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Washington/London (awp/sda/dpa/afd) - Ingenieure des britischen Ölkonzerns BP versuchen in einem neuen Anlauf, die seit elf Wochen strudelnde Ölquelle im Golf von Mexiko zu stoppen. Dazu wollen sie mit Hilfe von ferngesteuerten Robotern einen 100 Tonnen schweren Absaugzylinder auf dem Leck platzieren.
Die Experten hoffen, damit fast alles austretende Öl aufzufangen und auf Schiffe abzupumpen. Die Aktion "Top Hat 10" ist aber höchst kompliziert. Frühestens am Mittwoch könnte klar sein, ob sie erfolgreich ist oder - wie diverse Anläufe zuvor - erneut mit einem Misserfolg endet.
In einem ersten Schritt demontierten die Experten dazu einen anderen Behälter über dem Leck, der bisher zumindest einen Teil des Rohöls aufgefangen hatte. Die Folge: Derzeit strömt das Rohöl völlig ungehindert ins Meer.
Wie BP am Montag in London mitteilte, kommen die derzeitigen Bemühungen zur Eindämmung der Umweltkatastrophe planmässig voran. Am Sonntag hatten sich Experten des Konzerns zurückhaltend optimistisch über den neuen Versuch geäussert.
"Wir sind erfreut, wie es vorangeht", sagte BP-Top-Manager Kent Wells. Die gesamte Operation dürfte "zwischen vier und sieben Tage" dauern. Erst dann sei der neue "Hut" auf dem Leck in rund 1500 Meter Tiefe richtig positioniert und abgedichtet.
Doch Wells verweist auch Risiken: Es könnte - wie schon bei diversen ähnlichen Versuchen zuvor - etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommen.
Gelingt die Operation "Top Hat 10" und könnte tatsächlich ein Grossteil des ausströmenden Rohöl aufgefangen werden, wäre das die erste gute Nachricht seit dem Unglück am 20. April. Seitdem fliessen Schätzungen zufolge Tag für Tag bis zu 8200 Tonnen Rohöl ins Meer - lediglich ein Viertel werden bisher pro Tag abgepumpt.
Es handelt sich um die schwerste Ölpest der US-Geschichte. Weite Teile der Golfküste sind bereits verseucht, ökologisch hochsensible Gebiete wie das Mississippi-Delta verschmutzt, viele Fischer sind arbeitslos geworden.
BP kostete die Ölkatastrophe nach eigenen Angaben mittlerweile 3,5 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Montag weiter mitteilte. Vor einer Woche waren die Kosten noch mit 3,12 Milliarden Dollar beziffert worden.
BP fing den Angaben zufolge bislang 749'100 Barrel des ausgetretenen Öls auf. Der Konzern hofft, spätestens Ende Juli täglich 60'000 bis 80'000 Barrel Öl aufzufangen. Bis August sollen zwei Entlastungsbohrlöcher fertiggestellt sein, um das unkontrollierte Ausströmen von Öl vollständig zu stoppen.
Um die Ölpest einzudämmen, sind laut BP derzeit 46'000 Menschen, mehr als 6400 Schiffe und Dutzende Flugzeuge im Einsatz. Bei dem Energiekonzern gingen bislang 105'000 Entschädigungsforderungen ein.
Mehr als 52'000 Zahlungen in einer Gesamthöhe von 165 Millionen Dollar wurden geleistet. BP hatte bereits zugesagt, 20 Milliarden Dollar für die Einrichtung eines Entschädigungsfonds bereitzustellen.

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