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Patient Bergwald

Der Schädigung des Bergwaldes ist in den letzten Jahren stabil geblieben. Keystone

Der diesjährige "Internationale Tag des Waldes" steht ganz im Zeichen des Bergwaldes. Dieser ist seit Jahren geschwächt - und die Fachleute rätseln über die Ursachen.

Dieser Inhalt wurde am 20. März 2002 - 19:29 publiziert

Am Donnerstag ist "Tag des Waldes". Im "UNO-Jahr der Berge" stehen die Waldgebiete der Alpenregionen im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Lebensnotwendig für die Berggebiete

"Der Bergwald hat die Aufgabe, den alpinen Lebensraum vor Lawinen und anderen Naturkatastrophen zu schützen. Damit bildet der Bergwald eine wichtige Voraussetzung, dass der Alpenraum wirtschaftlich-touristisch genutzt werden kann", sagt der diplomierte Forstingenieur Andrea Semadeni vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) gegenüber swissinfo. Zudem trage der Bergwald zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur Bindung des Treibhausgases CO2 bei.

Man wolle den Tag nutzen, um der Öffentlichkeit in Erinnerung zu rufen, wie wertvoll ein nachhaltig genutzter Bergwald sei, schreibt die "Waldtag"-Trägerschaft. Ihr gehören neben dem BUWAL unter anderen auch die Umweltbildungs-Organisation SILVIVA und die Holzindustrie Schweiz an.

Events sollen Augen öffnen

Schweizweit sind über 30 Veranstaltungen geplant: Die Palette reicht vom Vortrag eines Briefmarken sammelnden Försters über Exkursionen bis hin zum Kräuterkurs. Sensibilisierung tue Not, sind die Verantwortlichen überzeugt.

Mit Recht, denn der Bergwald ist - wie übrigens der Schweizer Wald generell - geschwächt. Dies zeigt der jüngste, im Januar veröffentlichte Sanasilva-Bericht zum Zustand des Waldes: 18% der Bäume weisen eine Kronen-Verlichtung von mehr als 25% auf.

Waldsterben oder Massenpsychose?

Was genau ist schuld? In den achtziger Jahren gingen sowohl Politik als auch Forschung davon aus, dass die Luftverschmutzung durch Abgase zu "saurem Regen" führe. Dieser bewirke das grossflächige Absterben des Waldes.

Apokalyptische Vorstellungen weitgehend entwaldeter Landschaften machten die Runde. So erklärte etwa die damalige Zürcher LdU-Nationalrätin Verena Grendelmeier 1985 an einer Sondersession in Bern, man stehe "vor dem Abgrund einer Katastrophe. Wir wissen nicht, wann unser Ökosystem umkippt."

Der ökologische GAU trat nicht ein: Der Wald starb nicht, sondern ist noch immer grün. Allerdings vermochte er auch nicht zu genesen. Vielmehr stabilisierte er sich auf einer gewissen Schadensstufe. War das so genannte Waldsterben lediglich die Ausgeburt einer Massenpsychose, wie dies in der "Weltwoche" von Ende Januar dieses Jahres behauptet wird?

Forstingenieur Semadeni wehrt ab: "Der Wald leidet zweifelsohne unter Umweltstress: unter der Luftverschmutzung und der Versäuerung der Böden. Im Unterschied zur Zeit der Waldsterbe-Debatte beurteilen wir aber heute den Umfang der Schwächung als wesentlich geringer."

Was tatsächlich hinter dem Phänomen der Waldschäden steckt, weiss die Wissenschaft bis heute nicht. Sicher sei, dass "ein ganzes Bündel von Faktoren" - darunter auch die "jährlichen Klima-Schwankungen" - beteiligt seien, sagt Semadeni. Dies entbinde jedoch die Gesellschaft nicht von der Pflicht, "die Umweltverschmutzung so weit als möglich zu minimieren".

Felix Münger

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