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Pieter Bouw vor seinem Rücktritt

Pieter Bouw, Präsident des Swiss-Verwaltungsrats bis am 22. September. Keystone

Kurz vor dem Rücktritt als VR-Präsident von Swiss sagt Pieter Bouw, er hätte zwar Fehler begangen. Doch insgesamt geht er stolz und zufrieden aus seinem Amt.

Dieser Inhalt wurde am 22. September 2005 - 14:28 publiziert

Obschon Swiss weiterhin Verluste einfährt, bleibt Bouw im Gespräch mit swissinfo optimistisch, was die Zukunft des kürzlich von Lufthansa übernommenen Carriers betrifft.

Pieter Bouw war 2001 zum Verwaltungsrats-Präsidenten der Swiss berufen worden, als die Airline neu als Nachfolge-Gesellschaft der kollabierten Swissair gegründet wurde. Er wird am Donnerstag zurücktreten, wenn der gesamte Verwaltungsrat der Swiss umbesetzt wird.

Seine Berufung vor vier Jahren war damals von einigen Aviatik-Experten mit einer gehörigen Portion Skepsis aufgenommen worden. Sie waren sich nicht sicher, ob der ehemalige Direktor der niederländischen KLM seiner Aufgabe gewachsen war, aus den Versatzstücken dessen, was von der Swissair übrig blieb, einen neuen nationalen Carrier aufzubauen.

Laut Bouw liegt die grösste Herausforderung für Swiss nach dem Aufkauf durch Lufthansa darin, mit den steigenden Energiepreisen und mit der Aeropers fertig zu werden. Mit Aeropers, der Pilotengewerkschaft, wird seit Beginn über Arbeitsbedingungen gestritten.

swissinfo: Sie waren während fast vier Jahren VR-Präsident und konnten in dieser Zeit die Swiss nicht in profitable Gewässer steuern. Die Halbjahresresultate 2005 haben enttäuscht, die Verluste stiegen.

Pieter Bouw: Die schlechten Resultate des ersten Semesters waren vor allem eine Folge der gestiegenen, unkontrollierbaren Energiepreise. Alle anderen Kosten haben wir unter Kontrolle gekriegt, und die Erträge wären substanziell gestiegen. Operativ gesehen geht es Swiss heute viel besser als vor einem Jahr.

Ich denke, dass Swiss auf eigenen Füssen kaum den Weg zu einer nachhaltigen Gewinn-Situation gefunden hätte. Es war deshalb nötig, mit einer anderen Unternehmung zusammen zu gehen, in diesem Fall mit Lufthansa.

Es gibt noch weitere Kosten, die zu senken wären, beispielsweise den Pilotenaufwand. Wir möchten ihnen nicht den Lohn kürzen, sondern mehr Flugstunden auferlegen. Das würde unsere Kosten senken.

swissinfo: Doch die Energiekosten bleiben hoch, und die Konkurrenz der Budget-Fluggesellschaften wächst. Wie kann Swiss darauf reagieren?

P. B.: Wir müssen akzeptieren, dass gewisse Märkte für uns nicht zugänglich bleiben, und dass wir unsere Strategien nicht auf Budget-Märkten aufbauen können.

Wir müssen uns auf Mehrwerte festlegen, besonders im Interkontinental-Bereich. Was den innereuropäischen Flugbereich betrifft, können wir das Produkt der Geschäftsflüge noch weiter ausbauen.

Doch in diesem Europa-Bereich müssen wir die Kosten herunterfahren. Das war eine der wichtigsten Auseinandersetzungen mit der Piloten-Gewerkschaft in den letzten drei bis vier Jahren, und das dürfte sich auch in Zukunft nicht ändern.

swissinfo: Es war die Rede davon, dass sich die Swiss ihres regionalen europäischen Segments entledigen könnte. Halten Sie das für sinnvoll?

P. B.: Es ist viel mehr als nur eine Möglichkeit. Es ist die einzige Art, um voranzukommen, entschieden ist allerdings noch nichts.

Wir schlugen dies vor zwei oder drei Jahren vor, doch die Piloten-Gewerkschaft widersetzte sich dem. Wir mussten nachgeben, weil wir nicht alles aufs Spiel setzten wollten.

Ein Streik damals hätte das Ende für die gesamte Gesellschaft bedeutet. Hätten die Piloten uns damals machen lassen, hätten wir einige hundert Stellen sichern können.

Jetzt laufen die Piloten-Verträge langsam aus, und wir müssen eine neue Unternehmung schaffen, Swiss European Airlines, mit separaten Arbeitsverträgen für die Piloten.

swissinfo: Wird auch dieses Unternehmen unter der Kontrolle der Lufthansa stehen?

P. B.: Ja.

swissinfo: Was die Integration von Swiss in Lufthansa betrifft: Kann Swiss ihre Identität und ihre Marke bewahren, auch wenn sie von einem Rivalen aufgekauft wurde?

P. B.: Davon bin ich überzeugt. Ein Teil der Integrations-Abmachung enthält den Entscheid, wonach Swiss ein Premium Brand, eine Luxusmarke innerhalb der Lufthansa-Gruppe werden soll.

Das heisst, dass die Marke immer bestehen bleiben muss und die Drehscheibe Zürich das gleiche Wachstums-Potenzial aufweisen soll wie Frankfurt und München. Diese beiden Punkte sind mehr oder weniger im Geschäftskonzept garantiert, über das wir uns einig geworden sind.

swissinfo: Wenn Sie von neuem beginnen könnten, was würden Sie anders machen?

P. B.: Unser Ziel war, die Flugzeuge wieder in die Luft zu schicken und dann erst zu restrukturieren. Nachträglich gesehen hätte ich mich dem Poker der Piloten anders stellen sollen.

Doch wir konnten die Marke Swiss bewahren und schlossen ein gutes Geschäft mit Lufthansa ab. Natürlich konnten wir SARS, den Irak-Krieg, die Branchenkrise der Airline-Industrie und die hohen Energiekosten nicht voraussehen. Und wir unterschätzten den Einfluss der Budget-Carrier, was ein professioneller Fehler war.

Meine Branchen-Kollegen sagten mir, Mensch, Pieter, da habt Ihr ein kleines Wunder geschaffen. Vergessen Sie nicht, dass, wenn Swiss nicht aus der Taufe gehoben worden wäre, ein grosser Teil der vorhandenen Schweizer Infrastruktur - die Flughäfen und Unternehmen wie Gate Gourmet - ebenfalls in Gefahr gewesen wären.

Da wäre viel mehr Wert verloren gegangen als die 2,5 Mrd. Franken, die es brauchte, um die Swiss flott zu kriegen.

swissinfo: Sind Sie froh, Swiss nach vier schwierigen Jahren zu verlassen?

P. B.: Einerseits bin ich froh, dass es geschafft und vorüber ist. Wichtiger jedoch ist, dass ich froh bin, dass wir die Prioritäten der Schweiz bewahren konnten, vor allem dass wir die Verkehrsverbindungen von und in die Schweiz aufrecht erhalten konnten, dass die Flugverkehrs-Infrastruktur und viele Arbeitsplätze erhalten blieben.

swissinfo-Interview: Vanessa Mock
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

Fakten

Pieter Bouw ist 1941 in den Niederlanden geboren.
Von 1967 bis 1997 arbeitete er beim niederländischen Carrier KLM.
Von 1991 bis 1997 war er Präsident und Direktor von KLM.
Im November 2001 wurde er zum VR-Präsident von Swiss berufen.
Zwischen März und Oktober 2004 übernahm er zudem die Rolle des Direktors, nachdem André Dosé ausgeschieden und Christoph Franz noch nicht eingestellt war.
Er wird am 22. September zurücktreten, wenn der Verwaltungsrat von Swiss ohnehin wegen dem Kauf durch die Lufthansa vollständig umstrukturiert wird.

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In Kürze

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ist am Donnerstag bei einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der Swiss gewählt worden.

Als weiterer Vertreter der Lufthansa zog Klaus Schlede in das auf fünf von bislang acht Mitglieder verkleinerte Swiss-Aufsichtsgremium ein.

Weiter im Amt verbleiben Jacques Aigrain, Walter Bosch und Rolf Jetzer, der das Verwaltungsratspräsidium übernimmt.

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