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TRIPOLIS (awp international) - Nach einer Woche Aufstand und vielen hundert Todesopfern haben die Gegner von Staatschef Muammar al-Gaddafi nach eigenen Angaben fast ganz Libyen unter ihre Kontrolle gebracht. Überall im Land seien Armee-Einheiten und Sicherheitskräfte übergelaufen, sagten ranghohe libysche Funktionäre, die auf Distanz zu Gaddafi gegangen sind, am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Die Aufständischen beherrschten bereits 90 Prozent des Landes. Aus Furcht vor neuerlichen Gewaltorgien startete das Ausland eine grosse Rückholaktion für Staatsbürger aus dem nordafrikanischen Land. In Tripolis sollen afrikanische Söldner die Bevölkerung terrorisieren.
Aus Deutschland landeten am Dienstag ein Lufthansa-Airbus und zwei Transall-Militärtransporter in Tripolis, um Bundesbürger in die Heimat zurückzuholen. Wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte, sollten die drei Sondermaschinen noch im Lauf des Dienstags zurückfliegen. Erwartet wurde, dass der Grossteil der etwa 400 Bundesbürger, die sich noch in Libyen aufhielten, ausreisen wollten. Der Airbus wurde am Dienstagabend zurück in Frankfurt erwartet. Auch Griechenland, Frankreich und Ägypten organisierten Evakuierungsflüge.
In den bürgerkriegsähnlichen Zuständen meldete sich der seit über 40 Jahren herrschende Staatschef Gaddafi in einem wirren TV-Auftritt erstmals zu Wort. Gaddafi trat Gerüchten entgegen, er habe sein Land verlassen. Für den Abend kündigte der Nachrichtensender Al-Arabija eine Ansprache Gaddafis an, in dem der Oberst "grosse Reformen" in Aussicht stellen wolle. Nach Angaben eines abtrünnigen Diplomaten soll sich der Staatschef in einer Kaserne in Tripolis verschanzt haben.
Die Opposition geht von bislang 560 Toten bei den Ausschreitungen und brutalen Übergriffen der Sicherheitskräfte aus. In New York wollte der Sicherheitsrat zu einer Sondersitzung zusammen. Das Ausmass der Gewalt in dem nordafrikanischen Land blieb weiterhin unübersichtlich. Gaddafi-treue Einheiten sollen in den vergangenen Tagen schwere Waffen gegen die Opposition eingesetzt haben. Allein in der von Regimegegnern kontrollierten Stadt Bengasi sollen bislang etwa 400 Menschen ums Leben gekommen sein. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete am Dienstag, etwa 1.400 Menschen würden noch vermisst.
Die Weltenergiemärkte reagierten besorgt: Der US-Ölpreis stieg zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren. Der grösste spanische Mineralölkonzern Repsol YPF stellte die Erdölförderung in Libyen vorerst ein. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sieht aber keine Gefahr für den Ölnachschub in Deutschland. Libyen habe mit rund 7 Prozent einer eher geringen Anteil am deutschen Ölimport, sagte Brüderle in Berlin.
Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) drohte der libyschen Staatsführung mit der raschen Verhängung von Sanktionen. "Sollte Libyen weiter mit Gewalt gegen das eigene Volk vorgehen, werden Sanktionen unvermeidlich sein", sagte Westerwelle in Berlin. Nach Angaben aus Regierungskreisen wird unter anderem an ein Einreiseverbot gegen Gaddafis Familie sowie an das Einfrieren von Vermögenswerten der libyschen Regierung im Ausland gedacht. An diesem Mittwoch will Westerwelle erstmals seit dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak nach Kairo reisen.
Im Staatsfernsehen war Gaddafi in der Nacht zum Dienstag Gerüchten über seine Flucht entgegengetreten. "Ich bin in Tripolis und nicht in Venezuela", sagt der Staatschef. Während der nur wenige Sekunden langen Aufnahme, die wie ein Comedy-Sketch wirkt, hält Gaddafi einen geöffneten Regenschirm über sich. Er sitzt in einem beigen Auto, die Tür ist geöffnet, ein Mitarbeiter hält ihm ein Mikrofon hin, in das Gaddafi hineinmurmelt. Er habe mit den Jugendlichen auf dem Grünen Platz in Tripolis reden wollen, aber dann habe es angefangen zu regnen, zitiert der arabische Sender Al-Dschasira aus der kurzen Rede.
Am Montag hatten Schilderungen martialischer Angriffe auf die Demonstranten die Weltöffentlichkeit schockiert. Wie Augenzeugen dem Nachrichtensender Al-Dschasira berichtet hatten, attackierten am Montag Kampfflugzeuge in Tripolis unbewaffnete Demonstranten. Das wankende Regime verliert immer mehr Verbündete. Nachdem am Montag zahlreiche libysche Diplomaten aus Protest gegen den Einsatz von Gewalt gegen Demonstranten ihren Rücktritt erklärt hatten, sagen sich nun nach Angaben der Opposition auch immer mehr der in Libyen äusserst einflussreichen Stämme von ihm los./abc/cs sv/DP/edh

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