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Orange und Sunrise fusionieren - France Telecom hat künftig das Sagen (Zus)

Dieser Inhalt wurde am 25. November 2009 - 17:10 publiziert

Paris/Kopenhagen/Zürich (awp) - Im Schweizer Telekommarkt rücken zwei private Anbieter gegen den Marktführer Swisscom zusammen: Die dänische TDC und France Telecom stehen vor einer Fusion ihrer Töchter Orange Schweiz und Sunrise. France Telecom hält dann eine Drei-Viertel-Mehrheit und besetzt die Führungspositionen im neuen Unternehmen mit eigenen Leuten. TDC will mittelfristig ganz aussteigen.
France Telecom zahlt bei Abschluss der Transaktion 1,5 Mrd EUR an TDC und hält dann 75% der Aktien der kombinierten Gesellschaft, während TDC 25% besitzt. Der Vertrag soll voraussichtlich bis Ende Februar 2010 definitiv unterzeichnet sein, teilten die Muttergesellschaften am Mittwoch mit. Zuvor wollen sowohl France Telecom als auch TDC eine abschliessende Due Diligence machen.
Es entstehe der führende alternative Telekomanbieter am Schweizer Markt, erklärte France-Telecom-CFO Gervais Pellissier bei einer Telefonkonferenz mit Blick auf Marktführerin Swisscom. Gemeinsam kommen Sunrise und Orange Schweiz auf einen Markanteil von rund 38% im Mobilfunk und rund 13% beim Breitband. Der pro forma Umsatz per Ende 2008 beträgt 3,1 Mrd CHF und der EBITDA 809 Mio CHF.
SYNERGIEN VON 3,2 MRD CHF
Die Synergien aus dem Zusammenschluss sollen sich auf 3,2 Mrd CHF belaufen. Die beiden Eigentümer erwarten entsprechend einen "substantiellen Mehrwert", wie sie erklärten - beim Free Cash-Flow pro Aktie ab 2010 und beim Gewinn pro Aktie ab dem Jahr 2011.
Die France Telecom/Orange-Gruppe bekenne sich mit dem Kauf langfristig zum Schweizer Markt, erklärte Orange-Mobile-Chef Olaf Swantee. TDC wiederum hat nach Angaben von Sunrise-Verwaltungsrat Jens Alder eine attraktive Möglichkeit erhalten, sich von einer "rein finanziellen Investition" zu trennen. Der dänische Konzern will sich künftig ganz auf die nordischen Länder konzentrieren.
Für den vollständigen Ausstieg hat TDC mehrere Möglichkeiten. Die wahrscheinlichste Variante ist den Beteiligten zufolge, dass die neue Gesellschaft die restlichen Anteile über ein Aktienrückkaufprogramm ab 2012 bis 2014 übernimmt. Darüber entscheidet der künftige Verwaltungsrat, das Gremium wird mehrheitlich mit Vertretern von France Telecom und Olaf Swantee als Präsident besetzt.
Alternativ kann TDC den 25%-Anteil frühestens zwei Jahre nach Vertragsabschluss an einen Dritten verkaufen. Ferner kann das neue Unternehmen nach drei Jahren an die Börse gehen oder France Telecom frühestens ein Jahr nach Abschluss der Transaktion eine Option auf den TDC-Anteil ausüben. Aus finanziellen Gründen habe man sich nicht gleich 100% gesichert, erklärte Swantee die Strategie von France Telecom.
ORANGE STELLT NEUEN CEO
Der Verkauf von Sunrise kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs war und nach einem durchzogenen Vorjahr auch operativ wieder zulegen konnte. CEO Christoph Brand habe das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren sehr erfolgreich neupositioniert, erklärten denn auch TDC und France Telecom. In der Geschäftsleitung wird die neue Eigentümerstruktur trotzdem sichtbar - designierter CEO ist Orange-Schweiz-Chef Thomas Sieber.
Brand bleibe bis zum Abschluss der Transaktion im Amt, hiess es. Anschliessend überwache er den Beginn des Integrationsprojekts, bevor er sich neuen beruflichen Aufgaben ausserhalb der Gruppe widme.
Vorteile für die Kunden sollen sich vor allem in einer grösseren Produktpalette manifestieren und in einer besseren Qualität des Netzes. Eine aggressivere Preisstrategie steht am Schweizer Markt laut France Telecom vorerst nicht im Blick. Das neue Unternehmen will nach Angaben Swantees in neue Technologien wie mobiles Breitband, IPTV und Mobile Multimedia investieren.
EINIGE FRAGEN OFFEN
Einen Stellenabbau schliessen die Eigentümer nicht aus. Eine "gewisse Optimierung der Workforce" sei im Rahmen des Zusammenschlusses nicht vermeidbar, erklärte Sieber. Der Fokus liege aber vor allem auf Synergien bei Netzen und Marketing. Was mit den Mobilfunk-Konzessionen passiere, sei noch unklar. Auch der künftige Name und der Unternehmenssitz stehen noch nicht fest. Der Vollzug ist abhängig von der Zustimmung durch die Wettbewerbskommission. Damit rechnet France Telecom bis Frühsommer 2010.
Die Swisscom begrüsste die anstehende Konsolidierung als Wettbewerbsbelebung. Der Schritt werde den Markt zusätzlich stimulieren, erklärte ein Sprecher. Konsumentenschützer und Analysten erwarten dagegen eher eine geringere Dynamik in der Branche. Auch die Börsianer gehen offenbar nicht von sinkenden Preisen am Telekommarkt aus: Die Swisscom-Aktie gewinnt am Nachmittag in einem freundlichen Gesamtmarkt überdurchschnittliche 0,8% auf 393,10 CHF.
cc/uh

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