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Nomade und Wissenschafter

Wie die Dorfkinder die Arbeit der Paläontologen beurteilen.

(swissinfo.ch)

Ein internationales Forschungs-Team mit Schweizer Beteiligung sucht in Marokko nach einzigartigen Dinosaurier-Spuren. Letzter Teil: Die Paläontologie.

Philippe Taquet, Leiter des internationalen Forschungsteams und wohl einer der bekanntesten Paläontologen Frankreichs, kniet im Dreck, in den Händen ein kleiner Pinsel und ein winziger Schaber.

Vor ihm, noch halb in der Erde verborgen, erste Fundstücke. Was anfangs noch wie ein Durcheinander aus fossilen Knochen ausgesehen hat, entpuppt sich als vielversprechendes Skelett-Teil. Rippenknochen womöglich.

Frühere Funde, einzelne Knochenteile, sind schon ausgegraben und noch an Ort und Stelle eingegipst worden. Auf diese Art können die Fundstücke sicher ins Labor des Museums von Rabat transportiert werden. Es ist eine minutiöse Arbeit: Nichts darf zerbrochen oder verschoben, aber auch nichts übersehen werden.

Halb Nomade, halb Wissenschaftler

Taquet liebt die Arbeit im Freien. "Paläontologie ist ein faszinierender Beruf", sagt er und vergleicht sein Leben mit demjenigen eines Nomaden. Die Hälfte seiner Zeit verbringt er im Freien, irgendwo auf der Welt; die andere Hälfte in Paris, wo er im Museum wissenschaftlich aufarbeitet, was er zuvor in der Natur entdeckt hat. "Es ist ebenso eine intellektuelle wie eine manuelle Arbeit."

Taquet hat Marokko durch seinen Schweizer Kollegen Michel Monbaron kennen gelernt. "Er hat mich nach Marokko geholt und mir das Land gezeigt", sagt Taquet. Heute ist er ein Kenner und ein Liebhaber des nordafrikanischen Landes: "Wir kamen hierher, um Dinosaurier zu finden. Doch wir fanden Menschen." Die Zusammenarbeit zwischen den Europäern und den marokkanischen Kollegen funktioniert hervorragend, man versteht sich bestens.

Geschichte der Evolution

Zwischen den Sätzen gräbt Taquet eifrig in der Erde: Langsam kommt mehr und mehr vom Knochenstück an die Oberfläche. Der Wissenschafter ist gespannt: "Man weiss nie, wie einzigartig der Fund tatsächlich ist. Ich weiss aber, dass es hier nur so von Dinosaurier-Knochen wimmelt."

Seine Passion für die Paläontologie und vor allem für Dinosaurier erklärt Taquet folgendermassen: "Man will wissen, was früher einst auf der Welt vor sich ging. Aber auch, weshalb ein solch mächtiges Tier überhaupt aussterben konnte."

Paläontologie heisse Fragen stellen, fährt er vor, Fragen nach unserem Ursprung, nach unserer Entwicklung und auch nach unserer Zukunft. "Wird mit uns dasselbe passieren, wie mit den Dinosauriern? Werden auch wir aussterben?"

Im Schutz des Dorfes

Taquet hat die Zeit vergessen - auch dies gemäss Taquet ein typisches Merkmal für Paläontologen. Es ist spät geworden. Zeit für einen Tee, Zeit, die marrokanische Gastfreundschaft zu geniessen. Die Dorfbewohner sind nach Hause zurückgekehrt und kommen rasch bei der Fundstelle vorbei. Man kennt sich, grüsst, schaut, was Neues entdeckt und was schon ausgegraben wurde.

Mit altem Zeitungspapier werden die Ausgrabungen zugedeckt. Nur ein minimaler Schutz, doch vor Dieben oder neugieriger Konkurrenz muss man sich nicht fürchten: Die Dorfbewohner bewachen die Fundstelle und passen auf, dass nichts passiert. Auch sie sind stolz auf das Projekt.

Carole Gürtler, Toundout


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