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NEW ORLEANS/BERLIN (awp international) - Durchbruch nach dreieinhalb Monaten Ölpest: BP hat die Quelle im Golf von Mexiko erfolgreich von oben mit Schlamm abgedichtet. Der Konzern sprach am Mittwoch von einem "bedeutenden Meilenstein". Das Manöver "Static Kill" zur Versiegelung des Bohrlochs scheine gut zu funktionieren.
Erleichterung herrscht auch in Washington, aber gleichzeitig Vorsicht: Einen "Sieg" will die Regierung erst dann verkünden, wenn das Bohrloch auch von unten, das heisst mit Hilfe eines gebohrten Nebenzugangs, versiegelt worden ist. Aber es sehe ganz danach aus, dass das Leck keine Bedrohung mehr sei, sagte Thad Allen, der Einsatzleiter der Regierung.
Einen Lichtblick gab es auch in anderer Hinsicht. Nach jüngsten Erkenntnissen von Regierungsexperten sind drei Viertel des ausgeströmten Öls verschwunden. Ein Teil ist verdunstet, andere Teile sind abgeschöpft und abgefackelt worden oder haben sich zersetzt, sagte Carol Browner, die Energie-Chefberaterin von Präsident Barack Obama, am Mittwoch in US-Fernsehinterviews. "Wir glauben, wir haben die Wende geschafft."
Browner erwartet zwar, dass noch einiges Öl in Form von Teerbällen an die Küste geschwemmt wird. "Aber das wird gereinigt und entsorgt." Und "Mutter Natur" selbst werde weiter "versuchen, das Öl loszuwerden". Nach jüngsten Angaben von Forschern sind nach dem Versinken der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 22. April insgesamt 4,9 Millionen Barrel Öl in den Golf von Mexiko geflossen - das sind etwa 666 400 Tonnen. Seit dem 15. Juli war das Leck mit einem provisorischen Deckel abgedichtet.
BP hatte am Dienstag damit begonnen, von einem Schiff aus Schlamm in das Steigrohr am Meeresboden zu pumpen. Nach rund acht Stunden konnte das Manöver gestoppt werden: Die Schlammmassen hatten Öl und Gas unter Kontrolle gebracht, das heisst, dafür gesorgt, dass es nicht mehr nach oben drängt. "Wir haben einen statischen Zustand erreicht", sagte eine BP-Sprecherin. "Jetzt werden wir zunächst beobachten, ob es so bleibt."
Der Erfolg beim endgültigen Versiegeln der Ölquelle ist aus Expertensicht nun fast sicher. Wahrscheinlich werde das Leck nach dem "Static Kill"-Manöver, bei dem erfolgreich Schlamm in die Steigleitung gepumpt wurde, keine neuen Probleme bereiten, sagte Catalin Teodoriu vom Institut für Erdöl- und Erdgastechnik der Technischen Universität Clausthal. "Ab diesem Punkt kann nicht mehr viel passieren." Es gebe nur die "sehr, sehr kleine Gefahr", dass sich Gas aus der Quelle in dem eingepressten Gemisch löse und den Schlammpfropf so instabiler werden lasse. "Dann könnte doch wieder Öl hochkommen."
Als nächste Etappe könnte nun von oben Zement ins Steigrohr eingeleitet werden. Dann, fünf bis sieben Tage später, soll das gleiche Manöver von unten erfolgen, der "Bottom Kill". Dabei will BP wiederum erst Schlamm und dann Zement durch den Nebeneingang rund vier Kilometer tief im Meeresboden pumpen. "Wir wollen sicherstellen, dass die Quelle wirklich tot, tot, tot ist. Wir wollen, dass nichts von den Toten aufersteht", zitierte die "Washington Post" Energieminister Steven Chu./ch/DP/nmu

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