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Patient Wissenschaft blutet

Der Spitzenplatz der Schweizer Forschung ist in Gefahr!

(Keystone)

Der Schweizer Wissenschaftsrat sorgt sich um die Zukunft des Forschungsplatzes Schweiz. Er fordert mehr Effizienz durch Reformen und mehr Geld.

"Die Schweizer Forschung befindet sich auf dem Sinkflug", sagte Professor Gottfried Schatz, Präsident des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierates, dem unabhängigen Beratergremium der Regierung, vor den Medien in Bern.

Auf die Frage, ob es sich hier um das übliche "präventive Jammern" einer Lobby handle, erwiderte Schatz gegenüber swissinfo: "Es ist ein präventiver Alarmruf. Wir fühlen uns für das Wohlergehen der Schweizer Wissenschaft und Forschung verantwortlich. Wir würden unsere Aufgabe nicht wahrnehmen, wenn wir der Regierung und der Öffentlichkeit nicht deutlich sagen würden, das Kind ist krank. Es müssen jetzt Massnahmen ergriffen werden um grössere Schäden zu vermeiden."

Forschungs-Standort und Wirtschaftsnation

Der Schweizer Wissenschaftsrat hat deshalb ein "9-Punkte-Programm zu Förderung von Wissenschaft und Technologie in der Schweiz" vorgestellt. Die Hauptbotschaft lautet: "Um der Schweiz ihren Platz unter den führenden Wirtschaftsnationen zu sichern, genügt weder die alleinige Reform des Forschungssystems, noch die alleinige Erhöhung der öffentlichen Mittel." Beides in Kombination sei notwendig.

Gottfried Schatz: "Wir müssen die Kreativität am Forschungs- und Denkplatz Schweiz erhöhen". Nach Jahren der Budgetstagnation sei die Zitronen nun ausgepresst.

Fast 11 Mrd. Franken

Laut Bundesamt für Statistik wendete die Schweiz im Jahr 2000 rund 10,7 Mrd. Franken für Forschung und Entwicklung im Inland auf. Das sind 2,64% des Bruttoinlandproduktes. Tendenz sinkend.

Drei Viertel der in Forschung und Entwicklung investierten Gelder stammen aus der Privatwirtschaft, 23% von den Hochschulen, nur 1% direkt vom Bund und 2% von privaten Organisationen.

Pro Kopf der Bevölkerung gab die Schweiz 2000 787 Dollar für die Forschung aus. Damit liegt sie hinter den USA, Schweden und Finnland, aber vor Japan. Der Wissenschaftsrat verlangt nun als "klares politisches Bekenntnis", dass die öffentlichen Forschungsmittel um jährlich 10% aufgestockt werden.

Furcht vor Schuldenbremse

Befürchtungen, die vom Volk angenommene Schuldenbremse könne den Ruf des Wissenschaftsrates nach mehr Geld für die Universitäten ungehört verhallen lassen, konterte Nobelpreisträger Professor Rolf Zinkernagel: "Schweizerinnen und Schweizer geben mehr Geld aus für Freizeit und Ferien als für ihre Gesundheit. Und auch für die geben sie mehr aus als für Forschung und Entwicklung."

Allgemein wurde von der Politik verlangt, die Prioritäten in der Geldvergabe anders zu setzten und nicht nur auf die Wählerstimmen zu schielen.

Noch Weltspitze, aber....

Noch gehöre der Schweizer Denk- und Forschungsplatz zur Weltspitze. Die Krise sei allerdings allgegenwärtig zu spüren, sagte der Rat. Junge Wissenschafterinnen und Wissenschafter wanderten ins Ausland ab.

Professor Schatz: "Die Schweiz ist für junge Forscher nicht mehr interessant. Bei einer internationalen Attraktivitäts-Umfrage unter jungen Forscherinnen und Forschern findet man die Schweiz noch auf Platz 31."

Novartis als Fingerzeig

Werde der Abstieg der Schweizer Forschung erst einmal für die breite Bevölkerung sicht- und spürbar, sei es bereits zu spät, sagt Schatz weiter.

Für ihn ist die Abwanderung der Novartis-Forschung nach Boston ein deutlicher Fingerzeig. Schatz: "Novartis hat aus ihrer Sicht das absolut Richtige getan. Der Forschungsplatz Schweiz kann mit den USA punkto Innovation nicht mehr konkurrieren."

Urs Maurer


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