Zweite Umfrage bestätigt Nein zur Begrenzungs-Initiative

Keystone / Pablo Gianinazzi

Eine klare Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten will die Volksinitiative "Für eine massvolle Zuwanderung" ablehnen. Der Vaterschaftsurlaub und der Kauf neuer Kampfjets haben gute Chancen. Das zeigt die zweite SRG-SSR-Trendbefragung vor den Abstimmungen vom 27. September.

Dieser Inhalt wurde am 16. September 2020 - 06:00 publiziert

Rund zehn Tage vor dem Urnengang in der Schweiz scheinen sich die Fronten bestätigt zu haben: Die Initiative für eine massvolle Zuwanderung, lanciert von der Schweizerischen Volkspartei (SVP, rechtskonservativ), scheint die Stimmbevölkerung nicht zu überzeugen.

63% der Befragten würden eher oder sicher ein Nein in die Urne legen, wie die zweite Trendbefragung durch das Institut gfs.bern zeigt. Seit der ersten Umfrage von Anfang August hätten sich die beiden Lager während des Abstimmungskampfs konsolidiert, und nur Wählerinnen und Wähler der SVP würden die Initiative unterstützen.

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Die Umfrage zeigt grosse Unterschiede zwischen den Sprachregionen: Die französischsprachige Westschweiz (Romandie) würde mit 71% Nein sagen, die Deutschschweiz mit 61%, während sich in den italienischsprachigen Landesteilen Ja und Nein die Waage halten. "Somit haben wir keinen Rösti-, sondern einen Polentagraben in Bezug auf die Stimmabsichten zur Begrenzungs-Initiative, denn ein 'Si' aus der italienischsprachigen Schweiz liegt durchaus im Bereich des Möglichen", schreiben die Autorinnen und Autoren der Befragung.

Ein Überraschungsszenario wie am 9. Februar 2014 scheint immer weniger wahrscheinlich. Damals hatte sich das Stimmvolk ganz knapp und entgegen allen Umfragen für die Masseneinwanderungs-Initiative der SVP ausgesprochen.

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Gute Karten für Vaterschaftsurlaub

Für die Einführung eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub sprachen sich in der Befragung 61% aus. Das Verhältnis zwischen Befürwortern und Gegnern blieb während des Abstimmungskampfs konstant. Ausser den Wählerinnen und Wählern der SVP unterstützen die Wählerschaften aller anderen Parteien das Anliegen.

Zustimmung kommt auch aus allen Sprachregionen. Und trotzdem sind Unterschiede zu beobachten: Die Romandie würde, wenn vor einigen Tagen abgestimmt worden wäre, mit 77% Ja stimmen, die Deutschschweiz mit 58%, die italienischsprachige Schweiz mit 57%.

Im italienischsprachigen Südschweizer Kanton Tessin legte das "Nein"-Lager seit dem Start der Abstimmungskampagne zu. In den beiden anderen Sprachregionen blieben die Fronten stabil. Zudem ist zu beobachten, dass der Vaterschaftsurlaub bei jungen Menschen besser ankommt.

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Wenig Aufregung um Kampfjets

56% der Befragten sagten in der Umfrage eher oder klar Ja zum Kauf neuer Kampfflugzeuge für die Schweizer Luftwaffe. Damit dürfte am 27. September wird die Ablehnung eines Kampfjet-Kaufs durch die Stimmbevölkerung wohl keine Wiederholung erleben, wie dies 2014 dem Projekt der Gripen-Kampfflugzeuge beschieden wurde.

Hier zeigt sich ein klarer Rechts-Links-Graben: Die Wählerschaft der linken Parteien ist eher dagegen, jene der rechten eher dafür. Einzig Wählerinnen und Wähler der Grünliberalen Partei (GLP) sind sich in dieser Frage nicht einig.

Auch hier sind Unterschiede zwischen den Sprachregionen zu beobachten: Während die Deutschschweiz und das Tessin klar Ja sagen, tendiert die Romandie leicht in Richtung Nein. Und: Die Männer unterstützen den Kauf neuer Kampfjets deutlicher als die Frauen.

Die Umfrage

wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der SRG SSR durchgeführt, zu der auch swissinfo.ch gehört. Durch den Vergleich der Ergebnisse mit der vorherigen Umfrage lassen sich Trends erkennen.

Insgesamt wurden 17'909 Stimmberechtigte aus der ganzen Schweiz zwischen dem 2. und 10. September telefonisch oder online befragt.

Der statistische Fehlerbereich liegt bei +/- 2,7 Prozentpunkten.

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Jagdgesetz spaltet Stadt und Land

Der Ausgang der Abstimmung über das revidierte Jagdgesetz bleibt unklar. 46% der Befragten sagten Ja zu dieser Vorlage, 48% Nein. 6% sind noch unentschlossen. Während des Abstimmungskampfs konnte das Nein-Lager zulegen und 12 Prozentpunkte dazugewinnen. "Mit einer gewissen Dynamik ist bis zum Schluss zu rechnen", kommentiert gfs.bern.

Klar dagegen ist die Wählerschaft linker Parteien und der GLP. Wählerinnen und Wähler rechter Parteien sind dafür. Frauen und jüngere Menschen tendieren eher zum Nein. Das Nein-Lager ist besonders in den Agglomerationen stark ausgeprägt, während auf dem Land das Ja dominiert.

Support für Steuerabzüge nimmt ab

Bei der fünften Vorlage vom 27. September hat sich die Ausgangslage zwischen den beiden Umfragen sogar umgekehrt: Die Erhöhung der Steuerabzüge für Kinder würde derzeit mit 52% abgelehnt, während sie in der August-Umfrage noch 51% Zustimmung erhalten hatte.

Die Wählerschaft linker Parteien und der SVP ist klar gegen das Projekt. Ein Ja zeichnet sich in den lateinischsprachigen Kantonen ab, während die Deutschschweiz diesen neuen Steuerabzügen kritisch gegenübersteht. "Die Entscheidung muss als offen eingestuft werden, auch wenn aktuell beachtliche Vorteile für die Gegnerschaft existieren", schätzt gfs.bern die Lage ein.

(Übertragung aus dem Französischen: Christian Raaflaub)

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