Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Pessimistische Aussichten für Italiens Zukunft

(swissinfo.ch)

Nach dem äusserst knappen Sieg der linken Koalition bei den Wahlen stellt sich die Schweizer Presse viele Fragen. Italien stehe vor einer unsicheren politischen Zukunft.

Nach Ansicht verschiedener Kommentatoren hat Romano Prodi ein schwieriges Erbe angetreten: Mit seiner sehr heterogenen Koalition werde es nicht einfach, das stark zweigeteilte Land zu regieren.

Der knappe Wahlsieg von Romano Prodi hinterlässt eher Ratlosigkeit als Zuversicht auf einen Neubeginn in Italien. Auch die Kommentare der Schweizer Presse warnen vor der Instabilität in dem gespaltenen Land.

"Wie soll das gut gehen?", fragt der Zürcher Tages-Anzeiger: "Prodi erbt ein zerrissenes, versehrtes, politisch entzweites und ideologisch aufgewiegeltes Land mit leeren Kassen. Das ist seine Hypothek, Italiens Last."

Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnet das Wahlergebnis sogar als "Pyrrussieg" für Prodi: "Der effektive Gewinner war vielmehr die Instabilität, wenn nicht gar – auf geradezu diabolische Weise – Ministerpräsident Berlusconi."

"Ein frommer Wunsch"

Die Berner Tageszeitung Der Bund verweist auf den "italienischen Graben", der für die Zukunft wenig Gutes erahnen lasse: "Prodi hat zwar angekündigt, das Land versöhnen und nicht gegen, sondern mit dem Gegner regieren zu wollen. Zur Stunde ist dies nicht viel mehr als ein frommer Wunsch."

Auch die Berner Zeitung zeigt sich skeptisch: "Nur mit Ehrenworten und einem 281-seitigen Koalitionspapier lässt sich Italien wohl kaum über die vollen fünf Jahre der Legislaturperiode regieren."

"Zapping-Demokratie"

Die Westschweizer Zeitung Le Temps sieht das knappe Wahlergebnis als Fortsetzung einer Tendenz, die mit dem "grossen Witz von Florida im November 2000" angefangen habe. "Eine Wahl entscheidet sich nicht mehr durch Projekte, die mobilisieren, sondern am Überdruss, den die bisher regierende Partei verursacht hat."

Das sei eine "Zapping-Demokratie", folgert Le Temps: "Die Wahl ohne Wahl, die Zurückweisung der Veränderung und gleichzeitigen Anerkennung der Notwendigkeit von Veränderung."

"Wir sind alle enttäuscht, die Linken wie die Rechten." So zitiert die Freiburger Liberté einen italienischen Staatsbürger, der den in Italien vorherrschenden Eindruck wiedergab.

Überdruss an der Politik Berlusconis

La Regione unterstreicht auch die positiven Aspekte, die Romano Prodi beim künftigen Regieren helfen können: "Die internationale Unterstützung gereicht Prodi sicher zum Vorteil."

Im übrigen konstatiert die Tessiner Zeitung beim italienischen Wahlvolk insbesondere einen Überdruss an Berlusconis Politik. Trotz aller Versprechen habe er die Italiener und Italienerinnen letztlich in die Armut geführt.

swissinfo, Susanne Schanda

In Kürze

Die Spitze der italienischen Einwanderung in die Schweiz lag zwischen 1950 und 1970.

In den zwei Jahrzehnten emigrierten rund 2 Millionen italienische Staatsangehörige in die Schweiz.

Ein grosser Teil dieser Emigranten kehrte nach einigen Jahren zurück nach Italien.

Heute leben noch rund 505'000 Menschen mit einem italienischen Pass in der Schweiz; etwa 200'000 darunter sind Doppelbürger.

374'000 der Italiener und Italienerinnen in der Schweiz liessen sich in die Wahlregister eintragen, um an den Parlamentswahlen in ihrer Heimat teilzunehmen.

Etwa 50,4% nahmen schliesslich am Urnengang teil. Davon wählten 55% das linke Bündnis.

Infobox Ende

Fakten

Die Unions-Koalition (Mitte-Links) hat die Parlamentswahlen in Italien gewonnen.
Sie kommt im Abgeordnetenhaus auf 340 Sitze (die Mitte-Rechts-Koalition Haus der Freiheit kommt auf 277 Sitze), im Senat hat die Linke 159 Sitze (gegen 156 für die Rechte).
Der bisherige Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat das Wahlresultat bisher nicht anerkannt und eine Nachzählung verlangt.
Zum ersten Mal hatten auch die Ausland-Italiener an den Wahlen teilnehmen können und ihre eigenen Repräsentanten wahlen können (12 für das Abgeordnetenhaus, 6 für den Senat).
Aus der Schweiz schafften drei Kandidaten die Wahl: Claudio Micheloni (Senat), Franco Narducci und Antonio Razzi (Abgeordnetenhaus).

Infobox Ende


Links

×