, dass die Übergangsphase, in der sich Nobel Biocare noch immer befinde, mindestens ein weiteres Jahr dauern werde. Damit hätte auch Nachfolger Laube einen schwierigen Stand. Das Sesselrücken könnte gemäss Händlern Anzeichen dafür sein, dass die Probleme beim Turnaround-Kandidaten doch grösser seien als angenommen.
Zahnimplantate laufen zu Krisenzeiten schlecht. Die Konsumenten stellen Zahnsanierungen zurück, wenn Ebbe im Portemonnaie herrscht. Kaum ist die Erholung nun eingetreten, bereitet der Industrie der starke Franken Zahnschmerzen.
Das wurde am Dienstag bei der Vorlage der Zahlen von Nobel-Biocare-Konkurrent Straumann deutlich. Nach eigenen Angaben nun Nummer eins der Branche, erzielte des Unternehmen mit 737,6 Mio CHF gerade einmal 0,2% mehr Umsatz als 2009. In Lokalwährungen wuchs der Umsatz um 4,6%.
Beim Betriebsgewinn (EBIT) musste Straumann einen Rückgang um 0,6% hinnehmen. Der Reingewinn schrumpfte um 10,4%, weil auch noch höhere Steuern drückten.
dm

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