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Pleite von Finanzierer CIT bedroht US-Wirtschaft (AF)

Dieser Inhalt wurde am 02. November 2009 - 13:00 publiziert

NEW YORK (awp international) - Massive Belastungsprobe für die eben erst zur Erholung ansetzende US-Wirtschaft: Der für rund eine Million US-Unternehmen tätige Mittelstandsfinanzierer CIT ist pleite. Zur Sanierung hat die Gesellschaft eine geordnete Insolvenz angemeldet - einer der grössten Fälle der US-Geschichte.
Der Schritt war seit Wochen erwartet worden. Der Finanzmarkt und Kunden wie die Backwaren- und Kaffeekette Dunkin' Donuts konnten sich vorbereiten. Die US-Regierung und Experten hoffen daher, dass sich die Erschütterungen trotz der Tragweite in Grenzen halten könnten.
DETAILS
Mit der am Sonntagabend (Ortszeit) beantragten Insolvenz nach dem sogenannten "Chapter 11" will CIT seinen Milliarden-Schuldenberg verringern und bis zum Jahresende den Neustart schaffen. Der gut 100 Jahre alte Finanzierer ist durch Managementfehler und die Finanzkrise ins Trudeln geraten. Wegen der Schwierigkeiten hatte CIT-Chef Jeffrey Peek bereits seinen Rücktritt zum neuen Jahr angekündigt.
Nach dem Insolvenzplan sollen die Gläubiger, darunter auch der streitbare US-Investor Carl Icahn, für einen Schuldenverzicht künftig CIT mehrheitlich besitzen. Der US-Steuerzahler und die bisherigen Aktionäre dürften dagegen weitgehend leer ausgehen. Die Regierung hatte in der Krise 2,3 Milliarden Dollar in CIT gepumpt.
SCHWERE PLEITE
Die Pleite ist gemessen an den Vermögenswerten die schwerste eines US-Finanzhauses seit den Zusammenbrüchen der Investmentbank Lehman Brothers und der einst führenden US-Sparkasse Washington Mutual im September 2008. In der gesamten US-Firmengeschichte ist es laut US- Medien der fünftgrösste derartige Fall.
Die Aktiva gab CIT im Insolvenzantrag mit 71 Milliarden Dollar (48 Mrd Euro) an, dem stünden Verbindlichkeiten von 64,9 Milliarden Dollar gegenüber. Mit einem Restrukturierungsplan wolle CIT die Aussenstände um zehn Milliarden Dollar bereinigen.
ERHOLUNG DER US-WIRTSCHAFT GEFÄHRDET
Die CIT-Krise trifft die USA in einem Moment, da die grösste Volkswirtschaft der Welt nach der Rezession gerade wieder ein Wachstum erreichte. Die Rettung eines Finanzhauses dieser Grösse über eine geordnete Insolvenz gilt bei Experten als in dieser Art "erstmalig" und "Operation am offenen Herzen".
Der Betrieb bei CIT soll weiterlaufen. Die Insolvenz ermöglicht es CIT, "unsere klein- und mittelständischen Kunden weiter mit Finanzierungen zu bedienen", teilte Peek mit. Neben dem Kreditgeschäft ist CIT auch im Geschäft mit dem Leasing und der Finanzierung von Flugzeugen und Güterwaggons tätig.
Die Gläubiger hatten erst zum Wochenende einen Vorschlag zur Umschuldung mehrheitlich abgelehnt und sich für den vorbereiteten Plan zum Neuanfang in der Insolvenz ausgesprochen. Der aggressive Investor Carl Icahn hilft dabei mit einem Kredit von einer Milliarde Dollar. CIT und der Multimilliardär haben eben erst einen Streit über die Sanierung vorläufig beigelegt.
fi/fd/DP/bf

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