Navigation

Notenbanken lockern Zins-Zügel

Die Schweizer Nationalbank will den hohen Frankenkurs bekämpfen. Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat das Zinsniveau um ein halbes Prozent gesenkt: So wird Geld billiger. Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften zeigen sich erfreut.

Dieser Inhalt wurde am 06. März 2003 - 18:00 publiziert

Auch die Europäische Notenbank senkte die Zinsen.

Die SNB gab am Donnerstag eine weitere Zins-Senkung bekannt: Der so genannte Drei-Monate-Libor-Satz wurde um einen halben Prozentpunkt gesenkt, er liegt jetzt zwischen 0 und 0,75 Prozent. Der Libor-Satz ist der wichtigste Zins für Frankenanlagen.

"Die Senkung ist vor allem ein Signal an den Devisenmarkt: Wir wollen nicht, dass der Franken noch weiter aufgewertet wird", erklärte SNB-Sprecher Werner Abegg gegenüber swissinfo.

Besonders die Schweizer Export-Wirtschaft leidet unter einem hohen Frankenkurs.

Frankenflucht und Wirtschaftsflaute

Mit ihrer Geldpolitik beeinflusst die SNB aber nicht nur den Frankenkurs, sondern auch das allgemeine Wirtschafts-Klima: Mit tiefem Libor-Zins sinken auch die Zinsen für Bankkredite, was Investitionen fördern soll; das Vorgehen wird auch "Lockerung der Geldpolitik" genannt.

Im September 2001 - nach den Anschlägen in New York und Washington - hatte die Bank in einer Woche den Libor-Satz gleich zweimal gesenkt, um den Kursgewinn durch die Flucht in den Schweizer-Franken abzuschwächen. Im Mai und Juli 2002 senkte sie den Zins nochmals, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nach der letzten Senkung fiel der Zinssatz in den letzten zwei Jahren damit um 3,25 Prozent auf ein historisches Tief.

Zuviel verspricht sich SNB-Sprecher Abegg von den Zinssenkungen jedoch nicht: "Es wäre Wunschdenken, wenn diese Senkung allein die Wirtschaft wieder in Schuss bringen würde."

Zentralbank senkt Zins ebenfalls

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) senkte ihre Leitzinsen: Um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. Angesichts der konjunkturellen Stagnation in Europa, den schlechten Wirtschaftsaussichten und der prekären Lage an den Finanzmärkten war dieser Schritt von Analysten erwartet worden. Als zaghaft moniert wurde hingegen das geringe Ausmass der Korrektur, die deutlich hinter jener der SNB liegt.

Regierung und Wissenschaft erfreut

Der Schweizer Wirtschaftsminister Joseph Deiss reagierte positiv auf die Leitzinssenkungen. Von der Lockerung der EU-Zentralbank versprach er sich eine Stimulierung der Wirtschaft der Euro-Zone, was sich auf die Schweizer Export-Wirtschaft auswirken werde.

Die Konjunkturforschungsstelle der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (KOF/ETH) erwartet nur eine begrenzte Wirkung der SNB-Zinssenkung. Währungspolitisch stelle sich die Frage, ob das wirklich die grosse Erleichterung für den Franken bringe, sagte KOF-Mitarbeiter Stephan Betschart. Wenn der Nutzen aber auch unklar sei, so schade die Zinssenkung zumindest nicht.

Wirtschaft wohlwollend

Erfreut zeigte sich Swissmem, der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie. Mit der Zinssenkung habe die SNB der Export-Wirtschaft einen Wunsch erfüllt, sagte Sprecherin Dorothea Tiefenauer.

Die Zinssenkung sei in hohem Masse erfreulich, sagte auch Rudolf Walser von der Economiesuisse. Das Wechselkurs-Verhältnis zwischen Franken und Euro werde stabilisiert, dies sei in der jetzigen Situation absolut zentrale Voraussetzung dafür, dass die Schweizer Wirtschaft profitieren könne, wenn die Konjunktur wieder anziehe.

Auf eine Abschwächung des Frankens hofft auch Serge Gaillard vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). Die Schweizer Währung sei im Moment viel zu stark. Er zeigte sich erfreut über die SNB, die mit ihrer lockeren Geldpolitik die Konjunktur-Stagnation bekämpfe.

"Zins-Pulver verschossen"

Alois Bischofberger, Chefökonom der Credit Suisse Group, zeigte sich skeptisch, ob es gelingen werde, den Frankenkurs zu drücken: Die Hauptursache für dessen Stärke sei die Suche nach Sicherheit. Daher müsse zuerst die Entwicklung der nächsten Tage abgewartet werden.

UBS-Chefökonom Andreas Höfert bezweifelt, dass die Zinssenkung der darbenden Konjunktur einen Impuls geben könnte. Auch habe die SNB nun ihr "Zins-Pulver" verschossen. Gegen eine erneute Aufwertung des Schweizer Frankens könne sie nur noch mit Interventionen am Devisenmarkt reagieren.

Zaghafte EZB erntet Kritik

Überrascht zeigten sich die Ökonomen darüber, dass die SNB einen deutlicheren Zinsschritt machte als die Europäische Zentralbank (EZB), die ihren Leitzins lediglich um einen Viertelpunkt senkte.

Er hätte sich von der EZB ebenfalls einen deutlicheren Schritt gewünscht, sagte SGB-Ökonom Gaillard. UBS-Ökonom Hausheer zeigte sich ebenfalls überrascht: Er hatte erwartet, dass die EZB die Leitzinsen um 0,5 Punkte senken, während die SNB einen zaghafteren Schritt machen würde.

Franken geschwächt

Noch am Donnerstag-Nachmittag reagierte der Frankenkurs: Er verlor an Stärke und der Euro kletterte wieder über die Marke von 1,46 Franken. Der Dollar konnte sich auf 1,3326 Franken festigen.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Beim Dreimonate-Libor handelt es sich um Zins-Sätze, die grosse Banken untereinander für Geldmarktkredite verlangen. Der Schweizerfranken-Libor entspricht dem Durchschnitt der aktuellen Zinskonditionen von acht Banken. Die SNB beeinflusst den Libor indirekt via Wertpapier-Geschäfte.

Das Libor-Zielband wurde von der SNB im Jahre 2000 als geldpolitischer Referenzzins eingeführt und zunächst in drei Schritten auf zwischen 3 bis 4 Prozent angehoben.

2001 folgten dann vier Zinssenkungen zurück auf das Anfangsniveau. Im vergangenen Jahr nahm die SNB den Satz zweimal um 0,5 Prozent zurück. Mit dem jetzt beschlossenen Schritt fällt der untere Bereich des Bands auf die Nullmarke.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.