Externer Inhalt

Den folgenden Inhalt übernehmen wir von externen Partnern. Wir können nicht garantieren, dass dieser Inhalt barrierefrei dargestellt wird.

LONDON (awp international) - Als der lange erwartete BP-Bericht zu den Ursachen des Umweltdesasters am Mittwochmittag endlich auf der Firmen-Webseite erschien, durchsuchten ihn viele Augen wohl erst einmal nach dem Wort "Schuld". Dass der britische Ölkonzern sich selber zum einzigen Angeklagten in der Sache "Golf von Mexiko" machen würde, war zwar nicht zu erwarten. Angesichts drohender Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe wäre das gewagt, denn BP könnte alleine darauf sitzen bleiben. Doch britische Medien hatten zuvor spekuliert, dass BP sich selbst und einige andere Firmen für konkret schuldig an der grössten Ölkatastrophe der US-Geschichte befinden könnte.
Stattdessen blieb es bei "Verantwortung" - und die wurde erwartungsgemäss auf zahlreiche Schultern verteilt. "Wir haben von Anfang an gesagt, dass mehrere Beteiligte Verantwortung für die Explosion auf der Deepwater Horizon tragen", sagte der künftige BP- Chef Bob Dudley, der zum 1. Oktober das Amt vom über das Desaster gestolperten Tony Hayward übernimmt. Der Bericht, den Hayward kurz nach der Explosion im Frühjahr in Auftrag gegeben und an dem mehr als 50 Experten gearbeitet hatten, kommt vor allem zu einem Ergebnis: Eine einfache Antwort gibt es nicht.
Den Untersuchungen zufolge hat mehr als ein einziger Faktor am 20. April zur Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" mit elf Toten geführt. Vielmehr waren es mehrere Fehler von Mensch und Technik, die sich zu einer fatalen Kette aufreihten. Eine Zementabdichtung war schlecht gemacht, die Crew auf der Bohrinsel reagierte nicht schnell genug. Ein Sicherheitsventil schloss nicht automatisch. Deshalb konnte das Öl wochenlang aus dem Leck ins Meer strömen. Bis heute bedroht es Mensch, Tier und Pflanzenwelt in der Region.
"BP stands for Blame Placing" - "BP steht für Schuldzuweisung", urteilte denn auch der Experte Robert Peston vom Sender BBC. Auch Jörg Feddern von der Umweltschutz-Organisation Greenpeace sieht den Bericht kritisch. "Der Ölmulti versucht, einen Teil der Verantwortung auf die anderen beteiligten Unternehmen abzuwälzen", sagte er laut Mitteilung. Das Zusammenspiel menschlicher und technischer Probleme könne bei Tiefseebohrungen immer wieder auftreten und betreffe nicht nur BP. "Doch weder BP noch andere Ölkonzerne ziehen Konsequenzen aus diesem Desaster. Sie machen weiter wie bisher." Greenpeace fordert ein weltweites Verbot für Tiefseebohrungen.
Doch völlig aus der Schlinge ziehen kann BP den Kopf nicht - das würde den Imageschaden wohl auch ins Unermessliche treiben. Man habe einen Drucktest nicht richtig interpretiert, heisst es. Vor allem aber habe man nun eines vor: Man wolle aus den Fehlern lernen. Im Bericht seien deshalb 25 Verbesserungsvorschläge sowohl für BP als auch andere beteiligte Unternehmen enthalten.
"Wir haben alle Empfehlungen berücksichtigt und untersuchen derzeit, wie wir sie am besten bei unseren Bohrarbeiten auf der ganzen Welt umsetzen können", sagte Dudley. Doch ganz egal, wie BP das selber sieht, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Über schuldig oder nicht wird noch in anderen Berichten entschieden werden, unter anderem in dem des US-Justizministeriums./gür/dm/DP/wiz

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

???source_awp???