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Offener Brief an UNO-Generalsekretär Kofi Annan

Sehr geehrter Herr Generalsekretär,

Dieser Inhalt wurde am 09. Februar 2005 - 17:56 publiziert

sechzig Jahre nach ihrer Gründung sind die Vereinten Nationen zur Bewältigung der globalen Herausforderungen wichtiger denn je. Die Bekämpfung von Genozid, HIV/Aids oder die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sind nur einige Beispiele für Weltprobleme, die von den Nationalstaaten alleine nicht erfolgreich angegangen werden können. Die UNO ist als einzige internationale Organisation in der Lage, nationale Bemühungen auf globaler Ebene effektiv zu fördern und zu koordinieren.

In einer radikal veränderten Welt spiegelt die Struktur der Weltorganisation nach wie vor die Zeit von 1945 wieder. Es ist daher dringend notwendig, die Vereinten Nationen und das UNO-System den veränderten Bedingungen anzupassen. Nur so können sie ihren Aufgaben im 21. Jahrhundert gerecht werden. Mit dem von Ihnen eingerichteten Expertengremium über die Beziehungen der Vereinten Nationen mit der Zivilgesellschaft und dem Expertengremium über Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel verbindet sich die Hoffnung, dass die Strukturreform der UNO in ihrem sechzigsten Gründungsjahr konkrete Züge annehmen wird.

Als Parlamentarierinnen und Parlamentarier eines der jüngsten UNO-Mitgliedsländer möchten wir mit dieser gemeinsamen Initiative einen konkreten Reformvorschlag zu Ihrer Kenntnis bringen und unterstützen: Die Einrichtung einer parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen.

Eine Parlamentarische Versammlung bei der UNO würde zahlreiche Vorteile mit sich bringen. Die Repräsentation der Bevölkerung und die Mitwirkung der Zivilgesellschaft würde das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die UNO fördern und die Akzeptanz und Legitimation erhöhen. Die weitaus meisten von der UNO erarbeiteten Lösungswege müssen bereits heute von der Zivilgesellschaft in die Praxis umgesetzt werden. Eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen könnte so ein weiteres, wichtiges Scharnier zur Einbeziehung der Zivilgesellschaft darstellen und ihre Ideen und Erfahrungen bereits bei der Ausarbeitung von Lösungsansätzen konstruktiv nutzen. Der Einbezug von Parlamentarierinnen und Parlamentariern sowie der Zivilbevölkerung steigert die Effizienz der UNO und sorgt zudem dafür, dass Lösungsansätze pragmatisch bleiben.

Durch die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung kann der bestehende demokratische Kontrollmechanismus gestärkt und mehr Transparenz geschaffen werden. Das Engagement der UNO wird für die Bevölkerungen besser verständlich und nachvollziehbar.

Gerade auf der internationalen Ebene ist es besonders wichtig, dass demokratische Prinzipien im Vordergrund stehen. Da der UNO eine Vorbildfunktion zukommt, eignet sie sich am besten zur weltweiten Förderung der Demokratie. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen ihre Strukturen von Grund auf demokratischen Anforderungen entsprechen. Eine Parlamentarische Versammlung kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Im Rahmen einer Parlamentarischen Versammlung bei der UNO können Völker und Minderheiten ihre Anliegen besser einbringen. Dies dient schliesslich der Erhaltung der Vielfalt dieser Welt.

Die Schweiz weist eine lange humanitäre und demokratische Tradition auf. Sie hat sich stets aktiv für die Förderung des Völkerrechts, der Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte eingesetzt. Auf Grundlage dieser Tradition wenden wir uns als Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier an Sie und ermutigen Sie, die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei der UNO in die aktuelle Reformdebatte einzubringen und den Vorschlag den Regierungen der UNO-Mitgliedsländer zur weiteren Prüfung zu unterbreiten.

Mit freundlichen Grüssen

Erstunterzeichnende:

Gysin Remo (SP, BS)
Lang Josef (Grüne, ZG)
Markwalder Bär Christa (FDP, BE)
Studer Heiner (EVP, AG)
Zapfl Rosmarie (CVP, ZH)

Mitunterzeichnende Nationalrat:

Abate Fabio (FDP, TI), Aeschbacher Ruedi (EVP, ZH), Allemann Evi (SP, BE), Bader Elvira (CVP, SO), Banga Boris (SP, SO), Bäumle Martin (Grünliberale, ZH), Berberat Didier (SP, NE), Bruderer Pascale (SP, AG), Brunschwig Graf Martine (Liberale, GE), Bühlmann Cécile (Grüne, LU), Cavalli Franco (SP, TI), Christen Yves (FDP, VD), Cuche Fernand (Grüne, NE), Daguet André (SP, BE), Darbellay Christophe (CVP, VS), de Buman Dominique (CVP, FR), Donzé Walter (EVP, BE), Dormond Béguelin Marlyse (SP, VD), Dupraz John (FDP, GE), Egerszegi Christine (FDP, AG), Fasel Hugo (CSP, FR), Fässler Hildegard (SP, SG), Fehr Hans-Jürg (SP, SH), Fehr Jacqueline (SP, ZH), Fehr Mario (SP, ZH), Frösch Therese (Grüne, BE), Galladé Chantal (SP, ZH), Garbani Valérie (SP, NE), Genner Ruth (Grüne, ZH), Germanier Jean-René (FDP, VS), Glasson Jean-Paul (FDP, FR), Goll Christine (SP, ZH), Graf Maya (Grüne, BL), Gross Andreas (SP, ZH), Gross Jost (SP, TG), Guisan Yves (FDP, VD), Günter Paul (SP, BE), Gutzwiller Felix (FDP, ZH), Gyr Josy (SP, SZ), Häberli Brigitte (CVP, TG), Haering Barbara (SP, ZH), Hämmerle Andrea (SP, GR), Heim Bea (SP, SO), Hochreutener Norbert (CVP, BE), Hofmann Urs (SP, AG), Hollenstein Pia (Grüne, SG), Hubmann Vreni (SP, ZH), Huguenin Marianne (PdA, VD), Humbel Näf Ruth (CVP, AG), Janiak Claude (SP, BL), Jermann Walter (CVP, BL), Jutzet Erwin (SP, FR), Kiener Nellen Margret (SP, BE), Leuenberger Ueli (Grüne, GE), Leutenegger Oberholzer Susanne (SP, BL), Leuthard Doris (CVP, AG), Levrat Christian (SP, FR), Marti Werner (SP, GL), Marty Kälin Barbara (SP, ZH), Maury Pasquier Liliane (SP, GE), Meier-Schatz Lucrezia (CVP, SG), Menétrey Anne-Cathérine (Grüne, VD), Meyer Thérèse (CVP, FR), Müller Geri (Grüne, AG), Müller-Hemmi Vreni (SP, ZH), Nordmann Roger (SP, VD), Pedrina Fabio (SP, TI), Pelli Fulvio (FDP, TI), Randegger Johannes (FDP, BS), Rechsteiner Paul (SP, SG), Rechsteiner Rudolf (SP, BS), Recordon Luc (Grüne, VD), Rennwald Jean-Claude (SP, JU), Rey Jean-Noël (SP, VS), Riklin Kathy (CVP, ZH), Robbiani Meinrado (CVP, TI) , Rossini Stéphane (SP, VS), Roth-Bernasconi Maria (SP, GE), Sadis Laura (FDP, TI), Salvi Pierre (SP, VD), Savary Géraldine (SP, VD), Schenker Silvia (SP, BS), Simoneschi Chiara (CVP, TI), Sommaruga Carlo (SP, GE), Stöckli Hans (SP, BE), Stump Doris (SP, AG), Teuscher Franziska (Grüne, BE), Thanei Anita (SP, ZH), Vanek Pierre (Alliance de Gauche, GE), Vermot-Mangold Ruth-Gaby (SP, BE), Vischer Daniel (Grüne, ZH), Vollmer Peter (SP, BE), Walker Felix (CVP, SG), Widmer Hans (SP, LU), Wyss Ursula (SP, BE), Zisyadis Josef (PdA, VD)

Mitunterzeichnende Ständerat:

Brunner Christiane (SP, GE), Béguelin Michel (SP, VD), Berset Alain (SP, FR), Leuenberger Ernst (SP, SO), Sommaruga Simonetta (SP, BE), Studer Jean (SP, NE), Gentil Pierre-Alain (SP, JU)


Total Unterzeichnende Nationalrat: 101
Total Unterzeichnende Ständerat: 7
Total Unterzeichnende eidg. Räte: 108

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