Piccard steht auf Nachhaltigkeit

Bertrand Piccard setzt auf erneuerbare Energien wie in seinem Solar-Flugzeug. Keystone

Bertrand Piccard ist einer der berühmtesten Schweizer Abenteurer und Innovatoren. Als erster Mensch flog er im Heissluft-Ballon nonstop um die Erde.

Dieser Inhalt wurde am 13. Oktober 2004 - 10:45 publiziert

Im Interview mit swissinfo skizziert er neue Wege, um die Innovation in der Schweiz voranzutreiben.

Piccard, der für seinen Einsatz für erneuerbare Technologien bekannt ist, liess am zweiten "Swiss Science Forum" in Bern einen Versuchsballon steigen. Er will die Schweiz zu einem Zentrum für nachhaltige Entwicklung machen.

Er nahm das dominierende Thema der Konferenz auf und betonte, die Innovation müsse zu einer strategischen Priorität der Schweiz werden. Im Gespräch mit swissinfo zeigte er auch einen möglichen Weg auf.

swissinfo: Oft wird nach mehr Innnovation gerufen, aber die Schweiz scheint hinterher zu hinken. Woran liegt das?

Bertrand Piccard: Es hat viel mit unserer Angst vor dem Unbekannten, vor Problemen zu tun. Wenn wir kreativ sein wollen, müssen wir zuerst das Unbekannte akzeptieren.

Der innovative Prozess basiert auf Zweifel, Hinterfragung und der Bereitschaft, Fehler zu erkennen.

Beispielsweise dachten alle – auch wir – dass man möglichst hoch und schnell in einem Jetstream fliegen muss, um die Welt in einem Heissluftballon zu umrunden.

Wir waren erfolgreich, wo andere versagten, weil wir diesen Trugschluss erkannten und unsere Strategie änderten.

swissinfo: Glauben Sie, dass die Schweiz im Bereich der Innovation hervorstechen könnte?

B. P. : Im 19. Jahrhundert war die Schweiz mit ihrer humanitären Arbeit, mit der Gründung des Roten Kreuzes, überall auf dem internationalen Parkett präsent.

Im 20. Jahrhundert ebenfalls - mit internationalen Verhandlungen und Vermittlungen.

Aber die Situation hat sich verändert: Alle machen das heutzutage und ehrlich gesagt, viele Leute brauchen uns nicht mehr. Darum müssen wir für die Zukunft etwas anderes finden.

swissinfo: Was könnte das sein?

B. P. : Ich bin überzeugt, dass die Unterstützung und massive Investitionen in die Entwicklung erneuerbarer Energien eine sehr gute Sache sind.

Die Schweiz könnte ein gutes Vorbild für Entwicklung, Vorantreiben und Erfindung neuer Technologien sein, die eine nachhaltige Entwicklung erlauben, ohne die Lebensqualität zu vermindern.

Das ist das Hauptproblem: Wenn man die Lebensqualität der Bevölkerung einschränken will, entsteht Widerstand. Das ist normal.

Die Investition in erneuerbare Energien wäre eine Herausforderung für die Schweiz und könnte ihr helfen, einen neuen Platz auf dem internationalen Parkett zu finden.

swissinfo: Was braucht es in der Praxis, um das umzusetzen?

B. P. : Wenn man die Leute aus ihrer Bequemlichkeit reissen will, entsteht nur mehr Widerstand. Wir müsse zeigen, dass nachhaltige Entwicklung sexy sein kann. Zudem müssen wir sie mit positiven Assoziationen verknüpfen.

Die Menschen müssen verstehen, dass Umweltverschmutzung altmodisch ist: Wer das versteht, dem winken hohe Gewinne.

swissinfo: Es geht also darum, die Leute zu überzeugen, dass Nachhaltigkeit nicht bedeutet, ins Jahr Null zurückzufallen?

B. P. : Das ist es. Nachhaltige Entwicklung braucht Marketing. Es braucht keine fanatischen Umweltschützer, welche die Natur schützen wollen, indem sie unseren Lebensstil zerstören. Das wird nie akzeptiert werden.

Autofreie Sonntage sind beispielsweise der komplett falsche Zugang zu einer Lösung unserer Probleme.

swissinfo: Ihre eigenen Abenteuer haben ein grosses Publicity-Effekt. Geht es um mehr als um einen Marketing-Gag?

B. P. : Mein neues Projekt, mit einem Solar-Flugzeug um die Welt zu fliegen, ist ganz klar eine Kommunikations-Plattform für die nachhaltige Entwicklung.

Wie wollen zeigen, was für unglaubliche Dinge in Zukunft ohne Verschmutzung möglich sind.

Unser Ziel ist nicht etwa Spass in der Luft mit dem Solar-Flugzeug, sondern wir wollen symbolisch zeigen, was Menschen erreichen können, wenn sie in die richtigen Technologien investieren.

swissinfo: Hat die Schweiz hier einen Vorsprung?

B. P. : Die Schweiz hat noch keinen Wettbewerbs-Vorsprung. Aber wenn sie international überleben will, sollte sie diese Chance schnell packen.

Die Amerikaner haben "Silicon Valley" kreiert – wir könnten "Sustainable Valley" (Tal der Nachhaltigkeit) aufbauen. Wir müssen nur schneller sein als die anderen.

swissinfo: Wenn sie Schweizer Politikern, Geschäftsleuten, Wissenschaftern einen Rat geben könnten, was würden sie ihnen sagen?

B. P. : Gründet eine Plattform welche die Linke und die Rechte zusammenbringt und die nachhaltige Entwicklung fördert. So könnten wir garantieren, dass die Schweiz Lebensqualität produzieren kann nicht nur im Inland, sondern auch in der Export-Industrie.

swissinfo-Interview: Chris Lewis
(Übertragung aus dem Englischen: Philippe Kropf)

Fakten

1999 umrundete Bertrand Piccard die Welt mit seinem Heissluftballon "Spirit of Freedom" ohne Zwischen-Landung.

Für die Strecke von 38'000 Kilometern brauchten er und Brian Jones 19 Tage.

2009 will er mit einem Solar-Flugzeug den Planeten nonstop umrunden.

Das Projekt heisst "Solar Eclipse".

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In Kürze

Der Psychiater Bernard Piccard umrundete als erster Mensch die Erde im Heissluftballon.

Der 46-Jährige stammt aus einer Abenteurer-Dynastie.

Vater Jacques Piccard stellte 1960 mit 10'912 Metern den Tiefentauch-Rekord auf.

Grossvater Auguste Piccard gelang ein Ballon-Höhenrekord.

Zudem erfand er ein Untersee-Boot, den Bathyscaph.

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